POLEN NOCH NICHT VERLOREN


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POLEN NOCH NICHT VERLOREN

Für eine Reise nach Polen sollte man die schönste Zeit im Jahr wählen, und welche Reisezeit ist schöner als die im Monat Mai! Bei gutem Wetter präsentiert sich die Landschaft, zumeist platt wie ein Pfannkuchen, mit ihren herrlichen Laubwäldern in frischem Grün, mit den unzähligen Seen in Masuren- 1312 an der Zahl!, oft verbunden durch Kanäle – mit ihren so vielfältigen, großartigen Architekturen, den frischen Saaten auf den Feldern in zarten grünen Farbtönen,  den bunten Wiesen, dem schwarz geflecktem Rindvieh auf den Weiden – zumeist nur 2 – 4 Kühe in einer „Herde!“ -  und den aufgeregt sich anhimmelnd anklappernden Storchenpaaren auf (in) ihren Nestern (Madame brütet noch) –  40 000 Paare allein in Masuren!-, mit ihren unzähligen kleinen Flüssen und Bächen – nicht reguliert! Ja, selbst die Weichsel ist nicht schiffbar, weil man sie eben nicht schiffbar gemacht hat! Und dann die herrliche Ostseeküste, z. T mit ihren großartigen Wanderdünen, auch diese zu einem der 23 Nationalparks gehörend, die es in diesem Lande gibt.
Das Land Ostpreußen, „die kalte Heimat“, aus der meine Großmutter stammt, wollte ich sehen und, mehr noch, empfinden! Danzig, die Perle der Ostsee, wollte ich sehen – sie hat mich begeistert! Und natürlich Krakau, die heimliche Hauptstadt, die heilige Stadt! Die  Stadt in Galicien, die schon so österreichisch ist!
Eine kleine Maschine der Fluglinie Lot, nur spärlich von geschäftsmäßig gekleideten polnischen und deutschen Herren neben einem weiteren Touristenpaar besetzt, brachte mich nach Warschau, wo ich mich mit meiner aus 12 Personen bestehenden Reisegruppe, alle - bis auf eine  jüngere Dame der nächsten Generation -  etwa meinen Alters, und einem ebenfalls jüngeren Reiseleiter, traf.
Warschau in Masowien, Polens Hauptstadt, blickt  auf eine 700 Jahre lange Geschichte zurück. Das Zentrum der Stadt war bis zum 19. Jahrhundert die pittoreske Altstadt in barockem Stil. Denn bereits vor dieser Bauperiode, als sie sich in gotischem Stil gab, war sie schon einmal vollständig abgebrannt. Mit dem Bau der Eisenbahn verlagerte sich das Stadtzentrum jedoch in die entstehende Neustadt. Aber nur wenige Bauten aus der Gründerzeit haben den 2. Weltkrieg überdauert! Nach dem verlorenen Aufstand der Polen wurde die gesamte Stadt von den Deutschen in die Luft gesprengt. Sodann marschierten die Russen ein. Kein Wunder, dass fast nichts mehr übrig blieb!
Aber ein Wunder geschah nach dem Krieg: 1954 war der Wiederaufbau der Altstadt, im wesentlichen unter Zuhilfenahme von Canalettos Gemälden, die man ausgelagert hatte, abgeschlossen. Warum Canaletto, der unter dem letzten König Stanislaus August Poniatowski, im 18. Jahrhundert gearbeitet hatte? Ganz einfach: seine großartigen Veduten waren farbig, die erhaltenen Fotografien jedoch lediglich schwarz-weiß. Die ungeheure Leistung der armen Bevölkerung der Hauptstadt, neben dem bitter notwendigen Wohnungsbau und anderer lebenswichtiger Gebäude die wunderschöne Altstadt wieder erstehen zu lassen (Und die Polen sind die berühmtesten Restauratoren!), konnten wir schier nicht fassen: wie nur, fragten wir uns, konnte das finanziert werden? Nun ja, arm war man ohnehin, und außerdem hat man über die Gebühr Slotys gedruckt. Es ging jedenfalls.
Der Wiederaufbau des Schlosses erfolgte unter Edvard Gierek.
Und, man kann es kaum fassen, die Fugger, die einstmals nach Warschau kamen, um auch hier als Handelsleute ihre Geschäfte zu tätigen, sind immer noch da: sie betreiben  heute eines der teuersten Restaurants in ihrem ureigenen Jahrhunderte alten Haus in der Altstadt.
Der letzte König, Stanislaus August Poniatowski, hat Warschau im 18. Jahrhundert ausgebaut. Er war  ein Liebhaber der Zarin Katharina II., der Großen, gewesen. Damals gab es
in Polen das Wahlkönigtum, und Katharina setzte ihren ganzen Einfluss ein, damit ihr ehemaliger Geliebter zum polnischen König gewählt wurde, und er wurde! Er machte
sein Warschau zu einem Schmuckstück! Und somit beschäftigte er viele Künstler aus dem Westen und dem Süden Europas.
Er baute barocke Schlösschen, legte Parks mit kleinen Seen und intimen Villen an, so auch im Lazienki-Park, den wir besuchen: Ein herrlicher alter Baumbestand! – Ein Park, in dem keine Stille aufkommt: nämlich wegen des ständigen dissonanten  Geschreis vieler Pfauen, die er offensichtlich liebte, oder die zumindest damals in Mode waren, und die es immer noch gibt.
Und hier in diesem wunderschönen Park steht auch das Chopin-Denkmal, im Jugendstil gestaltet und in 117 Teilen gegossen. Ja, damals gehörte Warschau auf Grund der Teilungen noch zu Russland, aber aufrührerische Ideen gegen diesen Riesen-Herrscher gab es natürlich! 1901 sang eine polnische Sängerin vor dem Zaren, und der war von ihrer Darbietung so begeistert, dass er ihr anbot, sie dürfe einen Wunsch äußern, den er ihr erfüllen würde. Sie wünschte sich ein Denkmal für Chopin, und der Zar fragte:“ Wer ist denn das? Ist das ein Freiheitskämpfer?“ (!!!!) Ja, so war das damals, und immerhin, zur Zeit der Teilungen entstand im 19. Jahrh. die Nationalhymne: „Noch ist Polen nicht verloren!“   
Es war auch nicht verloren, denn 1918 erlangte das Land wieder seine Selbständigkeit, erschien sozusagen erneut auf der Landkarte, von der es seit 1772 verschwunden war.
Chopin, in der Nähe von Warschau geboren, war der Sohn eines Lehrers. Sein Vater unterrichtete u.a. auch Maria Waleska, die später Napoleons Geliebte wurde, als dieser sich auf dem Weg nach Russland befand.
Es gibt viele berühmte Polen, aber es gibt auch die ganz außerordentlichen Persönlichkeiten, die in diesem Land ein Licht für die Menschheit entzündeten: Kopernikus, z.B., der 1473 in Thorn das Licht der Welt erblickte, ( sein Denkmal in Warschau wurde von Thorwaldsen gestaltet) oder Marie Curie, 1867 in der Warschauer Neustadt geboren, die gleich 2 mal den Nobelpreis erhielt.
Von dem Warschauer Ghetto ist natürlich nichts mehr wieder aufgebaut worden. Auf dem Platz, auf dem ein Denkmal an die Tragödie erinnert, und vor dem damals Willi Brand niederkniete, wird jedoch eine Dokumentation gezeigt, die mich sehr, sehr erschüttert hat.
Aber vorwiegend ist Polen ein Land der Kirchen, ein Land  der  Kirche! Und nachdem es seit dem 2. Weltkrieg  praktisch eine reine polnische Bevölkerung aufweist, ist es ein Land der katholischen Kirche, das Land des Papstes Johannes Paul II. Das beobachtet man in ganz Polen überdeutlich, und ich hatte fast den Eindruck, dass die Polen den Papst ganz für sich allein haben – jedenfalls in ihren Augen. Als ich die Reise antrat habe ich, die ich in ein ehemals kommunistisches Land kam, mir nie träumen lassen, dass ich  s o o  viele Kirchen, und so viele von der feinsten Sorte, was die Architektur anbetrifft, besichtigen würde. Man geriet sozusagen von einem Himmel in den nächsten, und es begann schon in Warschau! Selbstverständlich überwiegt im Norden die Backsteinbauweise, aber mit welcher Eleganz ist sie in den Zeiten der späten Gotik, Renaissance und des Barock bearbeitet worden! Die Hanse war ja nicht nur im Küstengebiet zu Hause, sondern sie verbreitete sich auch weit in das Land hinein. Der italienische und österreichische Barock, mehr im Süden verbreitet, beeinflusste auch den Norden.  Verallgemeinernd kann man sagen, dass in der Renaissance und im Barock im Norden Polens die deutschen Baumeister gearbeitet, bzw. die polnischen Architekten beeinflusst haben, im Süden die italienischen. Auch heute sind die Polen noch sehr fromm.  (Kein Sonntag ohne 8 – 10 Messen!) Überall sah ich  die Kirchen gefüllt bis überfüllt mit gläubigen  Christen, sonntags wie werktags. Das höchste soziale Ansehen genießen die Geistlichen, und das taten sie auch unter den Kommunisten. Heute sind polnische Priester ein Exportschlager, wie man weiß. Man weiß aber auch, dass die Kirche im Einklang mit der Bevölkerung den größten Anteil am Widerstand gegen den Kommunismus hatte. Ohne ihre Unterstützung hätte Solidarnocz nicht erfolgreich sein können! Oh, anfänglich ging es sehr stalinistisch zu! Kardinal Wyschinski, heute als Märtyrer verehrt, war  lange Zeit eingekerkert. Einmal musste er 24 Stunden lang im ihm bis weit über die Knöchel reichendem kalten Wasser stehen. Für ihn gibt es viele Denkmäler in den Kirchen, und oft sehr schöne! Was den Kommunisten allerdings später sehr geschadet hat, war der Mord an dem Priester Populusco. Von diesem Verbrechen des Geheimdienstes, das der selbstverständlich vertuschen wollte, erfuhr die Bevölkerung durch ausländische Medien (Rundfunk). Da wurde selbst den Herrschenden klar, dass man zu weit gegangen war. Das war in den frühen 80iger Jahren. Der Prozess gegen die Mörder fand später in Thorn statt, aber zu einem befriedigenden Urteil kam es wohl nicht! Auch unter den Kommunisten gab es von der Kirche geführte Schulen, die staatlich anerkannt waren. Eine Kirchensteuer gab und gibt es auch heute nicht, dennoch ist die Kirche reich! Dies ist selbst einem Außenstehenden ersichtlich!
Natürlich gibt es auch in Polen viele Sekten.  Und  Muslimen, das sind hauptsächlich Tataren!
Die Tataren sind eine Volksgruppe, die weiland wsie eine wilde Horde über Russland dahinfegten und auch vorübergehend die Herrschaft inne hatten, lieb Brigitte. Kazan an der Wolga ist heute noch die Hauptstadt der Tataren, und die sind Moslems. Natürlich sind im Zuge der kriegerischen Ausinandersetzungen Tataren bis nach Polen vorgedrungen, sie waren wohl auch im mongolischen Heer integriert, (Schlacht bei Liegnitz, 14. Jahrh.). Seit meiner Jungend, als Teenager aschont, reise ich immer, um etwas zu lernen und recherchiere auch. Außerdem ist Geschichte mein Hobby. Ich finde, nur so wird das Reisen überhaupt interssant.So findet man auch Geschichtliches im Marokko-Bericht. und Rußland und die Donau sind natürlich erst recht interessant. Ich war auch in Sibirien, aber da ist mit Geschichte nicht viel los, wie Du Dir denken kannst - eher nur Trauriges (GULAG). Grüße Anneliese
Für westliche Verhältnisse ist Polen dünn besiedelt (38 Mill. Einw.), und Masuren, wohl die ärmste Region mit einer Arbeitslosenrate von derzeit 28% (in Warschau 6%), gehört wohl zu den am dünnsten besiedelten Gegenden. Wälder und Seen – Seen und Wälder! Trotz dieser nahezu unberührten Landschaft gibt es aber keinen Nationalpark: die Menschen, die hier leben, sind auf das Sammeln von Beeren und Pilzen, auch Brennholz, angewiesen, was in einem Nationalpark  natürlich nicht gestattet ist. ( Dennoch kann man auch hier Wisente beobachten, und Göring und Breschnew gingen hier auf die Jagd. ) Andererseits werden weder Kunstdünger noch chemische Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt, einfach deshalb, weil die Bauern zu arm sind, um sie sich leisten zu können. Sämtliche masurischen Seen frieren im Winter für 3 Monate zu, weshalb sich das Eissegeln zu dieser kalten Jahreszeit  einer großen Beliebtheit erfreut. Entstanden sind diese vielen Seen nach der Eiszeit, während sich der große Gletscher nach Skandinavien zurückzog.  Da die Endmoränen zurückblieben,  ist Masuren, im Gegensatz zum übrigen Polen – vom „tiefen“ Süden abgesehen -, ein hügeliges Land. Alle Seen liegen auf gleicher Höhe – es gibt nur zwei Schleusen! Zur kommunistischen Zeit waren sie stark belastet, sodaß der Fischreichtum drastisch zurückging. Das hat sich inzwischen geändert. Die polnische Akademie der Wissenschaften unterhält hier eine Außenstation, die sich hauptsächlich mit Bibern beschäftigt, welche ihrerseits damit beschäftigt sind, auf ihre Weise die Landschaft zu verändern.
Die Ureinwohner waren Pruzzen. Sie gehörten zur baltischen Sprachgruppe, waren also weder Germanen noch Slawen. Da sie im wesentlichen von Raubüberfällen lebten, wurden die Deutsch-Ritter, 30 Jahre zuvor gegründet, vom Herzog von Masowien zu Hilfe gerufen. Der berühmte Hermann von Salza hat Ostpreußen nie gesehen, ( er saß im wärmeren Venedig!) aber für die Ritter war es eine wunderbare Gegend zum missionieren, zumal die Pruzzen wohl an die 150 Jahre gebraucht haben, bis sie merkten, dass sie Christen waren! 97 Städte und 1700 Dörfer wurden vom Ritterorden gegründet, für die gesellschaftliche Ordnung und die Gerichtsbarkeit galt das römische Recht! Überall bauten die Ritter ihre Burgen, wir finden sie in allen kleineren Städten, die wir besuchen. Die größte und beeindruckendste ist natürlich die berühmte Marienburg bei Danzig, nunmehr eindrucksvoll restauriert. Hier residierte der Hochmeister. 1410 ( Schlacht bei Tannenberg ) - es war die Zeit der Jagellonen, als Polen am mächtigsten war - konnte sie zwar erfolgreich gegen das polnische Heer verteidigt werden. Dennoch waren die Ritter gezwungen, sie an ihre Söldner zu verpfänden, da sie sich nicht in der Lage sahen, diese zu bezahlen, und so kam die Burg 1457 letztendlich doch an die Polen!
Für eine Besichtigung dieses einzigartigen Bauwerks sollte man einschl. eines Museumsbesuches und die Betrachtung wunderbarer Bernsteinarbeiten mindestens 2 Stunden veranschlagen !
Bernstein ist das griechische Elektron der Antike, die Germanen nannten es Klak, d.h. Glas. Echtes Bernstein brennt und verbrennt (im Gegensatz zu den Nachahmungen aus Plastik). Gesucht, gefunden und gehandelt wurde Bernstein seit Menschengedenken an der südlichen Ostseeküste. Es lässt sich wunderbar verarbeiten, so dass man, reist man in den Bernsteinländern wie Polen und Russland, die herrlichsten und die kitschigsten Dinge zu Gesicht bekommt. In Puschkin sah ich in einem Schloss der Zarenfamilie auch ein  Bernsteinzimmer. Derzeit wird in Danzig ein Altar aus Bernstein für eine Kirche geschaffen, der sich im wesentlichen aus dem vom Zoll an der polnisch-russischen Grenze beschlagnahmten Bernstein zusammen setzt.
Inzwischen musste auch die Westhälfte des Deutschordenslandes an Polen abgegeben werden, nämlich 1446. Einschließlich  Ermland wurde das Deutschorden-Land quasi hin  und her geschoben, im 18. und 19. Jahrh. mehrmals getrennt und wieder unter Preußen vereinigt.
Ostpreußen also, Preußen zugehörig, war seit der Reformation evangelisch, es gab lediglich eine katholische Enclave, nämlich Ermland, deren Bischofssitz Allenstein war und noch heute ist. Ursprünglich war Ermland ein Fürstbistum, als aber Masuren zu Preußen kam, war der Fürstbischof  plötzlich preußischer Untertan, was ihn vielleicht zunächst irritiert hat! Kopernikus, dessen Onkel im 15. Jahrh. Bischof von Ermland war, amtierte in Allenstein für mehrere Jahre als Burgvogt, denn auch in Allenstein gab es selbstverständlich eine Ordensburg. Hier, in dieser Burg – im Burghof ist übrigens eine pruzzische Stele aus vorchristlicher Zeit,  eine Muttergottheit darstellend, zu sehen -  konnte Kopernikus, der außer Mathematik, Physik und Astronomie auch Medizin und Theologie studiert hatte, gemütlich seinen Studien nachgehen. Er besaß die niederen Weihen, aber verheiratet war er nie. Seine Schwester war Äbtissin – also eine Top-Familie!
Heutzutage ist natürlich das ganze polnische Ostpreußen , nämlich der westliche Teil, katholisch. Ost-Ostpreußen (Königsberg-Kaliningrad) gehört seit dem Ende des 2. Weltkrieges zu Russland. Aber im 16. Jahrh. wanderten viele Menschen aus Masowien in dieses menschenleere Land ein, denn Masowien war damals überbevölkert. Auch viele evangelische Christen kamen. Sie trugen polnische Nachnamen, hatten aber deutsche Vornamen.
Im 19. Jahrh. wanderten Altgläubige aus Russland ein – der preußische König gab diesen Russen Land in der Johannisburger Heide, wo zunächst erst einmal ordentlich gerodet werden musste. Ganz Ostpreußen lachte, als die Russen kamen: Die Männer trugen  lange Bärte, an der Kleidung gab es keine Knöpfe, denn diese galten als Teufelswerk. Sie bauten sich kleine Holzhäuser, keine Kirche, hatten anfänglich auch keine Popen – blieben ganz für sich in ihren Dörfern. Streng hielten sie 200 Fastentage im Jahr ein, an denen keinerlei Fleisch-, Milch- und Eiprodukte verzehrt werden durften. Außer der Taufe und der Beichte (wem beichtete man ohne Popen?) lehnten sie alle Sakramente ab. So ergab sich ganz von selbst der Clinch mit dem preußischen König, der unerbittlich auf dem Militärdienst bestand! Nach langem Kampf einigte man sich darauf, dass die Männer ihre Bärte behalten durften. Wie das Problem mit den Knöpfen gelöst wurde, entzieht sich meiner Kenntnis! 
Klaus Bednarz, z. B., stammt aus so einem altrussischen Dorf (das wir auch besucht haben.)
Die Johannisburger Heide ist das größte Waldgebiet in Ostpreußen. Hier wurde Ernst Wiechert in einem Forsthaus geboren. Aus Masuren stammen viele Dichter und Schriftsteller (Siegfried Lenz, z.B.), aber  k e i n e  großen Naturwissenschaftler!
In Ostpreußen war jede Stadt eine Garnisonsstadt, und so gab es in jeder ostpreußischen Stadt eine Kaserne – immerhin,, man befand sich in der Nähe des russischen Reiches!
Ostpreußen war das erste Land, das die Russen eroberten und besetzten. Alle Ortschaften, insbesondere die Städte, die durch die Deutschen noch nicht zerstört worden waren, wurden von ihnen niedergebrannt, auch, nachdem sie sie kampflos eingenommen hatten. Und so traurig sehen diese, nachdem wieder aufgebaut wurde, auch aus. Rasteburg z.B., war natürlich auch eine ehemalige Garnisonsstadt! Ich erwähne diese im Besonderen, da von hier aus in größter Eile  das ostpreußische Führerhauptquartier mitten in dichtestem Wald unter uralten Bäumen unter einem nur spärlich Licht durchlassendem Blätterdach nach Beginn des Krieges mit Stalins Sowjetunion angelegt wurde. Es musste zunächst ein riesiges Areal gerodet werden. Von mehreren „Ringen“ eingeschlossen baute man in dem etliche Hektar großen Gelände eine Reihe von Hochbunkern, deren Wanddicke mehrere Meter betrugen. Die Mauern des Führerbunkers waren 7 m dick! Von Fenstern konnte somit keine Rede sein, alles wurde mit Rohren von etwa 15cm – 20cm lichter Weite belüftet, ansonsten gab es künstliches Licht. Natürlich waren nicht alle Gebäude dermaßen verbunkert. Aber alles in allem war es einfach eine riesige Festung. Lichte Stellen im gerodeten Wald wurden mit künstlichen Bäumen bestückt und über allem spannte man ein künstliches Blätterdach als weitere Tarnung. Es gab zwei Flughäfen.
Als Hitler, der aus der Gegend des lieblichen Inn stammte und einen Teil seiner Zeit auf dem wunderschönen Plattnerhof mit der schönsten Aussicht, hoch über Berchtesgaden, verbrachte, zum ersten Mal in die Wolfsschanze kam, war er vollkommen schockiert. Kein Wunder, dass er sich wie eingemauert vorkam, und wohl hat er sich hier nie gefühlt! Man redete ihm aber ein, dass dieses Versteck angesichts der Gefahr sowjetischer Luftangriffe notwendig und nicht dicht genug sein könne. 830 Tage verbrachte der Führer in diesem „Gefängnis“, im Dunkeln, unterbrochen lediglich durch kurze, halbstündige Spaziergänge mit dem Schäferhund Blondel, der schon der vielen Mücken wegen wahrscheinlich auch nicht viel Lust hatte, diese auszudehnen. Die Wachsoldaten jedenfalls waren im Sommer eingemummelt wie die Imker mit Moskito-Netzen und weißen(!) Handschuhen. Frauen wurden, bis auf ein paar Sekretärinnen, die Bormann auch regelmäßig auswechselte (!) hier nicht geduldet, auch Eva Braun war niemals in der Wolfsschanze. Einer der Generäle schilderte das Leben in dieser Festung als ein Zwischending von Kloster und KZ! Hier geschah auch das Attentat des Grafen Stauffenberg, dessen genauen Hergang man  bei einem Spaziergang durch das ausgedehnte Gelände erfährt, und man bekommt auch die Bilder der zerfetzten Hosen von dem Führer und dem ihm am nächsten stehenden General zu Gesicht. Stauffenberg war sich seiner Sache so sicher gewesen! Der Führer sprach später von der Vorsehung, und vielleicht gab es sie auch, denn die Zeit, die dann folgte, bis weit nach dem Zusammenbruch, war wohl die schlimmste, die das Volk zu erdulden hatte!
Bevor die Russen einmarschiert sind, versuchte man, alles in die Luft zu sprengen, was nicht immer möglich war. Viele Bauten sind bis heute als Ruinen übrig geblieben. Nach dem Krieg waren 54 000 Minen ( durch polnische Soldaten )zu entschärfen! Zusammen mit einem kompetenten Führer ist diese „Geschichtsstätte“ gefahrlos zu begehen!
Eine mehrstündige ruhige Schiffahrt auf den masurischen Seen, durch sie verbindende Kanäle ist etwas für die Seele! Auf dieser langen Fahrt kann man diese kühle Landschaft, die nicht die Lieblichkeit des Südens hat, so richtig in sich aufnehmen. Etwas für die Seele? Oh ja! Etwas für die Seele waren auch die Konzerte, denen wir auf dieser Reise lauschten: zunächst in Heiligelinde, nicht gerade der höchste Kunstgenuß, sondern eher ein Kuriosum, denn während des Orgelspiels in dieser barocken Kirche  (welche unseren Reiseleiter an 14- Heiligen erinnerte, mich aber nicht!) bewegten sich geschnitzte Figuren, die an dem berühmten Instrument angebracht waren. Berühmter ist natürlich die riesige Rokoko-Orgel in  der ehemaligen Zisterzienser-Abtei-Kirche in Oliwa bei Danzig, und auch hier wohnten wir einem Orgelkonzert bei. Der Höhepunkt allerdings war ein Chopin-Konzert, welches ein berühmter Pianist und Professor des Warschauer Konservatoriums für uns in einem neugotischen Schlösschen inmitten eines schönen Parks gab. Sein PR-Management bezeichnet ihn als den neuen Horowitz, und für mich klang es auch so! Unvergesslich!
Auf der Fahrt nach Westpreußen ( Pomerellen ) – hier waren die Ureinwohner die Polanen - sehen die besuchten Städte, wie z.B.Elbing, melancholisch-traurig aus. Es ist immer daran zu denken, dass die Russen bei ihrer Eroberung einfach alles niedergebrannt haben. Gerade in Elbing versucht man eine wohl ganz gut geglückte Verbindung zwischen altem Stadtbild und moderner Bauweise zu finden. Man darf gar nicht daran denken, wie es damals 1945 war. Wenn ich allein an die vielen Kirchen denke, die zerstört und wieder aufgebaut wurden, und die jetzt mit ihren himmelhohen Gewölben in ihrer erhabenen Pracht strahlen, so kommt mir das ganz unwirklich vor.
Die Polanen waren West-Slawen, die hier in Westpreußen in wilden Stämmen lebten. Als es ihrem  ersten Herrscher gelang, sie zu vereinigen, nannte er sein Land Polonien, und weil er ständig von den Christen, die in seinen Grenzmarken lebten, angegriffen wurde, schickte er seine Frauen nach Hause, heiratete eine christliche Prinzessin und ließ sich und sein Volk taufen!
Auch die Polanen haben das  erst 150 Jahre später gemerkt!
Sein Sohn ließ den Bischof Adalbert aus Prag kommen, schickte ihn hinauf zu den Pruzzen, von denen der schließlich erschlagen wurde. In Gold aufgewogen kaufte der Herrscher die Leiche den Pruzzen ab und ließ sie in Gnesen begraben. Otto III., der deutsche Kaiser, reiste persönlich nach Gnesen, um die sterblichen Überreste des Hl. Adalbert zu besuchen! So war das damals im 11. Jahrh.!
D a n z i g ! Diese Stadt war natürlich auch vollständig zerstört, und es gab nach dem Krieg eine lange Diskussion, ob die Altstadt im alten Stil wieder aufgebaut werden sollte. Man entschloss  sich schlussendlich dazu, gerade weil es sich um eine Stadt deutscher Tradition handelte (Da gab es wohl für die Polen schlüssige Gegenargumente) – sozusagen, um den Deutschen zu zeigen, „was eine Harke ist“. Ein ganz, ganz großes Glück, dass sich die Verfechter dieses Arguments durchsetzen konnten! Ich kann die Schönheit dieser Stadt hier nicht schildern, man muß sie selbst sehen – empfinden!
Dennoch soll hier in anderer Weise die Rede von Danzig sein. Was wäre z.B. aus dem Buddenbrock-Film geworden, wenn man ihn nicht  in diesem wunderbaren althanseatischen Danziger Ambiente hätte drehen können? Und wo hätte Günter Grass sonst seine Ehrendoktor- Ehrenprofessor- und Ehrenbürger-Würde her, wenn nicht aus – in - Danzig?
Der Dichter wird hier, wie überhaupt in ganz Polen, über die Maßen verehrt! In der Laves-Str. hat er gewohnt und im Conradinum sein Abitur abgelegt. Gerade diese neustädtischen Viertel
präsentieren sich in dem frischen Maiengrün der Laubbäume-Alleen zauberhaft. Die Meeresluft ist um diese Jahreszeit angenehm – und die Sonne scheint! In Danzig wurde  Schopenhauer geboren, von hier stammte auch seine berühmte Mutter Johanna. Und natürlich Lech Walenza, der erste Staatspräsident Polens nach der Wende, dem übrigens der Adelige Jaruselski (von ihm wird noch die Rede sein), der letzte Parteisekretär, mehr oder weniger „freiwillig“ sein Amt abgab. Walenza war dann wohl auf Dauer mit dem Amt überfordert. Dennoch genießt er noch alle Vorzüge eines ehemaligen Staatspräsidenten, aber alle seine Orden und Ehrendoktorwürden einschl. des Friedens-Nobelpreises hat er der schwarzen Madonna von Tschenstochau übergeben, und dort sind sie auch in einer Vitrine zu besichtigen. In Danzig besitzt er nun ein hübsches Haus, das wir auch gesehen haben.
Von unserem Hotel aus konnten wir den wunderschönen Jugendstil-Bahnhof  Danzigs  bewundern.
Natürlich besuchen wir auch das berühmte Seebad  Zoppot! Ein französischer Arzt der napoleonischen Armee traf auf dem traurigen Rückzug die zwei wichtigsten Entscheidungen seines Lebens: 1. er heiratete eine Danzigerin und 2. er eröffnete in Danzig eine Praxis – und durch ihn entstand das Seebad, denn schon er ließ das erste Kurhaus bauen!
Auf dem Weg dorthin kommt man auch an den Danziger Wellenhäusern vorbei. Hässliche Groß-Wohnbauten sieht man ja im ganzen ehemaligen Ostblock, vornehmlich in den Außenbezirken, doch von ausgesprochener Hässlichkeit, wie man es sonst gewohnt ist, sind diese Wellenhäuser ( ihre Fronten sind gewellt, eine Hommage an die Ostsee!) nicht. Das größte von ihnen, nicht sehr hoch, hat eine Länge von 700 m, und, will man vom ersten zum letzten Eingang gelangen, benutzt man am besten den Bus und fährt zwei Haltestellen!. Die Wohnungen selbst sind von Größe und Zuschnitt derart, dass, legt sich der Hausherr in seinem Wohnzimmer auf die Chaiselongue, er gleichzeitig in der Küche Wasser holen kann.
Dass  Zoppot (ein kaschubischer Name übrigens, denn hier siedelten die Kaschuben) einmal sehr elegant war, sieht man auch heute noch, und der Blick auf die Danziger Bucht von einer lang in das Wasser hineingezogenen Seebrücke aus ist wunderbar. Links erahnt man Gdingen und dahinter das von den Deutschen zum Kriegshafen ausgebaute Gotenhafen, von wo aus die unglückselige Gustloff in See stach!
Danzig liegt an der Motlau, einem schmalen Flüsschen. Die Weichsel schlängelt sich um die Stadt, und beide Flüsse vereinigen sich im Hafen. Auf einem kleinen Schiff, auf dem wir in Richtung Westernplatte schippern, sehen wir auch von Ferne die Lenin-Werft.
1920 wurde Danzig aus dem Deutschen Reich herausgelöst und eine freie Stadt. Die Polen, die ja sonst keinen Zugang zum Meer hatten, erhielten die Westernplatte, ein kleines Gebiet am Rande der Bucht, von wo aus sie See-Handel treiben aber auch in beschränktem Umfang Munition lagern konnten, bewacht von polnischen Soldaten.  Diese militärischen Anlagen standen  aber auch unter der Kontrolle des Völkerbundes, vertreten durch einen Kommissar,  einem  Schweizer:  Herrn Burkard!. Kriegsschiffe durften sich der Westernplatte nicht nähern.
Im August 1939 erschien in der Weichselmündung das deutsche Schulschiff „Schleswig-Holstein“. Herr Burkard inspizierte das Schiff und konnte weder bewaffnetes Militär noch Munition entdecken. Angeblich hatte aber der Kapitän auf hoher See Soldaten aufgenommen, es kam zu einem Gefecht, bei dem 17 polnische und 500 deutsche Soldaten um´s Leben kamen. Und das war der Auslöser zum Krieg, denn.“ Seit 5 Uhr wurde zurückgeschossen!“
In Westpreußen bzw. im polnischen Korridor haben sich die Kulturen vermischt. Die Deutschen  lebten zumeist in den Städten, auch die Juden, die Polen eher auf dem Lande.
Das Kulmer Stadtrecht galt als Vorbild. In Kulm sind Hermann Löns (der Heidedichter ) und Kurt Schuhmacher geboren.
Und so geht es durch den ehemaligen Korridor und dann auf dem Piastenpfad ( dies ist die Straße zwischen Thorn und Posen) nach Süden. Noch unter den Piasten wurde Polen geeinigt und unter dem ersten Piastenkönig die Universität in Krakau im 11. Jrh. - nach Padua, Prag und Bologna - gegründet. Zunächst war Gnesen die Keimzelle des neuen Staates. Gnesen war lange Erzbistum, und immer war der Erzbischof von Gnesen der Primas von Polen. Und immer hat der Primas von Polen vom Papst ein weißes Pferd bekommen! Und außerdem ein Gebiet westlich von Warschau mit 80 Dörfern! Später ist auch Warschau selbst mit einbezogen worden. Erst vor 10 Jahren hat der Papst bestimmt, dass der Erzbischof von  Gnesen nicht unbedingt auch Primas von Polen sein muß! – das 2. Erzbistum von Polen ist übrigens Lemberg.
Gnesen fand ich ein bisschen traurig, die Altstadt von Thorn ist schön und bemerkenswert, aber wunderschön ist die Altstadt von Posen. Posen liegt im Warthegau und ist eine berühmte Messestadt! Da Posen immer preußisch war, gelten die Posener auch heute noch als über- pünktlich, tüchtig und pingelig! In Posen gibt es übrigens ein düsteres Schloss in neogotischem Stil, welches ursprünglich das Führerhauptquartier werden sollte! Nun, das schien den Generälen denn doch nicht sicher genug!.
Als die Böhmen die Gebeine des Hl Adalbert anlässlich eines Kriegszuges einfach mitgehen ließen – sie wurden natürlich wieder zurückgeholt -  wurde die Hauptstadt von Gnesen nach Krakau verlegt.
Die Fahrt durch das Land geht durch herrliche Alleen. In der ganzen Provinz Posen und Niederschlesien ist das Land platt – eben – ein wunderbares Durchgangsland für große Armeen! Denke ich.
Was die Enteignung der deutschen Adeligen anbetrifft, so haben sie natürlich keinen Anspruch auf Rückgabe ihres Eigentums, da sie Ausländer sind. Dennoch kommt es vor, dass  diese den ehemaligen Besitz  für einen symbolischen Preis zurückkaufen und nach Restaurierung der Allgemeinheit zugänglich machen, z.B. als Jugend-Tagesstätten u.ä. Einrichtungen, wie es u.a. die Bismarcks und die Krokows getan haben. Überhaupt ist mir erst auf dieser Reise bewusst geworden, wie intensiv schon auf unteren Ebenen  Polen und Deutsche am europäischen Haus arbeiten – dem Himmel sei Dank!
Dennoch gilt es bei dieser Gelegenheit anzumerken, dass noch immer die Ängste in der Bevölkerung bestehen, die Deutschen könnten zurückkommen und ihr Eigentum  zurückfordern, was ja besonders die aus dem Osten angesiedelten Polen ( aus dem jetzigen  Weißrussland ) treffen würde. Diese Ängste sind auch immer unter dem Kommunismus geschürt worden. Sie sind auch der Grund, dass viel ehemaliges deutsches Eigentum ungepflegt blieb, was Deutsche, die ihre alte Heimat besuchen, immer so schockiert. Die Angst, es könnte ihnen wieder genommen werden, sitzt tief und macht auch viele Polen zu Gegnern der EU! Man fürchtet auch, dass Land von den reichen Ausländern aufgekauft wird, und ganz besonders befürchten die Kleinbauern, von denen es sehr viele gibt, denn sie haben sich gegen die Zwangskollektivierung im Kommunismus erfolgreich gewehrt, (so gab es nur wenige Kolchosen), den Anforderungen der EU nicht gerecht zu werden. 30% der Polen arbeiten noch in der Landwirtschaft ( in Deutschland 3%). So verhält es sich nur noch in Griechenland. Und es gibt sehr, sehr viele Kleinbetriebe, die dann nicht mehr überleben könnten. So sahen wir auch eine Demo gegen die EU in Danzig. Ein Referendum zum Beitritt zur EU wird demnächst abgehalten.
Der polnische Adel machte 10% der Bevölkerung aus. Er war sehr reich! Auch Jaruselski stammte vom polnischen Adel ab. Er wurde als 16 Jähriger zusammen mit seinem Vater nach Sibirien verschleppt, aber er kam als kommunistischer Offizier zurück. Immer hat Jaruselski Angst vor den Russen gehabt. Beim Einmarsch in die Tschechei 1968 war auch er dabei!   (nicht dabei waren übrigens die Rumänen und die Bulgaren, wohl aber die DDR!) Jaruselski war hoch gebildet, ein großer Kenner der polnischen Literatur. 50% der Polen sehen heute Jaruselski als einen kommunistischen Verbrecher, bei den übrigen ist er ein angesehener Mann, obwohl er ja das Kriegsrecht eingeführt hat, von dem er sagt, dass es ganz allein seine Sache gewesen sei!
Ach, Gomulka! Der war übrigens ein ganz überzeugter Kommunist. Als er einmal einen Betrieb besuchte, beklagten sich die dort arbeitenden Frauen, dass keine Strumpfhosen zu bekommen seien. „Verstehe ich nicht!“ meinte Gomulka „Meine Frau bekommt immer eine Strumpfhose, wenn sie eine braucht!“ Das war Gomulka!
„Ex oriente  lux et ex occidente luxus!“ heißt es bei einem modernen polnischen Dichter, kein Wunder bei der zeitweiligen Strumpfhosenlage im Kommunismus!
Auf dem Weg nach Breslau kommen wir auch am Schloss der Lesczynskis vorbei, von denen einer  der Schwiegervater des französischen Königs Ludwig XV., und in dieser  Eigenschaft Herzog von Lothringen war. Ihm verdanken wir  den herrlichen Ausbau des Schlosses und die Platzfolge von Nancy . Auch das polnische Schloss macht natürlich etwas her – heutzutage eine öffentliche Einrichtung ( Kongresstätte).
In Trebnitz haben die Hl. Hedwig von Andechs und ihr Gemahl, Herzog Heinrich I., der Bärtige, das berühmte Zisterzienserkloster gegründet, dessen erste Äbtissin eine ehemalige Lehrerin der Herzogin, die 2. aber ihre Tochter Gertrud war. Von den 8  Kindern des Herzogpaares haben nur zwei das Erwachsenenalter erreicht: Der Sohn Heinrich, der bei der Schlacht von Liegnitz  gegen die Mongolen, in der die Deutschen siegten ( zum Glück kann man in diesem Falle laut sagen!), sein Leben verlor, und eben ihre Tochter Gertrud. Auch die Hl. Hedwig beendete ihr Leben in diesem  Kloster. Hier in der Kirche, dem ältesten erhaltenen großen Bauwerk Schlesiens in romanisch-frühgotischem Stil, später barockisiert, voller Kunstschätze, befindet sich auch  das Freigrab der Heiligen in der Hedwigskapelle, eine wahre Wallfahrtsstätte!
(Nebenbei: ihr Gemahl, der Herzog, wurde selbstverständlich auch hier begraben!)
Wir sind also in Schlesien!
In Schlesien haben zunächst Kelten, dann Germanen und schließlich Slawen gelebt. Schlesische Piasten  haben immer deutsche Prinzessinnen geheiratet, wie z.B. Heinrich der Bärtige Hedwig von Andechs aus Bayern. Im 13. Jhrh. Wurde die deutsche Ostkolonisation favorisiert. Seit dem 14. Jahrh. gehörte Schlesien zu Böhmen, aber gewohnt haben hier meist Deutsche, weniger Polen. Seit dem 16. Jahrh. regierten hier die Habsburger, aber die Schlesier waren evangelisch, was den Habsburgern ein Dorn im Auge war. Im 30 jährigen Krieg kam die Hälfte der Bevölkerung um, und erst nach dem Friedensschluss haben die Habsburger die evangelische Religion toleriert. So wurden die riesigen sog. Friedenskirchen, zunächst aus Holz und ohne Turm,  gebaut. Nach den schlesischen Kriegen wurde Schlesien, wie bekannt, preußisch. Die Verhältnisse wurden nach dem 1. Weltkrieg kompliziert. Bei der von den Alliierten festgesetzten Abstimmung stimmte Oberschlesien zu einem sehr hohen Prozentsatz deutsch, Niederschlesien zu 40 % polnisch. Es kam dann zu schwierigen Teilungen, die man  nicht so leicht durchblickt, auch zu einem polnischen Aufstand (polnischer Putsch). Es war wie ein Bürgerkrieg: Polen gegen Deutsche, und dazwischen die Alliierten: Engländer und Franzosen. Keiner war zufrieden! Alles in allem war man Ende der dreißiger Jahre wieder zusammen, und dann kam ja sowieso bald der große Krieg, der erneut alles durcheinander mischte.
Hier in Schlesien formierte sich auch der Widerstand gegen Hitler (Kreisauer Kreis).
Interessanterweise war auf der Konferenz in Jalta, auf der die neuen Grenzen besprochen wurden, nicht bekannt, dass es in Schlesien 3 Flüsse mit dem Namen Neisse gibt: nämlich die Lausitzer Neisse und die Glatzer Neisse (die 3. spielt keine Rolle). Ich höre das auch zum ersten Mal! Wichtig sind also nur 2: nämlich die Lausitzer  Neisse und die Glatzer Neisse. Als auf der Konferenz von  Potsdam die Grenzziehung endgültig geregelt wird ( Oder-Neisse-Grenze) ,  wird die Lausitzer  Neisse als Grenzfluss zu Ostdeutschland bestimmt, wodurch die Polen wesentlich mehr  Land  bekommen. Die Amerikaner haben mal wieder keine Ahnung, wie schon damals nach dem ersten Weltkrieg, als es um die Brennergrenze ging.
Es geht nach Breslau, der Stadt, aus der viele bekannte und auch berühmte Personen stammen: Edith Stein z.B., Ferdinand Lasalle, Gerhard Hauptmann, Joseph Eichendorf, Manfred Kanter(!), Max Born, Grzimek und viele andere Berühmte und Berüchtigte. Hier haben Sauerbruch und so manch anderer Gelehrte die Universität zu großem Ruhm gebracht
In Breslau hat Friedrich-Wilhelm III erstmals zum Befreiungskrieg gegen Napoleon aufgerufen, hier wurden auch die ersten eisernen Kreuze verliehen – gegossen in Gleiwitz.
Hier residiert heute Axel Springer , aber auch die Passauer Presse.
Bei der Einfahrt in die Stadt haben mich der Anblick der Strassen, zumeist aus der Gründerzeit stammend, wegen ihres nicht sehr gepflegten Zustandes, traurig gemacht. Hier verkehren noch alte Straßenbahnen, viele eingleisig mit Ausweichen ( erinnere ich mich aus meiner Kindheit noch daran ?) Im Westen sehen wir solche Stadtbilder gar nicht mehr! Aber dann sah ich die Pracht dieser Stadt, ihre Größe zwischen den verschiedenen Oderarmen, die Inseln bilden und auf denen die prächtigsten Kirchen, gotisch hochgebaut und in schlesischem Barock verziert, – einfach wunderbar!- stehen! Ich sah die herrliche Universität – noch nicht fertig restauriert, und vor allen Dingen den Ring!, diesen herrlichen Platz. Und wäre ich in dieser Stadt zu Hause gewesen, so hätte ich mein Leben lang Heimweh nach ihr! Wie überall in Polen, wo ich gewesen bin, war ich erstaunt, wie schön und sorgfältig die alte Bausubstanz wieder hergerichtet wurde, denn:
Im 2. Weltkrieg war Breslau Festung, und ihre normale Einwohnerzahl von etwa 600 000 war plötzlich auf eine Million angewachsen, denn so viele Flüchtlinge waren in der Stadt. Drei Monate lang tobte der Kampf um die Stadt, die später fiel als Berlin: Wie sie nach der Eroberung durch die Russen aussah, kann man sich denken!
Auch hier möchte ich auf eine Schilderung der so schönen und so lebendigen Stadt verzichten: ich könnte ihr nicht gerecht werden!
Was habe ich noch über Schlesien auf dieser Reise erfahren? Z.B. dass hier erstmals Zucker aus Zuckerrüben hergestellt wurde. Das Verfahren stammte von einem deutschen Professor.
Auch, dass in Oberschlesien nicht nur Kohle, sondern auch Zink und Blei abgebaut wird.
Als die Nationalsozialisten Oberschlesien, das an Polen gefallen war (das Bergbau-Gebiet!) wieder einnahmen, wurden die Polen ausgesiedelt ( im Krieg als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt). Natürlich war es dann nach dem Krieg umgekehrt,  a b e r: es wurden nicht alle Deutschen vertrieben, denn unter ihnen gab es viele Fachkräfte, und diese mussten bleiben! 30% der Bevölkerung aus dem Oppelner Regierungsbezirk sind Deutsche, und davon sitzen zwei im Parlament in Warschau! Auch hier war der Deutsch-Unterricht – wie in Ostpreußen – in der Schule verboten, im Gegensatz zu Warschau, wo das Lernen der deutschen Sprache ohne weiteres möglich war, weil man ja dort nicht in einem deutschstämmigen Land lebte. Heute, nach der Wende, ist das natürlich alles anders. Es gibt hier in Schlesien wieder deutsche Schulen und deutsche Vereine, aber zwischen den beiden Volksgruppen gibt es noch immer keine Ruhe. Die hier lebenden Deutschen sind sehr national eingestellt – für uns nicht mehr so verständlich! Hier haben viele junge Deutsche 2 Pässe, denn viele arbeiten in Deutschland, haben aber hier ihre Eltern.
Die Bergleute in Oberschlesien waren unter dem Kommunismus immer bevorzugt. Sie hatten ihre eigenen Läden, in denen sie ausländische Waren erwerben konnten, ihre Frauen mussten nicht arbeiten. Der 1. Parteisekretär Edvard Gierek war auch Bergmann, und seine Berater stammten alle aus der Gegend um Kattowitz. Heutzutage müssen viele Bergwerke geschlossen werden – da gibt es Arbeitslose! Hier bauen aber auch Fiat und Opel. Es hat sich die westliche Leistungsgesellschaft etabliert. So gab es erst kürzlich bei einer Sprengung unter Tage 11 Tote, da aus Zeitgründen die Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten wurden.
Gewerkschaften sind hier immer sehr stark gewesen, sie haben auch zwischendurch gestreikt, auch 1990.
Die Arbeitslosigkeit beträgt in dieser Region 6 – 7%, was für polnische Verhältnisse sehr wenig ist. Hier in Schlesien gibt es die besten Krankenhäuser, auch die besten Krankenkassen – hier gibt es sogar die Kranken-Scheckkarte!
In Oppeln – es hat mir nicht gefallen – finden sich die berühmten Piastengräber, gotische Gräber, ausgeführt von einem Schüler von Peter Parler, der ja in Prag gearbeitet hat.
1655 kam die „Schwedische Sintflut“ über Polen, als der schwedische König Wasa den polnischen König Wasa vertreiben wollte! Zu der Zeit herrschte ja in Polen das Wahlkönigtum und ein Wasa war durch Wahl auf den polnischen Thron gekommen. „ Wasa ist gleich Wasa!“ dachte wohl der schwedische König! Nur ein paar hundert Polen sollen damals vor Tschenstochau Tausende von Schweden mit Hilfe der schwarzen Madonna in die Flucht geschlagen haben, was als ein Wunder angesehen wurde. Jedenfalls konnte Tschenstochau von den Schweden nicht eingenommen werden. Die Madonna soll – wie so etliche in der christlichen Welt – vom hl. Lukas gemalt worden sein, sie stammt aus Ungarn. Sie trägt zwei Blessuren an der Wange, die sie von einem Hussitenüberfall davon getragen hat.  Sechs mit Perlen und Juwelen besetzte Gewänder besitzt die Madonna, wie es sich für eine feine Dame gehört. Jedes Jahr wechselt sie das Gewand. Zu Maria Himmelfahrt bilden sich regelmäßig lange Pilgerzüge – zu Fuß natürlich –  der längste Weg ist naturgemäß der von Stettin: 600 Km (Allenstein 400 Km, Warschau 200 Km – Krakau liegt mehr oder weniger vor der Tür!)  Von allen großen Städten aus wird gewallfahrtet – zurück geht es dann wieder in total überfüllten Zügen.  ( mit viel Wodka?) - Wir wallfahrten ebenfalls zum Paulinenkloster und zur Paulinenkathedrale zur schwarzen Madonna  -  d e m  Heiligtum in Polen!.
Himmel und Menschen in Tschenstochau! So kenne ich es aus anderen großen Wallfahrtsorten. Dennoch kommt man , nachdem man der berühmten Dame einen frommen Besuch abgestattet hat, dazu, die wunderschöne Architektur der Anlage, stark barockisiert, zu genießen. Allseits ist man  schon ganz aufgeregt, denn der Papst wird bald kommen. Die Kathedrale – obzwar riesig – wird ihm natürlich viel zu klein sein! Hier ist schon alles für die große Freiluft-Messe vorbereitet (wie an anderen Orten übrigens auch, die der Papst besuchen wird). Es wimmelt nur so von männlichen und weiblichen geistlichen Personen, aber auch von Schulkindern, die uns hier – wie übrigens auch anderenorts - unglaublich diszipliniert vorkommen. Selbst größere Jungen halten sich brav an den Händen, um sich nicht zu verlieren! Was bei diesen Menschenmengen allerdings  sehr leicht passieren kann! Bei unseren Kindern  wäre eine solche Disziplin undenkbar! Es gilt anzumerken, dass der schöne Mai offensichtlich der Monat der kulturellen Schulausflüge ist, denn überall im Land treffen wir auf viele „brave und ruhige“ Schulkinder. Größere Schüler verteilen sich auch, versehen mit Zeichenblöcken, und machen einen fleißigen Eindruck!
Während der polnischen Teilungen war Tschenstochau an das Zarenreich gekommen. Die Russen haben das Heiligenbild nicht angerührt. Auch die Nationalsozialisten haben die Anlage nicht geschlossen. Himmler und Hans Frank, der Generalgouverneur von Polen (Seine Frau hat sich, nach ihren Worten,  übrigens immer als Königin von Polen gefühlt, wenn sie im Wawel in Krakau auf dem Thron saß!) waren dort und haben die Anlage geschätzt, und auch die Kommunisten haben den Kult nicht angetastet. Allen war klar: wenn sie das größte Heiligtum Polens anrühren, kommt es zum Aufstand.
Mit dem Segen der Madonna machen wir uns auf den Weg nach Krakau!
Krakau liegt im Krakauer Jura, einer felsigen Gegend, die Umgebung ist hügelig, um nicht zu sagen „bergig“, aber das wäre schon wieder übertrieben.. Krakau ist die drittgrößte Stadt in Polen mit 750 000 Einw., aber sie ist die heimliche Hauptstadt, die Seele von Polen. Bei  40000 Studenten gibt es 13 Hochschulen.
 Was war mein Eindruck? Ich bin fast schon in Österreich! (wir befinden uns hier in Galicien), ich bin in einer springlebendigen Stadt, und ich bin in einer wunderschönen Stadt! Krakau ist geradezu ein Diamant! Und da man von einem Diamanten nur sagen kann: er ist wunderschön!, man ihn aber sonst eigentlich nicht zu beschreiben vermag, so werde ich auch hier keine Schilderung des einmaligen Stadtbildes liefern – man muß es sich selbst „reingezogen“ haben – sondern die Geschichten „drum-herum“ erzählen.
Unter Kasimir dem Großen wurden die im Westen ungemütlich lebenden Juden eingeladen, die Wirtschaft in diesem Lande anzukurbeln. 65 000 von ihnen lebten zuletzt in der Stadt,  am rechten Weichselufer, 1100 konnte Oskar Schindler, eigentlich ein Lebemann, Weiberheld und Freund des Alkohols, retten, die übrigen wurden von den Nationalsozialisten auf die bekannte Weise ermordet!
Wir besuchen zunächst die Judenstadt, die übrigens von den Deutschen nicht zerstört (!), von den Kommunisten aber vernachlässig wurde, und das merkt man! So kann man gut einen Eindruck gewinnen, wie diese Menschen hier gewohnt, gelebt haben. Sieben Synagogen stehen noch. In der ältesten von ihnen ist ein Museum eingerichtet. Natürlich gibt es hier wieder Juden, 300 an der Zahl leben hier. Ich fand die Stimmung traurig.
Der Wawel, die königliche Residenz, liegt auf einer Anhöhe – prächtig ist es hier – und zahlreiche einmalige flämische Gobelins kann man hier neben anderen Kunstwerken, auch aus der Kriegsbeute des Königs Jan Sobieski, des großen, etwas schmuddeligen Kriegsherrn gegen die Türken, bewundern . Vom Wawel führt der Königsweg, gesäumt von vielen wunderschönen Kirchen zur Marien-Kathedrale mit dem berühmten Altar von Veit Stoss. Fast alle polnischen Könige sind hier begraben, ebenso wie die berühmten Dichter der Romantik Mickiewicz und Slowackí, wie die berühmten Heerführer Josef Poniatowski und natürlich Josef Pilsudski.
Veit Stoss, der berühmte Bildhauer, Kupferstecher und Maler, stammte aus Nürnberg, und Nürnberg ist heute die Partnerstadt von Krakau. (Auf den von Nürnberg spendierten, dort ausrangierten Straßenbahnen, aufgepoppt natürlich, sieht man die Wappen beider Städte). Er hatte immer ein bisschen Geldschwierigkeiten und war deshalb nicht nur ein Nürnberg in Haft und Sühne (man hatte ihm seine beiden Backen durchbrannt und verbot ihm, die Stadt jemals wieder zu verlassen), sondern auch in Polen, wo er vorwiegend in Krakau lebte und arbeitete - auch Breslau hat er besucht,  in Gnesen konnten wir das von ihm geschaffene Grabmal des Erzbischofs Olesnicki bewundern - muß er mal vorübergehend kurz im Knast gewesen sein. In Krakau hat er u.a. den unvergleichlich schönen größten Flügelaltar der Spätgotik geschaffen.
Karol Woityla wurde nach seiner Priesterweihe nicht – wie eigentlich üblich – auf das Land geschickt, sondern kam gleich als Vikar an die Kirche St. Florian, da man seinen Intellekt und seine Fähigkeiten schon früh erkannt hatte. Als Erzbischof von Krakau wurde er zum Papst gewählt. Krakau ist also seine Stadt. In Krakau, der frömmsten Polens, waren die Kommunisten verloren. Also haben sie gleich daneben Nova Huta – „Neue Stadt“ mit einem riesigen Eisenhüttenwerk angelegt. Es war die größte Eisenhütte in ganz Polen (derzeit ist sie die 2. größte). Hier gab es keine einzige Kirche, und das war ganz besonders schlimm für die vielen vom flachen Land und aus frommen Familien stammenden zugezogenen Arbeiter. Erst in den 60iger Jahren wurde die erste Kirche gebaut. Sie heißt Arche Noah, und der Grundstein wurde von Karol Woityla gelegt, der sie auch einsegnete. Selbstverständlich hat sie auch der Papst Woityla besucht.
Lenin hat ebenfalls 2 Jahre lang in Krakau gelebt, zog dann aber, seiner Frau wegen, nach Zakopane, da diese an der Basedow’schen Krankheit litt. Er war übrigens ein leidenschaftlicher Bergwanderer, das hat er mit dem jetzigen Papst gemeinsam. Einmal musste er zusammen mit einem Journalisten von einem Bergführer gerettet werden, da sich die beiden so verstiegen hatten. In der Tatra gibt es also viele Gedenktafeln: „Lenin war hier!“ Außerdem wurde er, bei Ausbruch des 1. Weltkrieges, während er in der hohen Tatra weilte,  unter Spionageverdacht festgenommen. Selbstverständlich bekam Lenin ein Denkmal auf dem Zentralplatz von Nova Huta, aber schon in den 70iger Jahren wurde darauf ein Anschlag verübt. Immer gab es übrigens in Nova Huta mit seinen 70 000  Beschäftigten politische und soziale Probleme.
Die hohe Tatra ist nur zu einem Viertel polnisch, der größere Teil liegt in der Slowakei. Dieses mächtige Gebirge zieht sich von der böhmischen Pforte bis Bukarest hin. Es ist 1200 bis 2600 m hoch. Der inzwischen berühmteste Bergwanderer dieser Gegend ist Karol Woityla, zumal die Karpaten sehr viele gute Wanderwege haben. Hier gibt es natürlich die meisten Nationalparks. Braunbären und Luchse gibt es in Südostpolen, wo es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Braunbär und Mensch kommt, da diese Tiere – blöd sind sie ja nicht! – gelernt haben, dass es  einen Zusammenhang zwischen Rucksack und Fressbarem gibt.
Geheiratet wird in ganz Polen samstags. Im meist geliehenen und geschmückten Auto fährt er vormittags zu ihr, und dort darf er sie zum ersten Mal im weißen Kleid sehen (obgleich beide oft jahrelang schon vorher zusammen gelebt haben, und oft bei den Eltern, die ja auch manchmal ausgehen, zusammen sind!). Dann knien sich beide vor ihren Eltern nieder und danken für die Erziehung. Es folgen Standesamt und Kirche, jedoch nach der Wende kam es zu einem Konkordat zwischen Vatikan und Staat, dem zu folge man auf eine standesamtliche Trauung verzichten kann. Nach der Trauung wird das Paar  mit Brot, Salz und einem Gläschen Wodka empfangen. Die geleerten Gläser werden über die Schulter geworfen und müssen unbedingt zerspringen. Das Essen ist ungemein üppig (wie übrigens immer in Polen!), man rechnet auch eine Flasche Wodka / männlicher Person! „sozusagen keine Hochzeit ohne einen Toten!“, denn man darf das Fest nicht verlassen , bevor die Eltern des Brautpaares gegangen sind.- Und das ist meist in den  frühen Morgenstunden!
Oft leben die jungen Leute aus Wohnungsnot bei ihren Eltern. Trifft ein junger Mann seinen Freund und sagt:“ meine Schwiegermutter ist ein Engel!“ Antwortet der Andere:“ meine lebt noch!“
Wir haben eine Beerdigung in Warschau und eine Primiz in Sandomierz (an der Weichsel) erlebt. Es war immer eindrucksvoll.
Sandomierz, ein Knotenpunkt an einer wichtigen Fernhandelsstrasse von alters her, das wir auf der Rückreise nach Warschau besuchen, war von den Deutschen besetzt. Dennoch hat der russische Oberst diese Stadt gegen alle Gewohnheit bei der Eroberung geschont, da er wusste, dass es sich hier um eine bedeutende historische Stadt handelte. Und schön und sehenswert ist sie noch heute.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges verließen der polnische Staatspräsident und der Ministerpräsident das Land und emigrierten nach Rumänien, wo man zunächst beide internierte. Damals hatte Polen eine direkte Grenze mit Rumänien, und so ist vielen Offizieren der Grenzübergang gelungen. Die Angehörigen der Regierung waren Anhänger von Pidsulski, einem Freiheitskämpfer, der vier Jahre zuvor gestorben war, zuvor aber Polen in etwas diktatorischer Manier regiert hatte. Er war ein Voksheld! In Rumänien legte der alte Staatspräsident unter Druck sein Amt nieder, zumal man der Regierung vorwarf, sie sei nicht genügend auf den Krieg vorbereitet gewesen. So sah sie sich unvermutet in der Opposition.
Die neue Regierung residierte in Frankreich und musste zunächst eine neue Armee aufstellen, aber bevor es so weit war, nämlich 1940, sahen sie sich gezwungen, das Land zu verlassen, da die Deutschen einmarschiert waren. General Tschigulski war von allen, auch von den Russen anerkannt worden, die Polen durften in Sibirien eine Armee aufstellen. 21 000 Offiziere sind also zu Stalin übergegangen, aber sie waren dann verschwunden.  Göbbels war sofort der Meinung, dass die polnischen Offiziere von Stalin liquidiert worden seien, denn zunächst hatten die Deutschen ein verdächtiges Massengrab gefunden. 1949 konnte eine internationale Kommission unter Mitwirkung von Polen offiziell dieses Grab als das der verschwundenen polnischen Offiziere verifizieren, auch, dass sie von den Russen erschossen worden waren.
Inzwischen fand die Konferenz von Teheran statt. Die zwischenzeitlich aufgestellte  polnische Armee ging von Sibirien aus schließlich über Palästina nach Europa. Auch das hat dem Stalin eigentlich nicht gefallen. Aber polnische Soldaten kämpften letztendlich in De Gaulles Armee. In Gibraltar kam der General Tschigulski  zusammen mit der halben Exilregierung und seiner Tochter bei einem Flugzeugabsturz um`s Leben, und Göbbels sagte gleich: „die Engländer haben den Tschigulski umgebracht!“ Man weiß es bis heute nicht genau, aber irgendwie vermutet man, dass der britische Geheimdienst seine Hände im Spiel hatte. Letztendlich residierte die polnische Exilregierung über Jahre in England, und der letzte polnische Exil-Präsident gab dann sein Amt an Lech Walenza ab.
Ein interessantes Land, unser Nachbar im Osten, mit einer so vielfältigen und oft kaum durchschaubaren Geschichte, aber  mit einer großartigen Kultur, die uns so lange durch den eisernen Vorhang vorenthalten war. Ich wünschte, viele Menschen aus dem Westen würden dieses Land, das wir bald im europäischen Haus begrüßen werden, bereisen, kennen lernen, dieses Land, in dem sogar noch der courtoise Handkuss zu Hause ist!
 

 
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