Seereise Indischer Ozean


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I NHALT :

Seereise im Indischen Ozean (c) D. A. B

 
   

 

 
 

 

Abel und seine Brüder und Schwestern    

 
  

aus den Tagebuchnotizen von einer Seereise im indischen Ozean

vom 28.01. – 13.02.2009

 
   
   

 

 
    Abel hat in Magdeburg ein technisches Studium absolviert. Er lebte auch eine Zeit lang in Osnabrück. In Paderborn ist er dem Papst begegnet. Abel ist Katholik, und seine älteste Schwester ist Nonne. Abel stammt aus dem Norden von Mosambic. Er ist schätzungsweise Anfang Dreißig, schlank, und ich finde ihn ausgesprochen hübsch. Wie ich überhaupt im Verlauf der Reise zu der Erkenntnis komme, dass die Bantu ein schöner Menschenschlag sind und nicht zum Fettansatz neigen. wie so manche Schwarze in anderen Gegenden der Welt. Abel hat ein intelligentes Gesicht, er weiß eine Menge, denn er schlägt sich in Maputo, seiner Hauptstadt, als Fremdenführer durch. Sein in Deutschland erworbenes Wissen kann er hier nicht anwenden, schon gar nicht in seiner Heimat im Norden des Landes – es gibt keinen Job für ihn. Seine Einkünfte sind daher kärglich. Mosambic ist ein armes Land.
    Etwa 500 Jahre lang dauerte die portugiesische Herrschaft in Mozambique (so der portugiesische Name der Kolonie), nachdem der berühmte portugiesische Seefahrer Vasco da Gama 1498 seinen Fuß auch in dieser Gegend auf afrikanischen Boden gesetzt hatte. Schon vor der Eroberung durch die Europäer lebten an der Küste geschäftstüchtige Araber, die mit Gold, Elfenbein und Sklaven handelten. Die Portugiesen setzten Jahrhunderte lang den Sklavenhandel fort, ein beschämendes Kapitel in der Geschichte der Weißen auf dem schwarzen Kontinent! ( Wie auch in der neuen Welt, wie man weiß! )
    Da Abel von den spärlichen Besuchen weißer Touristen lebt, ist er ihnen gegenüber freundlich und aufgeschlossen. Was er wirklich über sie denkt, darüber verliert er kein Wort.
Da er von tiefschwarzer Hautfarbe ist, steht in seinem Pass, „schwarz“ – aber auch „Neger“ sei möglich – „Neger“ ist sei hier zu Lande kein herabwürdigender Ausdruck, wie bei uns in Europa, klärt er uns auf. Abel ist Neger, und als ein solcher ordnen er und seine schwarzen Brüder und Schwestern uns Weiße zu unserer Verblüffung als „Farbige“ ein, denn in den Augen der Schwarzen sind wir Bleichgesichter durchaus nicht farblos! 
    1962 wurde die marxistische Freiheitsbewegung FRELIMO gegründet, eine bewaffnete Wiederstandsbewegung gegen die portugiesische Kolonialmacht, deren Kampf schließlich zur Unabhängigkeit des Landes führte ( 25.06.1975). Doch damit war das Land noch längst nicht befriedet, denn bald danach brach ein Bürgerkrieg aus, in dem sich FRELIMO und die inzwischen neu gegründete und von den Weißen aus den Nachbarländern unterstützte REMO bekämpften, und der bis 1992 andauerte. Als sich die FRELIMO 1990 vom Marxismus trennte, trat allmählich Ruhe ein, wobei die inzwischen in Portugal stattgefundene „Nelkenrevolution“(1974) eine Rolle gespielt hat. Die FRELIMO behielt die Macht, und als wir in Maputo unter Abels Führung spazieren gehen, leuchten uns überall Wahlplakate der FRELIMO und der REMO entgegen – es stehen Kommunalwahlen in’s Haus! Über seine politische Meinung äußert sich Abel nicht.
    Zu meiner Überraschung herrscht in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Linksverkehr. Diese Tatsache beruht auf einer ganz einfachen Erklärung: Die Kraftfahrzeuge werden aus dem umliegenden Ausland (Südafrika) eingeführt, und wo die Briten in irgend einer Weltgegend einmal das Sagen hatten, da wird auch links gefahren. Also sind alle Fahrzeuge entsprechend konstruiert. Von einem Verkehr in unserem Sinne kann man allerdings eher nicht reden! „Spärlich“ ist fast noch übertrieben, denkt man an die verstopften Strassen in der industrialisierten Welt. Insofern ist Maputo eine Idylle!
    Abel kann sich mit unserem Busfahrer nur auf portugiesisch unterhalten, denn dieser stammt aus dem Süden des Landes. In Mosambic werden viele Bantusprachen gesprochen. Sie unterscheiden sich von einander so sehr, dass eine Verständigung der Landesbewohner untereinander nur mittels der offiziellen Amtssprache „Portugiesisch“ möglich ist.
    Laut Abel sind die Menschen im Norden noch immer Diskriminierungen ausgesetzt, und außerdem gibt es dort noch weniger Jobs als anderswo. Im Norden leben mehrheitlich Katholiken und Muslime, also pflege man in Abels Heimat noch den Ritus der Beschneidung.  Ob davon auch Frauen betroffen sind, darüber äußert sich Abel nicht, (oder ich habe es überhört), hingegen weist er darauf hin, dass im Süden des Landes, wo die Pfingstkirchen beheimatet sind, also dort, wo wir uns derzeit befinden, ungeachtet christlicher Glaubensvorstellungen die Vielweiberei vorherrsche. Noch sei der Schamanismus im ganzen Land stark verbreitet. Auch im Norden des Landes sei, laut Abel, die christkatholische Frömmigkeit mit dem Schamanentum verknüpft. Liegt z.B. ein Familienangehöriger im Sterben, so bittet man zuerst den Schamanen an das Lager des Sterbenden. Nach Beendigung seiner Rituale werden die entsprechenden heiligen Gegenstände flugs versteckt und man holt den Priester, damit er die Sterbesakramente spende. Ich denke, der Priester wird schon Bescheid wissen und seine Pappenheimer kennen! Im Krankheitsfalle wird man sich selbstverständlich auch zu allernächst an den Schamanen wenden.
    22 Millionen Einwohner zählt das Land, und von ihnen sind 16% - 20% mit dem HIV infiziert – schätzt man. Und wer will hier schon so genau zählen? Neben den Bantu sprechenden Schwarzen (95%) leben auch viele Inder, Bangladeschi, Pakistani und verschwindend wenig Weiße in Mosambic, ebenso wie Chinesen, die sich, laut Abel, jedoch erst noch im Anmarsch befänden! Während unseres Spaziergangs durch Maputo müssen wir mächtig aufpassen: die metallenen Gullydeckel werden gern von der indischen und der chinesischen Mafia geklaut! Man hüte sich also vor heimtückischen Fußangeln!
 
  
    In Maputo (ehemals Lourenco Marques, benannt nach dem Gründer der Stadt) ist der älteste afrikanische Markt beheimatet. In einer riesigen Markthalle ertrinkt man förmlich in Farben: in denen vielfarbiger Früchte der Natur, der bunten Gewänder und  Kopftücher der schwarzgesichtigen Marktfrauen! Ein Bild, an dem man sich  kaum satt sehen kann! Für eine derartig große Halle, in welcher üblicherweise lauthals Geschäfte getätigt werden, herrscht eine ungewohnt ruhige Atmosphäre. Und hinter den ausgebreiteten Waren wie Gemüse, Früchte, Fische, verschiedenste Meeresfrüchte und Fleisch blicke ich in so manches missmutige und - ich möchte fast sagen - traurige Gesicht (Abels Brüder und Schwestern hier im südlichen Afrika, so meine Beobachtungen während der ganzen Reise, lächeln selten). So manche heruntergekommene, ausgemergelte Gestalt bewegt sich durch die Reihen der ausgelegten Waren. AIDS-Kranke? frage ich mich. Es sind fast ausschließlich Schwarze, die hier handeln, die kaufen und verkaufen, wie ich überhaupt in der ganzen Stadt außer uns Handvoll deutscher Touristen keinen weiteren Weißen zu Gesicht bekomme. Sollte es tatsächlich keine weißen Bewohner in dieser Stadt geben, so gibt es mit großer Sicherheit einen: Henning  M a n ke l l ! Der berühmte schwedische Journalist, Theaterregisseur und Schriftsteller, der durch seine bemerkenswerten und spannenden Kriminalromane zu Weltruhm gelangte, lebt seit 1980 regelmäßig einen Teil des Jahres in Maputo. Er hat in dieser Stadt eine Theatergruppe aufgezogen, die großen Anklang finden soll. Abel ist stolz darauf, dass der berühmte Mann seine eigene Heimat auch als die seine betrachtet.
    Bekannt ist Maputo auch durch seinen bemerkenswerten und eleganten Hauptbahnhof im Jugendstil, welcher  von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Pariser Eiffelturms, konstruiert worden sein soll. Abel meint, das sei umstritten, und tatsächlich kann ich im Internet keinen Hinweis darauf finden, dass der wirklich elegante Bahnhof ein Werk des Monsieur Eiffel sein soll, obgleich dieser weltweit „herumgebaut“ hat. Von diesem Bahnhof aus verkehren Züge in die verschiedensten Richtungen, auch in Richtung Südafrika, Simbabwe und Swasiland. Ein „Bahnhofsgewusel“, so wie wir es von unseren main stations gewöhnt sind, kann ich allerdings nicht entdecken. Man gewinnt den Eindruck, die Frequenz der Abfahrts- und Ankunftszeiten scheint sich eher in Tagen denn in Stunden zu bemessen. Hier herrschte jedenfalls zur Zeit unseres Besuches eine gähnende Leere, bis auf ein paar gemächlich herumspazierende junge Männer und ein paar geduldig Wartende, die an einer Bushaltestelle  an dem kleinen hübschen Park vor dem schönen Gebäude stumm „herumlümmeln“. Wie ich auf der ganzen Reise feststellen kann, sind die Schwarzen durchweg außerordentlich ruhig, so, als ob sie noch nie von Lärm, gar von modernem Radau gehört hätten: kein Geschrei, kein Gekreische, keine laute Musik! Keine Hektik, natürlich! Kein Gerenne, keine hetzenden Jogger!....Ruhe...Ruhe....Ruhe! Sehr erholsam, finde ich.  Man sagt: „die Schwarzen haben die Zeit erfunden, und die Europäer die Uhr!“
    Neben einer Menge hässlicher Hochhäuser finden sich in der Innenstadt Maputos auch noch die leider ziemlich heruntergekommen Bauten aus der Kolonialzeit: Bauten, die in ihrem Stil und in ihren Farben und deren Absetzung gegeneinander denen des Mutterlandes und auch denen anderer  portugiesischer Niederlassungen ähneln, wie ich sie aus Madeira, den Azoren, aus Goa an der Westküste Indiens und aus Macao, nahe Honkong, kenne. Hier erscheinen sie mir stark sanierungsbedürftig!
    Eine weitere besichtigungswerte Merkwürdigkeit in dieser Stadt ist das „Eisenhaus“, ein zu Ende des 19. Jahrhunderts in Europa aus Stahlplatten hergestelltes einstöckiges Gebäude, das man hierher transportierte, um es in einem kleinen gepflegten Garten aufzustellen. Allerdings erwies es sich schnell als unbewohnbar, der tropischen Hitze wegen, wie sich denken lässt! Ein Kuriosum also.
    Auch die große weiße Kathedrale, an der Praca da Indepencia und in der Nähe des hübschen Rathauses gelegen, ist sehenswert. Eine breite, prächtige Treppe führt zu dem  vergleichsweise modernen Bauwerk,  in dessen hellen Innenraum das Licht der Tropen durch hohe hellbunte Glasfenster fällt. Die Kathedrale ist natürlich Bischofssitz. Später führt uns Abel zu einer modernen Kirche, einem einzigartigen zeltartigen Bau, der mir sehr gut gefällt. Sie befindet sich in einem Garten und ist umgeben von niedrigen Stauden mit zahlreichen weißen Blüten, aus deren Kelchen lange Staubfäden hängen. Man nennt sie „den Kuss der Frau“. Diese Kirche gehört zu einem Frauenkloster!
    Bekanntlich ist die Akazie  d e r  afrikanische Baum, und wir werden ihm immer wieder und überall begegnen. Zur Zeit unseres Besuches zeigen sich die Kronen dieser wunderschönen Bäume in ihrem gelbfarbenen Blütenschmuck. Ansonsten sieht es mit Blumen und Blüten eher spärlich aus. Hin und wieder sieht man einen Frangipani-Baum, dessen riesige Blüten einen betörenden Duft verströmen. In den Tropen wächst alles viel zu schnell und schießt sozusagen in’s Kraut. Auch in dem wirklich schönen botanischen Garten, durch den wir mit Abel gemächlich spazieren, finden sich neben interessanten Pflanzen und wunderschönen exotischen Bäumen kaum bunte Hingucker! So wird es später auch in Südafrika sein.
    Was wäre ein kolonialer Außenposten ohne eine grimmige Festung? Kriegslüsterne, räuberische Piraten gab es schon immer, nicht nur heutzutage. Die Festung ist – wie kann es auch anders sein? – das älteste Gebäude Maputos. Heute beherbergt es ein Militärmuseum. Wir gehen auf der Bastion spazieren und blicken auf die hässlichen Hochhäuser.
    Während wir stadtauswärts zum Strand fahren, durchqueren wir ein Viertel, das durchweg mit hübschen, nicht sehr aufwendigen Villen bebaut ist. Hier residieren vergleichsweise bescheiden die ausländischen Botschaften, und auch Nelson Mandela besitzt hier ein Haus. Vom Strand aus hat man einen Blick auf den Jachthafen – gibt es auch in diesem Land reiche Leute? Und wer sind sie? In der Ferne ist die unbewohnte Insel Inhaca zu erspähen, die in früheren Zeiten als Quarantäne-Station diente. Hier lebten damals die Leprakranken, aber auch andere sieche Menschen, vor denen man sich nicht grundlos wegen der Gefahr der Ansteckung fürchtete. (wie z.B. Typhus u.a.). Wurde einer der auf die Quarantäne-Insel Verbannten wider Erwarten gesund, so  wurde er mit einer Fähre zurück geholt. Das wird höchst selten der Fall gewesen sein, denke ich. Die moderne Seuche AIDS erfordert keine Quarantäne mehr. 
    Abschließend besuchen wir das Naturkundemuseum, ein sehr schönes, von arabischen Einflüssen zeugendes Gebäude, in welchem sich die wichtigsten Tiere Afrikas – präpariert und ausgestopft natürlich – in ihrer natürliche Größe darstellen. Höhepunkt ist selbstverständlich der präparierte Quastenflosser, der sich  in einer Vitrine im Entree  bewundern lässt.  Dieser 350 Millionen Jahre alte große Fisch, von dem man annahm, er sei vor 65 Millionen Jahren ausgestorben, wurde 1938 vor der südafrikanischen Küste lebend(!) entdeckt. Er ist der Stolz des südlichen indischen Ozeans!
 

 

   
    Im Übrigen sind wir keineswegs von Frankfurt aus direkt und per Luftlinie nach Maputo gelangt, um uns dort von Abel die Stadt zeigen zu lassen. Der Umweg führte uns zunächst nach Paris. Dort hatten wir nach einem vierstündigen Aufenthalt in eine Maschine der Air Mauritius umzusteigen, welche uns auf einem Nachtflug auf jene Insel im indischen Ozean bringen würde, welche ihren Bekanntheitsgrad vor allem der berühmten „blauen Mauritius“ verdankt. Dort würden wir uns auf der guten alten MS Albatros einschiffen, jenem Hochseeschiff, auf dem wir schon einmal unter der Führung des charmanten, lebhaften Kapitän Hansen aus Norwegen mehrere Wochen lang unterwegs gewesen waren, und von dem wir wussten, dass wir uns auf ihm wohl fühlen würden. Nun soll man nicht glauben, dass wir uns während unseres  Pariser Aufenthaltes auch nur eine Minute lang gelangweilt hätten! Im Gegenteil! In der überraschend kühn konstruierten Abflughalle des Flughafens Charles de Gaulle, welche einem riesigen langen durchsichtigen Zelt gleicht, wurde uns ausreichend Muße zuteil, sich auf unterhaltsame Weise auf die Vielfalt der menschlichen Rassen, der wir im indischen Ozean begegnen würden, einzustimmen. Nachfahren der ehemaligen französischen Kolonialvölker, von tiefst schwarzer bis hin zu leicht getönter Hautfarbe lotsten in ihrer Eigenschaft als Bodenpersonal neben jungen Weißen - allesamt in ihren schmucken Uniformen hübsch anzusehen! - die Passagiere, auch sie Angehörige der verschiedensten Völker und Rassen, durch die  kunterbunte Menge.
   
    Wie faszinierend gestaltet doch die moderne  Mobilität das Leben, wirft man sich in das Abenteuer des Reisens! Kaum habe ich mich an dem Anblick der schneebedeckten französischen Seealpen im Abendlicht ergötzt, so bestaune ich nach ausreichendem Schlaf im morgendlichen Licht die sich in vielfältigen bizarren Formen in die Höhe türmenden Wolken, wie sie sich in der Himmelsbläue über dem tropischen Meer zusammenballen, und wie man sie am besten vom Flugzeug aus betrachten und bewundern kann.
    Die Albatros ankerte im Hafen von Port Louis, Mauritius’ Hauptstadt, welche nach dem französischen König Ludwig XV. benannt ist. Der Flugplatz seinerseits liegt an der gegenüberliegenden Küste. Eine morgendliche Fahrt über die grüne Hochebene der Insel, verquickt mit ersten Informationen über das Eiland, war also in der Anreise inbegriffen!
    Im Morgenlicht der Tropen leuchteten die letzten tiefroten Blüten der Flamboyants vor dem Flughafengebäude – leider waren die Flammenbäume schon dabei, zu verblühen. Hingegen strahlten in der Allee, die wir nun entlang fuhren, die gelben Blüten der Goldshower Trees (Goldregen), und da und dort sah man auch die blau blühenden Jacarandas, die ich so liebe! Mauritius, das Land der schlafenden Vulkane, ist, wie alle tropischen Inseln, eine grüne, und, vor allen Dingen  d i e  Zuckerrohrinsel. Neben Zuckerrohr wird der Anbau von Tee und  Südfrüchten (Lici, Ananas, Mango) betrieben. Der Dodo, das Wappentier, ein harmloser flugunfähiger Vogel, den man noch nicht einmal essen konnte, haben die Europäer leider längst ausgerottet. Dafür haben sie Pferde, Katzen, Kühe, Geflügel und Ratten angesiedelt. Letztere natürlich ungewollt, aber als blinde Passagiere waren diese Tiere ja zu damaliger Zeit nicht auszurotten. Sie verbreiteten sich während der Entdeckerfahrten und den sich daran anschließenden Besiedlungen der neuen Länder durch die europäischen Einwanderer auf der ganzen Welt. Schweine gibt es auf Mauritius nicht. Abgesehen von den religiösen Vorschriften, denen viele Einwohner folgen, ist das Fleisch dieser Tiere insbesondere in den Tropen völlig ungesund!
    Die Insel, welche ihren Namen dem einstigen niederländischen Gouverneur, Moritz von Nassau, verdankt, gehört, wie auch La Réunion, zum Maskarenen-Archipel, Resten der Landmasse, die einst Asien mit Afrika verband. Von den Niederländern 1502 entdeckt, übernahmen im frühen 18. Jahrhundert die Franzosen die Herrschaft über die Insel. Ihnen verdankt sie ihren kreolischen Charme und die noch immer sehr gut funktionierende Zuckerrohrindustrie. Neben einem florierenden Tourismus - Mauritius ist heute eine beliebte Ferieninsel mit Traumstränden! – ist sie eine wichtige Einnahmequelle. Beide sorgen neben dem Bankenwesen für einen relativ hohen Lebensstandard der Bevölkerung.
    Auf den Plantagen, welche damals die französischen  Kolonisten anlegten, arbeiteten zunächst nur schwarze Sklaven. 1810 eroberten die Briten die Insel und ließen sich diese Aneignung vom Wiener Kongress legitimieren. Dennoch blieb die Bevölkerung bis in unsere Tage bei der kreolischen Lebensweise und bei der kreolischen Sprache. (in unseren Ohren ein verballhorntes französisch) Nach Abschaffung der Sklaverei kamen Asiaten als Billig-Arbeitskräfte in’s Land. Und so finden wir heute auf Mauritius ein buntes Völkergemisch und eine entsprechende Religionsvielfalt vor.
    1968 erlangte die Insel ihre Unabhängigkeit von Groß Britanien und wurde Mitglied des Commonwealth. Und 1992 wurde sie zur Republik.
 
 
 
    Nachdem wir uns in unserer Kabine häuslich eingerichtet hatten, warfen wir uns unverzüglich in’s Getümmel eines typischen Kolonialstädtchens, den quirligen farbenfrohen Markt eingeschlossen. Und wir ließen uns in den engen Strassen der Altstadt von den in wallende farbige Gewänder gehüllten Gestalten verschiedenster Hautfarbe, zum Teil mit verwegen um den Kopf geschlungenen Tüchern, faszinieren. Das klassische westliche Outfit, nämlich Jeans, T-Shirt und Baseballmütze, waren selbstverständlich ebenso vertreten, und nicht selten sahen wir Frauen und Mädchen unter einem Sonnenschirm einher wandeln! Die Sonneneinstrahlung der Tropen und die dadurch hervorgerufene Hitze war auch entsprechend!  Die Menschen sind zumeist Nachkommen der einstigen französischen Siedler, also Kreolen, ebenso wie Abkömmlinge der vor Jahrhunderten eingeführten Sklaven und der einst vom indischen Subkontinent auf die Insel geholten Zuckerrohr-Plantagen-Arbeiter. Ihr Durchmischungsgrad blieb mir natürlich verborgen! Als wir uns am folgenden Tag einer Stadtführung anschlossen, ließen wir uns  neben dem imposanten Regierungspalast aus dem 18. Jahrundert, Kirchen und einer christlichen Marien-Wallfahrtsstätte die weiß-grüne Jummah-Moschee, sowie den bunten Tamilentempel in seiner typisch südindischen Bauweise zeigen, sahen aber auch sehr hübsche Villen in kreolischem Baustil, und – wie kann es auch anders sein – eine imposante Festung über der Stadt. Alles in allem, wie in Kolonialstädtchen üblich, keine erste Sahne! Dass Port Louis dabei ist, sich ordentlich zu mausern, lässt sich an seinen  modernen Bauten ablesen
    Das Anlaufen der Insel Madagaskar blieb uns leider verwehrt. Dort war mittlerweile der Bürgerkrieg ausgebrochen. Wir hörten von 60 Toten. Kapitän Hansen hielt sich an die Empfehlung des Auswärtigen Amtes, mied die brenzlige Gegend und steuerte statt dessen La Réunion an. Zu einem Spaziergang auf dieser zu Frankreich gehörenden Insel, deren landschaftliche Schönheit gepriesen wird, kam es nicht. Geldgierige Taxifahrer, die für eine Fahrt in die 16 Km entfernte Hauptstadt von jeder Person(!) 50.- EURO erheischten – bekanntlich befindet man sich hier auf französischem Territorium, also gilt auch die europäische Währung - boykottierten die von der Kreuzfahrtleitung georderten Shuttle-Busse. Ja, es kam fast zu einer Prügelei zwischen den Busfahrern und den Taxlern, und selbst der Polizei, welche uns schließlich an Bord aufsuchte, – eine üppige dunkelhäutige junge Polizistin und ein ebenso dunkelhäutiger Polizist, beide bewaffnet, – gelang es nicht, zu vermitteln. Bis endlich klar war, dass uns bestenfalls übrig blieb, ein ganzes Stück bergan zu laufen, um zu einer öffentlichen Bushaltestelle zu gelangen, war es bereits Mittag und entsprechend heiß. Inzwischen hatten die „Revolutionäre“ auch die schattenspendenden Zeltdächer an der Pier abbauen lassen, sodass uns Passagieren nichts anderes übrig blieb, als uns wieder auf das Schiff zurück zu ziehen. Oder aber der Hitze zu trotzen! Wir für unseren Teil zogen es vor, die grüne, bergige Landschaft der Insel von der Albatros aus zu betrachten und uns später von ihrer Schönheit mit den zumeist wolkenverhangenden Bergen von Passagieren berichten zu lassen, die einen Überland-Ausflug gebucht hatten. Und die obligate Händedesinfektion bei Betreten des Schiffes blieb uns auch erspart.
   
    Auf diesen Umwegen gelangten wir also nach Maputo, allerdings nicht ohne vorher auch einige geruhsame Seetage verbracht und während dessen über Stunden von Ferne die gebirgige Küste Madagaskars im Blick gehabt zu haben. Auf See ließen sich, wie auch im weiteren Verlauf der Reise, immer wieder Wale und Delphine beobachten. Kapitän Hansen stand nicht an, uns von der Brücke aus stets darauf aufmerksam zu machen. In der Strasse von Mosambic schliefen wir ruhig über einer Meerestiefe von 5000 m! Da sich das menschliche Gehirn diese ungeheure Tiefe nicht vorstellen kann, kamen auch keine Angstgefühle auf, auch keinerlei Gedanken daran, dass hier das Ausmaß der Meerestiefe dem der Flughöhe, in der wir die Reise zur südlichen Halbkugel bewältigt hatten, entsprach. Letztere haben wir ohnehin größtenteils verschlafen!
   
    1893 wurde der junge Rechtsanwalt Monandas Karamehans Gandhi nach Südafrika geschickt, um dort einem indischen Mandanten juristischen Beistand zu leisten. Es war nämlich bekannt, dass britische Anwälte farbige Mandanten recht nachlässig vertraten. Gandhi hatte sein juristisches Examen in England abgelegt, war allerdings nach seiner Rückkehr in die Heimat dort  nicht sehr erfolgreich. Also Südafrika!
    Der selbstbewusste junge Mann, dessen Vater und Großvater „Diwans“, also Premierminister, eines kleinen autonomen Gebiets in Indien waren (das selbstverständlich unter britischer Kontrolle stand!) hatte in Durban eine Fahrkarte 1. Klasse nach Pretoria gebucht. Pfeifendeckel! Unverzüglich wurde er vom Schaffner in den Gepäckwagen verwiesen, und als Gandhi sich weigerte, warf der ihn aus dem Zug und sein Gepäck gleich hinterher. (Später gelang dem hartnäckigen jungen farbigen Inder dennoch die Reise in der 1. Klasse, aber nur deshalb, weil ihn die mitreisenden Weißen um sich duldeten). Mangels einer Eisenbahnverbindung musste er damals von Pretoria nach Johannisburg die Postkutsche benutzen. Man zwang ihn, sich auf dem Kutschbock auf den Boden zu ducken, und als er sich dagegen auflehnte, wurde er geschlagen. Das waren Gandhis Schlüsselerlebnisse! Dieser entwürdigende Umgang mit einem Nichtweißen machten ihm schlagartig klar, dass in diesem Land Farbige zu den Menschen 2. Klasse gehörten. (Wobei er die Schwarzen, Abels Brüder und Schwestern, gar nicht erst groß in seine Erkenntnisse mit einbezog).
    Als eine in Europa lebende Zeitgenossin der in den 50iger Jahren eingeführten Apartheid, die lediglich durch einzelne Begegnungen mit aus Südafrika stammenden Menschen (weißer und dunkler Hautfarbe) eine höchst vage Vorstellung von deren Auswirkungen hatte, las ich zum Glück noch vor Antritt der Reise die Lebenserinnerungen des Rechtsanwalts und späteren Präsidenten Nelson Mandela. Durch diese Lektüre wurde mir erst so richtig klar, mit welchem Zynismus die verhältnismäßig wenigen Weißen in diesem Land über die vielen Jahre hinweg eine verachtenswerte Politik gegenüber den Menschen anderer Hautfarbe betrieben haben, und wie man diese Menschen schikanierte, von denen die meisten Schwarzen Analphabeten waren, weil es für sie keine Schulpflicht gab. Die Apartheid zementierte nur die Einstellung der regierenden weißen Minderheit ihren schwarzen – heute würde man sagen: „Mitbürgern“ – gegenüber, doch das wäre die falsche Definition, denn sie hatten alle miteinander kein Wahlrecht, mochten sie auch zu den Intellektuellen des Landes gehören! Hinzu kamen die Zwangsumsiedlungen der Schwarzen in die Homelands (die Inder lebten ohnehin in eigenen Stadtvierteln für sich, eine Parallelgesellschaft also), desgleichen für uns unvorstellbare Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und immer wieder Bannungen, offensichtlich oft ohne ordentliche Gerichtsverfahren, die in ihrer Strenge  bis in einen Hausarrest gipfeln konnten, ohne dass zugleich der Zeitraum für diese „Bestrafungen“ meist politischer Gegner (Freiheitskämpfer) festgesetzt wurde. Willkür eben! Was das tägliche Zusammenleben zwischen den Weißen und den Andersfarbigen anbetraf, darüber ist bekanntlich genügend in die Welt hinausgesickert! Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle über dieses Thema nicht weiter verbreiten.
   
 
 
  
    Hier einige Anmerkungen zur Geschichte der südafrikanischen Republik, deren Kenntnis auch für Touristen, denke ich, zu einem besseren Verständnis für dieses Land beiträgt.
    1652 landete der Niederländer Jan van Riebeek am Kap, statt es, wie üblich, einfach zu umsegeln. Die Holländer betrieben ja damals einen blühenden Gewürzhandel, indem sie die wertvollen Spezereien aus ihren Kolonien in Indonesien nach Europa verschifften und dort verschacherten. Doch der Weg war weit (der Suez-Kanal wurde erst Jahrhunderte später angelegt) und der Mangel an frischem Gemüse verursachte bekanntlich bei den Seeleuten, die sich im wesentlichen von Schiffszwieback und in Fässern mitgeführtem Sauerkraut und Pökelfleisch ernährten, den gefürchteten Skorbut (Mundfäule aufgrund Vitamin C-Mangels). So kam man auf die Idee, am Kap, einer vom Klima begünstigten Gegend, ein bisschen Gemüse und Wein anzubauen, um dieser Krankheit entgegen zu wirken. Allerdings gewann diese Unternehmung rasch eine Eigendynamik. Immer mehr holländische Bauern (= Buren) siedelten sich hier an und begannen, das Land zu kultivieren. Die Ureinwohner, die Buschmänner, die sich, z.T. auch heute noch untereinander in einer aus Schnalzlauten bestehenden sog. „Klicksprache“ verständigen, nannten sie Hottentotten. Sich selbst nennen diese Menschen „das Volk der San“. Ab dem 15. Jahrhundert waren die San ohnehin von einwandernden Bantu sprechenden Stämmen in immer unwirtlichere Gegenden abgedrängt worden. In den Auseinandersetzungen zwischen den zuwandernden Buren und diesen Steinzeitmenschen wurden letztere im Laufe Jahrhunderte systematisch dezimiert. Niederländische Gouverneure führten regelmäßige Vernichtungszüge gegen sie. (Was durchaus an das Schicksal der Indianer in Nord- und Südamerika erinnert!). Im 20. Jahrhundert waren die San bis zur Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 als Fährtensucher gegen die Untergrundkämpfer der SWAPO eingesetzt, wofür sie sich besonders gut eigneten. Heute gibt es offiziell noch um die 100 000 Menschen des San Volkes. Davon leben etwa 4500 in der Republik Südafrika, die übrigen im benachbarten Namibia. Nur wenige folgen noch ihrer traditionellen Lebensweise. Sie sind heutzutage vorwiegend Farmarbeiter. Im Kapstädter Völkerkundemuseum konnten wir 1000 – 2000 Jahre alte Felszeichnungen der Buschmänner betrachten. Es sind Darstellungen von Menschen (Schamanen?) und Tieren ihrer Heimat, wie Antilopen- und Gazellenarten.
    Im Laufe der Zeit führten die holländischen Siedler Sklaven aus Indien, Indonesien und Madagaskar als Landarbeiter ein. Zudem kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Bantustämmen, vornehmlich den Zulu und den Xhosa. (Nelson Mandela ist z.B. ein Xhosa). Doch das von den Buren kultivierte Land nahm stetig an Größe zu und Attraktivität zu.
    Im Verlauf der Napoleonischen Kriege besetzten die Briten die von den Buren bewohnte Kap-Gegend. Nach einigem Hin und Her wurde das Kap schließlich 1806 zur britischen Kolonie. Nach der Annexion der holländischen Kap-Kolonie durch die Engländer zogen die burischen sog. Voortrekker nach Norden und bildeten die unabhängigen Buren-Republiken Transvaal, den Oranje-Freistaat und Natalia (Natal). Sowohl die Buren wie auch die Kap-Engländer wären keine normalen Menschen gewesen, wenn sie sich nicht auch bekriegt hätten! Angeblich mögen sich auch  ihre Nachfahren bis heute nicht sehr!
    Um 1860 kam es erneut zu einer Einwanderungswelle von Indern. Sie wurden als Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen gebraucht. Die Zuwanderer brachten ihre Familien mit, und eigentlich kamen sie ganz gern, denn in ihrer indischen Heimat litten sie unter dem rigiden  Kastenwesen. In der Regel gehörten sie ja einer niedrigen Kaste, wenn nicht gar den Unberührbaren, an. Oft  konvertierten sie auch zu anderen Religionen, um der sich auch in Südafrika etablierenden Kastengesellschaft zu entziehen. Auch Gandhi hat darunter gelitten und sein Leben lang dagegen angekämpft.
    1877 erfolgte die Annexion von Transvaal durch die Briten, wodurch der erste Burenkrieg ausgelöst wurde. Der wesentlich grausamere Krieg, den die Kriegsgegner mit aller Härte führten, war allerdings der 2. Burenkrieg (1899-1902). In ihm erfanden die Engländer die Konzentrationslager, in denen, laut Überlieferung, burische Frauen und Kinder regelrecht verhungert sein sollen. Natürlich ging es in dieser Auseinandersetzung vorwiegend um die Bodenschätze, um die Diamanten! Was sonst? 1902 vertrug man sich wieder. Es konstituierte sich die „Südafrikanische Union“. Die weißen Buren und Engländer übernahmen von nun an gleichberechtigt die Führung des Landes.
    Interessanterweise wurde erst nach Gründung der Union eine systematische rassistische Herrschaft gegen die Schwarzen errichtet. Vorher gab es durchaus Heiraten zwischen Schwarzen und Weißen. So war z.B. der berühmte Herzchirurg Christiaan Barnard, der im Groote Schur Hospital zu Kapstadt 1967 weltweit die erste Herztransplantation durchführte, durchaus kein absolut reinrassiger Weißer.
    Schon 1912 wurde der ANC gegründet, eine politischen Vereinigung der Schwarzen, welche um deren Gleichberechtigung kämpfte, und zu der auch Nelson Mandela in den 30iger Jahren stieß. In dieser Organisation wuchs er zu einer Führungspersönlichkeit heran. Als prominenter Freiheitskämpfer versuchte er zunächst seine Ziele mit allen juristischen Mitteln durchzusetzen – schließlich war er Anwalt. Als alles nichts fruchtete, und als sich die Fronten im Gegenteil zunehmend verhärteten, schloss er sich der Ansicht an, den Zielen des ANC mit Hilfe von Sabotageakten Nachdruck zu verleihen, und wurde damit zum Staatsfeind. Bekanntlich saß er zweimal für eine längere Zeit im Gefängnis, insgesamt 27 Jahre lang, davon vorwiegend auf der Gefängnisinsel Robben Island, (nach der 2. Verurteilung, in der man ihn ebenso gut dem Tode hätte überantworten können, war er 18 Jahre lang gefangen.) Erst als ihn der burische Staatspräsident de Klerk zu Gesprächen beim Tee einlud – Mandela saß zu der Zeit noch ein, wenngleich sein Gefängnis kürzlich und überraschend in eine mit Stacheldraht eingezäunte Villa mit Bedienung (!) umgewandelt worden war! Er war mittlerweile 70 Jahre alt! – von diesem Zeitpunkt an also war klar, dass sich die weiße Vorherrschaft und somit die Apartheid ihrem Ende näherte. Dem politischen und wirtschaftlichen Druck, der vom Ausland gerade wegen der strikten Rassentrennung und ihrer diskriminierenden Gesetze ausgeübt wurde, konnte das Land nicht länger standhalten. 1994 konnte der ANC die ersten allgemein durchgeführten Wahlen gewinnen. Nach der „Wende“ kam es, wohl zur Verwunderung der Weißen, nicht zu dem gefürchteten Bürgerkrieg, den sie insgeheim erwartet hatten, wohl aber zu Massakern von Schwarzen untereinander, vornehmlich im Zulu-Land. 1996 trat die neue Verfassung der „Republik Südafrika“ in Kraft. 1993 erhielten Mandela und de Klerk, wie wir uns erinnern, zusammen den Friedens-Nobel-Preis.
   
 
 
    Die wenigen Reiseführer, denen wir in Südafrika begegnen, sind – der Sprache wegen - eingewanderte (eingeheiratete) Deutsche oder Personen deutscher Abstammung. Unisono preisen sie die politische Veränderung als eine positive, und ich höre sie sogar von „unseren schwarzen Brüdern“ reden. Ich kann diese überschwänglichen Aussagen nicht ganz glauben. Eher hege ich den Verdacht, dass auch Angst vor einer vielleicht für sie nicht ganz so positiven Zukunft mitschwingt. Die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft ist in dieser Hinsicht in meinen Augen ein gutes Korrektiv.
  
    Bei 48 Millionen Einwohnern ist die Südafrikanische Republik so groß wie Frankreich, Deutschland und Italien zusammen! Das Land verfügt über eine 5000 Km lange Küste, wovon zahlreiche „Traumstrände“ zur Erholung und aller Art Wassersport einladen! Bis 1994 unterteilte man die Bewohner in Schwarze (79,5%), in Farbige (8,9%) und Weiße (9,2%). Zu den Farbigen zählten die Inder, aber auch die Khoisan, Nachfahren der Sklaven aus Südostasien, sowie die Kap-Malaien, Nachfahren von Sklaven, die oft weiße Siedler geheiratet hatten, Menschen also, welche gemischtrassige Vorfahren hatten. Schwarze und Farbige unterlagen selbstverständlich allesamt der Apartheid.
    In Südafrika werden 24 Sprachen gesprochen, davon gelten 11 als offiziell. Die erste Sprache ist natürlich englisch. Die zweitwichtigste bestimmt die jeweilige Provinz. Sie ist in der Regel eine Bantusprache. Und dann wird selbstverständlich auch noch das Afrikaans gesprochen, die Sprache der Nachkommen der Buren, die sich Afrikander nennen. Damit weist Südafrika die größte Sprachenvielfalt nach Indien auf.
    Während seiner Präsidentschaft ließ Nelson Mandela für die Schwarzen, die obdachlos auf der Strasse lebten, Häuschen bauen, die sog. „Mandela Häuser“. In ihnen leben auf 30 qm 8 – 10 Personen! (Wie bei uns nach dem Krieg!), wobei die Toilette außerhalb installiert war. Es gibt unter den Schwarzen heute eine Arbeitslosigkeit von 40%.  (Daher spielt der Alkohol, wie sich denken lässt, keine unerhebliche Rolle!). Sie abzubauen ist insofern schwierig, als diese Menschen größtenteils weit unterqualifiziert sind. Die Regierung versuchte, dem gegen zu steuern, indem sie einen Steuererlass gewährte, sofern 40% der Mitarbeiter eines Betriebes Schwarze seien. Das war wegen der mangelnden Qualifikation dieser Menschen nicht durchzuhalten. Gibt es doch auch heute noch sehr viele Analphabeten! Immerhin gilt seit Aufhebung der Apartheid auch eine allgemeine Schulpflicht für  alle  Kinder, nicht nur für die weißen. Dennoch werden die schwarzen Kinder zu früh aus der Schule genommen, um in der Landwirtschaft zu helfen. Vor nur wenigen Generationen verhielt es sich bei uns in Europa genau so!
    26% der Einwohner Südafrikas sollen mit dem HIV infiziert sein, und jeden Tag sterben 1000 Menschen an AIDS. Hier herrscht die höchste Durchseuchungsrate der Welt. Man spricht von 13 Millionen AIDS-Waisen. Fährt man durch die Landschaft und sieht die geringe Besiedlung, so wundert man sich, wie sich das Virus über so weite Entfernungen hin so sehr ausbreiten konnte, noch dazu, da zur Zeit der Apartheid die Menschen in ihre Homelands ohne jeden bemerkenswerten Aktionsradius verbannt waren. Der Grund liegt in der Tradition der Bantu-Völker: Erreicht ein wandernder Hirte mit seiner Herde ein fremdes Dorf, so wird er in einer Hütte übernachten. Es ist Sitte, dass die Frau ihm mit Einverständnis des Ehemannes a l l e Gastfreundschaft gewährt. Der Gatte ist oft ebenfalls mit seiner Herde unterwegs und kehrt seinerseits in einer fremden Hütte ein! Dennoch ist das größere Problem immer noch die Malaria, welche noch vor der HIV-Seuche rangiert, höre ich!  
    Die Protea ist die Nationalblume der Republik Südafrika. Auch in unseren europäischen Blumenläden lassen wir uns von ihr  faszinieren. Ihr Wappenvogel ist der Paradieskranich und der Springbock (Bontebock) ihr Wappentier Dieser gehört zu den Gazellenartigen. Selbst die berühmte Rugby-Mannschaft nennt sich „The Springbocks“. Fußball ist nicht so populär und eigentlich eher der Sport der Schwarzen. Von den Fans kennt wahrscheinlich jeder den FC Bayern, wie ich glaube feststellen zu können. Die Weißen spielen in erster Linie Rugby, dann folgt in der Beliebtheitsskala das Cricket. (von den Wassersportarten einmal abgesehen) Was die kommende Fußball-Weltmeisterschaft anbetrifft, so konnte ich in Durban und in Kapstadt bereits die noch nicht ganz fertig gestellten Stadien sehen, deren Silhouetten über die Dächer ragen, und deren Vollendung nach Aussagen der Reiseführer keinerlei Probleme machen dürfte. Die dümpeln auf einem ganz anderen Feld: der Logistik nämlich und, vor allen Dingen, der Unterkünfte der Besucher und deren Transport zu den Veranstaltungen. Da liegt angeblich noch alles im Argen. In den Städten gibt es keine U- und keine S-Bahnen, auch keine Busse und nur ganz wenige Sammel- und Einzeltaxis. Zudem mangelt es auf der ganzen Linie an preiswerten Hotels. Selbst das Anheuern von Kreuzfahrtschiffen wird daher in Erwägung gezogen, in deren Kabinen man die Fans stapeln könnte!
   
    „In Asien bewegt man sich mit dem Fahrrad, hier wird gelaufen!“ höre ich. Von einer Mitreisenden wird mir von einer zynischen Reiseführerin berichtet, die behauptete: „Die Schwarzen laufen gern, und wir Weißen haben sowieso alle ein Auto!“ Ein schwarzes Schulkind läuft heute im Durchschnitt 4 Km zur Schule und wieder 4 Km nach Hause! Das erinnert wirklich an das frühe 20. Jahrhundert in Europa! Die Überlandbusse und die Minitaxis sind permanent überladen. Im den ständig vollgestopften Busen, den „Kings of the Road!” sei die Musik so laut, dass stets der ganze Bus bebt, wird berichtet. Da ich auch hier in Südafrika die Schwarzen als einen ruhigen Menschenschlag erlebe, kann ich mir das gar nicht so recht vorstellen!
   
 
 
 
    An der südafrikanischen Küste ankert die Albatros zunächst im Norden des Landes in der Richard’s Bay in der ehemaligen Provinz Natal, heute „KwaZulu Natal“ (= „das Volk im Himmel an Weihnachten“, denn just zu Weihnachten 1497 hatte der berühmte portugiesische Entdecker Vasco da Gama in der Gegend des heutigen Durban Land betreten). Die Zulu sind die größte Volksgruppe Südafrikas mit einer bemerkenswerten Vergangenheit. Im späten 17. Jahrhundert wanderten sie in das Gebiet des heutigen Natal ein und verdrängten die San. Unter ihrem berühmten König Shako erreichten sie ab 1816 ihre größte Expansion. Bis es 1879 zur Annexion durch die Briten kam, lieferten sie sich mit ihnen höchst blutige Schlachten.
    Gerade noch tropischen Gefilden zugehörig wird auch hier vorwiegend Zuckerrohr angebaut, ein Gebiet extremer Monokultur also, und damit ein durchgehend grünes Land. Das Rohr wird von Frauen mit der Hand geschnitten, was preiswerter ist als der Einsatz von Maschinen. Von Australien wurde der Eukalyptus eingeführt, ein sehr schnell wachsender Baum, der viel Wasser benötigt, sich aber gut zur Holzverarbeitung eignet. Man könnte die Eukalyptus-Monokulturen mit unseren Fichtenwäldern vergleichen. Außerdem gedeihen hier in Natal noch tropische Früchte, während der Sommer in der Kap-Region dem in Deutschland ähnelt. 
    Die Zulus leben in Rundhäusern, denn in einer Ecke könnte ja ein böser Geist sitzen! Dabei ist jedes „Zimmer“ ein Rundhaus für sich. So besitzt eine durchschnittliche Familie 5 – 6 „Häuser“, die wir eher als „Hütten“ bezeichnen würden, und in denen sie sozusagen „gleichzeitig“ wohnt. Zulus sind zu 28% Christen, leben jedoch weiterhin häufig polygam. Der zukünftige Präsident hat zum Beispiel 6 Frauen und 15 Kinder. Offiziell hat er allerdings nur 3 Frauen geheiratet! Männer!!! Stets besitzt die erste Frau die meisten Rechte. Was den Brautpreis anbetrifft, so ist die Braut natürlich umso teurer, je höhergestellt ihr Rang ist. Doch sind 11 Kühe das absolute Minimum! Darunter geht gar nichts! In dieser Kultur ist die Geburt einer Tochter für den Vater (ausnahmsweise mal!) ein Grund zur Freude, denn eine Tochter ist für ihn ein Geschenk. Sie erbringt ihm später Wohlstand. In der Stadt kostet eine Braut  um die 33 000 – 66 000 Rand, also über den Daumen gerechnet etwa 2000 – 5000 EURO. Eine Zulu-Hochzeit dauert stets 3 Tage lang, in der Regel von Freitags bis Sonntag.
    Die Zulus sind u.a. berühmt für ihre wunderschönen Glasperlenarbeiten. Aus winzigen bunten Perlen fertigen sie bemerkenswert hübschen Schmuck und auch kleine Gebrauchsgegenstände, allesamt absolut attraktive Souvenirs!
    In dieser Provinz ist AIDS noch ein Stigma – man spricht nicht darüber. Deshalb gibt es hier auch keine exakte Krankheits-Statistik, denn diese könnte nur in Hospitälern erhoben werden. Da die Zulus in einer Macho-Gesellschaft leben, in der die Frauen nicht allzu viel zu sagen haben, erreichen auch nur relativ wenige Kranke das Hospital. Die mit 33% geschätzte Durchseuchung der Bevölkerung ist nachgewiesenermaßen in KwaZuluNatal am höchsten. Das Land würde kollabieren, würden nicht viele Privat-Initiativen helfen, denn die Regierung kann es finanziell nicht schultern. So gibt es eine Reihe von Hospizen im Zulu-Land. Was die medizinische Versorgung an sich anbetrifft, so hat ein Arzt im Durchschnitt 20 000 Patienten zu versorgen, ein Kräuterheiler hingegen so etwa 600. Die Zulus vertrauen ohnehin zufürderst diesen sicher sehr erfahrenen und wesentlich billigeren Heilern. (die Zulus sind bekannt dafür, wahre Herbalisten zu sein, wobei Quantität zumeist vor Qualität kommt!) Sie stehen ihnen einfach näher als der für sie „unheimlichen“ teuren westlichen Medizin (die uns auch manchmal unheimlich ist!).
   
    Von der Richard’s Bay aus nehmen wir an einem Safari-Ausflug in das in der Nähe gelegene Hluhluwe-Reservat teil. Wir sind natürlich sehr gespannt, ob wir wirklich die „Big five“ (Nashorn, Elefant, Leopard, Büffel) in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen würden. Schon auf dem Weg dorthin rät man uns, auch unsererseits ständig nach den Tieren im Reservat Ausschau zu halten. Bei der Einfahrt in den Wildpark begrüßen uns Strauße, und eine Warzenschwein-Fähe saust mit ihren Ferkeln über die Strasse und verschwindet spornstreichs im Gebüsch, während kleine Äffchen in den Bäumen umher huschen. Das Wetter ist regnerisch, also nicht unbedingt günstig. Auf hochrädrigen jeweils mit einer Plane überspannten Jeeps, deren Sitze nur mittels sportlicher Kletterei zu erreichen sind, hüllen wir uns in unsere Anoraks, ziehen uns die Kapuzen über die Köpfe, halten uns fest und los geht’s kreuz und quer über geteerte Strassen. Unser Ranger, der uns im Jeep über mehrere Stunden lang in einer wunderschönen, hügeligen Landschaft bergauf-bergab umher fährt, ist ein Afrikander wie  alle Ranger in diesem Reservat. Immerhin befinden wir uns in einer ehemaligen Burenrepublik. Leise erklärt er uns einiges auf englisch, ansonsten hält er auf Afrikaans mit seinen Kollegen über Funk Kontakt, um sich mit ihnen über den jeweiligen Standort aufgespürter Tiere zu verständigen. Schweigend und stets auf dem Quivive gewöhnen auch wir unsere Augen  daran, in der Savanne sowohl in der Ferne als auch hinter Bäumen und Gesträuch Tiere zu erspähen – alles Training! Selbstredend können nur viel Geduld und allergrößte Ruhe hin und wieder zum Erfolg führen. Und wir haben ihn! Mit Hilfe der modernen Kommunikation begegnen wir ihnen zum Teil ganz aus der Nähe: den verschiedenen Antilopen und Gazellen – von ihnen gibt es unzählige Arten auf dem schwarzen Kontinent,  – der Elefantenherde, den Rhinos (Nashörner), den Büffeln, und einem Giraffenpaar – ihm ganz aus der Nähe!( Die Hörner der Bullen sind gerade, die der Stuten nach vorn gebogen! Wo schaut man im Tierpark zu Hause eigentlich  hin?). Sogar einige in der Ferne ruhende Löwen sind auszumachen. Glücklich und stumm warten wir viele Minuten lang, bis ein Zebra-Hengst, der sich mit seiner Stute am Straßenrand an Gräsern gütlich tut, geruht, sich zurück zu ziehen. Wir beobachten einen jungen Seeadler auf einem Astund mehrmals farbenfrohe Regenvögel. Mistkäfer rollen ihre Kugeln aus Elefantenlosung auf der Straße. Immer wieder sehen wir die großen Termitenhügel, zwischendurch ein Straußengelege, Spuren der Großkatzen und die kleinen flinken Warzenschweine. In der offenen Landschaft lassen sich Zebra- und kleine Büffelherden ausmachen. Uns werden Nashorn-Suhlen und Elefantenspuren, sowie deren Losung gezeigt. (Die Giftschlangen halten sich geflissentlich verborgen!) Und nachdem wir anfangs wohl ein wenig ungeduldig und ob des Regens ein bisschen enttäuscht sind, haben wir, nachdem es endlich zu regnen aufgehört hat, am Ende der mehrstündigen Safari tatsächlich viele Tiere gesehen und sind glücklich! Denn die Natur kann, sofern sie dem Menschen nicht feindlich begegnet, nur glücklich machen! Und eine Safari war für mich ohnehin ein Hauptgrund, diese Reise zu unternehmen. Als wir Tage später an einer weiteren, größeren Safari teilnehmen, aber auch schon bei einer „harmlosen“ Fahrt  über Land, halte ich automatisch nach den gut getarnten Tieren Afrikas Ausschau! Das gewöhnt man sich tatsächlich sehr schnell an.
    Selbstverständlich sind auch die größten Reservate eingezäunt. Was aber clevere Elefanten oft nicht daran hindert, diese Hindernisse zu durchbrechen. Von einer Herde wird berichtet, dass sie das jüngste Tier dazu brachte, auf den Elektrozaun zu treten. Der Kleine bekam zwar einen elektrischen Schlag, den er sich für sein Leben lang merken würde, aber der Zaun war geerdet und zerstört und somit leicht zu überwinden. Ansonsten meidet man jeden menschlichen Eingriff innerhalb des Reservats. Kranke und verletzte Tiere werden nicht behandelt, sondern – wie in der freien Natur auch – ihrem Schicksal überlassen. Lediglich bei einem Tier, das einer aussterbenden Art angehört, greift man tierärztlich ein.
    Alle Reservate sind dem World Life Fund angeschlossen. Jährlich findet eine Wildtierbörse statt, auf der Tiere gekauft und verkauft werden, um in den Reservaten eine gewünschte Artenvielfalt zu erhalten.    
   
 
 
 
    Durban ist der größte Hafen Afrikas, und hier gelangt der Lotse per Hubschrauber an Bord! Bei seiner Ankunft horchen wir jedoch noch an unseren Matratzen! In Durban herrscht bereits ein subtropisches Klima. Die Stadt erfreut sich des Rufes eines beliebten Urlaubsziels, da sie an 300 Tagen im Jahr von der Sonne verwöhnt wird. Hier, wo man viele Baustile vorfindet, gelten Bauwerke als „antik“, die älter als 60 Jahre sind! Am beliebtesten war zu ihrer Zeit die Art Deco. Dennoch gefällt mir die Stadt eigentlich nicht .... bis auf den wunderschönen botanischen Garten! Zu morgendlicher Stunde ist der Park völlig menschenleer, und es lässt sich unter exotischen Bäumen angesichts ebenso fremdartiger Sträucher und Blüten auf das ergötzlichste lustwandeln, um das einmal etwas altmodisch auszudrücken. Apart gefiederte Nilgänse zupfen an Gräsern, und wahr- und wahrhaftig blüht auch noch ein  Frangipani-Baum und verströmt seinen betörenden Duft. Der absolute Star unter den Bäumen ist allerdings ein über und über mit roséfarbenen Blüten „bedeckter“ Tulpenbaum, „the african flame!“ Unvergesslich!
    In Durban ist die Bevölkerung ausgesprochen kosmopolitisch und besteht aus einer bunten Mischung aus Europäern, Asiaten und Afrikanern. Beeindruckend ist der riesige afrikanische Markt, der sich in Hafennähe auf dem Bürgersteig über Hunderte von Metern und um Kurven hinzieht, und auf dem so ziemlich alles angeboten wird, was der normale Mensch so brauchen kann, angefangen von einer Vielfalt an Nahrungsmitteln über das gesamte Pille-Palle-Programm daher. Interessant sind die Schilder mit den Straßennamen. Diese wurden nämlich aus dem Englischen in Zulu umgewandelt. Als sich daraufhin kein Mensch mehr auskannte, am wenigstens die Post selbst, abgesehen davon, dass sie weder ein Weißer noch ein Asiat überhaupt aussprechen konnte, setzte man die englischen Namen wieder dazu, strich sie aber demonstrativ durch!  Inder wohnten schon immer im Viertel um die Grey Street, denn diese Farbigen betrachtete man als „Grau!“ Wie auch heute noch die einzelnen Ethnien ihre eigenen Wohnviertel haben. Ich habe schon erwähnt, dass die Asiaten gern unter sich blieben, wie sich Südafrika überhaupt durch die ausgesprochene Bildung von Parallel-Gesellschafen auszeichnet. Uns wurde berichtet, dass derzeit nicht mehr Johannisburg sondern Durban die gefährlichste Stadt der Republik sei. Ratsam sei es daher, nicht bei Dunkelheit unterwegs zu sein. Auch Touristen seien schon mehrfach überfallen worden. Hier in Durban sehe ich auch erstmals die „eingemauerten Weißen“, hübsche Wohnanlagen und Anlagen von Reihenhäusern, die man durch hohe Mauern schützt, (weshalb man aus dem Fenster nur auf düsteres Mauerwerk starren kann!), und die von Wachmännern zusätzlich bewacht und durch Alarmanlagen gesichert werden. Ist nur eine dieser drei Bedingungen nicht erfüllt, bezahlt bei Einbruch oder Schlimmerem keine Versicherung! Kein Land für mich!
    Wir machen einen Spaziergang auf einer schön angelegten Strandpromenade an der Beachfront in der Nähe des beeindruckenden Spielkasinos in Art Deco, welches nach Ende der strengen Apartheid-Periode, einer prüden Zeit damals, wieder in Betrieb genommen wurde. Hier befinden sich auch eine sehr hübsch angelegte Mall mit schicken Geschäften und ein großen Aquarium. Von einer Seebrücke aus beobachten wir die sich im indischen Ozean tummelnden schwarzen, farbigen und weißen Kinder und Jugendlichen. Es wird geplanscht, geschwommen, auf den Wellen gesurft und getaucht – ohne großes Kindergeschrei, muss ich sagen! Junge Männer und Frauen sonnen sich in züchtigem Badeoutfit oder spielen mit Bällen – wie an allen Stränden wo auch immer! In diesen Stunden genießen wir eine heile Welt!
    Am Spektakulärsten ist der Abschied von „das Lots“ (O-Ton unseres norwegischen Kapitäns) Der schwarze Lotse geht keineswegs auf herkömmliche Weise von Bord! Während die Albatros durch die Wellen des indischen Ozean pflügt, brummte ein Hubschrauber über uns, und Pilot und Kopilot winkten uns lachend zu. Der dunkelhäutige Lotse, totschick ganz in Weiß in Hemd, Shorts, Socken und Schuhen gekleidet, schlingt sich einen breiten Gürtel um seinen Leib und schwebt daraufhin, einem schwarzen, krausköpfigen Engel gleich, gen Himmel, um winkend im Helikopter zu verschwinden. Ich komme mir vor wie in einem Hollywood-Film! Natürlich klatschen wir alle begeistert, und er, der Unentbehrliche, ist in diesen Augenblicken „der King!“ Und dennoch: weiß man’s, ob nicht auch er das tödliche Virus in sich trägt?
    East London macht auf uns den Eindruck eines belanglosen Städtchens. Mir fällt nur auf, wie geschmackvoll in der Farbzusammenstellung die Schwarzen – zumeist natürlich junge Leute – gekleidet sind. Gedeckte Farben werden durchgehend bevorzugt.
    Von hier aus brechen wir zu einem Ausflug in das Inkwenkwezi Wildreservat auf.
    Wie so ganz anders gestaltet sich doch diese Safari!
    In einer großen Lodge werden wir zunächst von einer Gruppe geschmückter tanzender Xhosa-Frauen empfangen und mit Getränken bewirtet. Sodann ein letztes Aufsuchen von 00 und Verteilen auf die verschiedenen Jeeps, die noch hochrädriger und noch schwieriger und mühsamer zu erklimmen sind, als jene auf unserer ersten Safari. In kürzester Zeit erweist sich die Unternehmung als eine halsbrecherische Angelegenheit! Die schwarzen Ranger kurven uns  über viele Stunden durch das riesige Gelände im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein, denn geteerte Strassen gibt es in diesem Reservat nicht, hingegen schmale, zum Teil aufgeweichte, zum Teil steinige, felsige, zum Teil auch recht steile Wege, oft mit sehr (!) tiefen ausgefahrenen Rillen! Immer wieder fürchteten wir umzuschmeißen, so gefährlich tief hingen wir auf einer Seite, oder der Jeep würde das steile Bergauf oder Bergab nicht bewältigen können. Weit gefehlt! Mit unseren Ranger sind die guten Geister seiner Ahnen!  Und wie oft ducken wir uns und ziehen die Köpfe ein, um nicht von überhängenden, oftmals mit Dornen behafteten Zweigen, gar Ästen, gestreift zu werden! Nicht selten geht es auch quer über das Gelände, abseits von den zerfurchten holprigen Wegen, und über Grasland! Welch ein Erlebnis! Befinden wir uns auf einem der Hügel, so blicken wir in Täler voller blühender Akazienbäume, die wie gelbe Teppiche anmuten. Inzwischen eingeübt und begeistert, entdecken wir viele Tiere, so auch die Rhino-Mutter mit ihrem halbwüchsigen Jungen, an die sich der waghalsige Ranger mit unserem Jeep über das Grasland ganz langsam und vorsichtig heranpirscht. Endlich aufmerksam geworden (Rhinos hören schlecht) nähert sich uns das Muttertier, das Junge an seiner Seite, bis auf  3 Meter und zeigte auch keinerlei Anzeichen von Aggressivität. Wir verharren lange „auf du und du“, bis beide schließlich Kehrt machen und hinter dem Gebüsch verschwinden. Unglaublich auch der Anblick des Webervogel-Baums. Mit dem Jeep mitten im Wasser eines kleinen Flüsschens anhaltend bewundern wir die kunstvollen hängenden großen ovalen Nester der kleinen Vögel, die an seinen Ästen über dem Wasser hingen, sodass er fast einem „Oster-Baum“ glich. Für mich ist das eindrucksvollste Erlebnis jedoch der Anblick einer Giraffenfamilie auf der Anhöhe eines Hügels: Unbeweglich stehen die Alttiere und strecken ihre langen Hälse in den Himmel, so, als würden sie die ganze Welt überblicken, und als gäbe es nichts, was noch über ihnen sein könnte, während zwei Jungtiere im Gras ruhen. Dieser Anblick ist  so anrührend, so außergewöhnlich und überirdisch schön, dass man sich einer anderen Welt nahe fühlen kann.
    Die Attraktion dieses Wildparks sind die weißen Löwen, eine Löwenfamilie, die in einem riesigen Gehege lebt, in dem sie auch Antilopen jagen können (zusätzlich wird ihnen wöchentlich eine tote Kuh zugeworfen), und wo sich das durchgehend weiße Fell der Tiere nach den Mendel’schen Gesetzen „ausmendelt“. Mit seiner beeindruckenden weißen Mähne präsentiert sich der weiße Vater  neben einer braunen Mutter und einer braunen „Tante“ und seinen 2 kleinen weißen Töchtern (die dritte ist gerade im Gelände unterwegs). Die ganze Familie liegt entspannt hinter dem Drahtzaun und betrachtet uns, als seien wir ihr Fernseh-Programm! Als allerdings eine Dame in die Hocke geht, um ein Foto von einem der Jungen zu schießen, verändert dieses sofort seine Haltung, so, als wolle es zum Jagdangriff übergehen. Die gleiche Augenhöhe der beiden nur durch den Maschendraht Getrennten weckt sofort den Jagdtrieb der Kleinen. Löwen sind die einzigen Katzen, die auch jagen, wenn sie nicht unbedingt Hunger haben. Bei ihnen ist dieser Trieb ständig wach, so lernen wir.
 
  
    Die nächste Attraktion sind drei zahme Geparden, Handaufzuchten, die sich dem weißen Ranger sofort nähern, als dieser ihr Gehege betritt, um mit ihm zu schmusen. Selbst von einer der Reisebegleiterinnen, die sie eigentlich in seiner Anwesenheit nur beschnupperten, ließen sie sich, mit ihr allein gelassen, streicheln und kraulen! Gemütlich war unserer Elke dabei nicht!
    Wieder in der Lodge angekommen werden wir zum Schmausen gebeten! Und das ist auch der richtige Ausdruck für das, was uns erwarte!. Das üppige Büffet bietet eine Fülle höchst delikat zubereiteter Speisen neben einer Auswahl von Getränken. In seiner geradezu überbordenden Opulenz erinnert das Gastmahl, das die weißen Gastgeber für uns zubereitet haben und uns nun zuvorkommend servieten, an jene Vorstellung der Europäer in früheren Jahren vom „glücklichen Südafrika“, dem „reichen Land der Weißen“, vom „Paradies“ eben! 
   
    Auch in Port Elizabeth machen wir einen Spaziergang an der Waterfront. Hier hat sich die Küste bereits verändert: der Strand ist steiniger geworden und immer wieder türmen sich große Gesteinsbrocken auf. In Mossel Bay, eigentlich unsere nächste Anlegestelle, findet es „das Lots“ nicht der Mühe wert, sich für uns überhaupt zu erheben. Stürmisches Wetter, – es herrscht eine Windgeschwindigkeit von 60 Km/h, – sowie die einander begegnenden Meeresströmungen machen sich  deutlich bemerkbar. Schließlich befinden wir uns bereits in der Nähe der südlichsten Spitze des Kontinents, des Kap Aguilhas (Nadelkap)!  Kraft seiner Autorität verweigert er uns daher aus Sicherheitsgründen die Einfahrt in den Hafen. Kapitän Hansen schickt sich darein und schippert weiter. Wir gewöhnten uns indessen einen leichten Seemannsgang an, leere Gläser fallen um und rollen oder rutschen rutschen von den Tischen und überall klemmen „gewisse Tüten“ für empfindliche Personen an den Handläufen. Wir gehören nicht zu ihnen!
    Und dann taucht es verschwommen und grau vor uns auf: das Kap-Gebirge, das sich endlich mit seiner südlichsten Spitze wie mit einer Nadel in den Ozean hinein bohrt. Hier beginnen sich die beiden Weltmeere, der warme indische Ozean und der kalte südliche Atlantik zu mischen!  Wir hängen alle an der Reling, trotzen dem stürmischen Wind und können uns an dieser felsigen Landschaft nicht satt sehen. Ein einmaliges Erlebnis!
  
    Kapstadt, die Perle Südafrikas, erreichen wir gegen Abend. Wie wundervoll ist doch ein Sonnenuntergang gegenüber dem Tafelberg! Noch längst nicht im Hafen eingelaufen geben wir uns nach dem Abendessen dem Anblick der hell erleuchteten Stadt unter einem roten Vollmond hin, der sich während unserer Reise gerundet hatte. Er wird mir unvergesslich sein!
    Nächtens dröhnen die Maschinen der Albatros unverdrossen weiter. „Nanu?“ denke ich im Halbschlaf, „fahren wir jetzt zum Südpol, oder wie?“
    Weit gefehlt! Kapitän Hansen ist auf eine Warteschleife verwiesen worden, und es dauerte einige Stunden, bis er endlich Anker werfen darf. Die Gewässer in dieser Gegend der Erde sind nicht die gastlichsten! Sie gestalten das Navigieren als ein schwieriges Unterfangen! Erst vor zwei Jahren war ein halsstarriger amerikanischer Kapitän, der nicht auf die fürsorglichen Ratschläge des Kapstädter Hafenkapitäns hören wollte, mit seinem Frachter untergegangen! Sein Schiff gesellte sich zu jenen 174 Wracks aus den verschiedensten Epochen, die sich hier im Laufe der letzten Jahrhunderte angesammelt haben und auf dem Meeresboden auf den Weltuntergang harren. Ein wahrer Schiffsfriedhof! (Nebenbei: in unseren Tagen ist hierzulande „Ship diving“ geradezu in Mode gekommen!). Noch heute zollen die modernen Kapitäne jenen mutigen Seefahrern früherer Jahrhunderte auf ihren Seglern alle Hochachtung vor deren seemännischem Können in diesen Gewässern!
    
 
 
    Kapstadt, am nördlichen Rand der Kaphalbinsel und schon am Atlantik gelegen, ist eine windige Stadt. Sie wurde 1652 von dem bereits erwähnten Jan van Riebeek als Versorgungsstation für die Schiffe der Ostindischen Kompanie auf ihrem Weg nach Batavia (Indonesien) und zu den Gewürzinseln gegründet. Sie ist die älteste Stadt europäischen Ursprungs in Südafrika – und vielleicht die Schönste und Interessanteste? Seit Gründung der Südafrikanischen Union  1910 ist sie Sitz des Parlaments.
    Nachdem wir endlich angelegt hatten, brechen wir zu einem Bummel an der Waterfront auf, einem hübsch angelegten Viertel am Hafen, dessen ganz eigenes beschwingtes Flair mir ausnehmend gut gefallen hat. Im Hafenbecken spielen possierliche Robben in den Wellen, und eine jugendliche Volksgruppe stampft und singt vor einem mehr oder weniger interessierten Publikum. Restaurants und Boutiquen, Souvenirläden und gemütliche Bänke unter Bäumen, kleine Jachten und chinesisch bemalte Boote, ein bunt gemischtes Publikum aus Einheimischen und fremden Besuchern....alles sehr unterhaltsam!
    Während einer Stadtrundfahrt, selbstverständlich verbunden mit einem Spaziergang, lassen wir das Viertel der hohen Bürotürme, welche in den letzten Jahren auf dem dem Meer abgerungenen Boden hochgezogen worden sind, hinter uns. In der hübschen Innenstadt präsentieren sich neben Bauwerken aus dem 20. Jahrhundert sehr schöne Häuser aus dem des 19. Jahrhundert im hellen, freundlichen Cape-Dutch-Stil, wie das Rathaus am Grande Parade, einem großen Platz, auf dem in früheren Zeiten der Sklavenmarkt stattfand, und wo Nelson Mandela nach seiner Freilassung seine erste große Rede hielt und sich damit als zukünftiger Volksführer outete. In eben diesem Stil zeigen sich die Regierungsgebäude, auch das Gästehaus der Stadt, in dem z.B. Angie Merkl bei ihrem Besuch in Kapstadt logierte, und in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich der herrliche botanische Garten befindet. Dort bestaunen wir noch einmal den berühmten Quastenflosser im Museum, bestaunen ebenso den ältesten, 200 Jahre alten Birnbaum flanieren am Denkmal von Jan Riebeek vorbei  und lassen uns unter dem von Cecil Rhodes über dessen  einstige Pläne einer Kairo-Kapstadt-Eisenbahn instruieren. Im Gegensatz zu all diesen heiteren Architekturen bildet der trutzige anglikanische Dom aus dunklen Steinen, Wirkstätte des legendären schwarzen Erzbischofs Desmond Tutu, einen  etwas düsteren Gegensatz. Er erinnert mich an schottische Kirchen und an die Kirchen in Neu-England an der amerikanischen Ostküste.
    Doch was wäre die Stadt ohne den Tafelberg (Table Mountain), an den sie sich schmiegt, und der ihr zu ihrem Ruhme gereicht! 600 Millionen ist er alt und somit älter als der Himalaya, von den Alpen erst gar nicht zu reden! Einst war er etwa 5 mal so hoch wie heute mit seinen fast 1100 Metern. Sein jetziges Aussehen verdankt er den Jahrmillionen langen Wind- und Wassererosionen. Da durch Spalten und Risse über die vielen Millionen Jahre hinweg stetig Wasser in ihn eindringen konnte, beherbergt er die größten Sandsteinhöhlen der Welt. Berühmt ist er auch ob seiner vielfältigen Pflanzenwelt – viele Pflanzen sind endemisch und gedeihen nur hier! Allein die Zahl der Erika-Gewächse und der Proteen geht in die Hunderte! „Fynbos“ (Feinbusch) wird die artenreiche mediterrane Kap-Macchia genannt, durch die zahlreiche Wanderwege führen. Ein El Dorado für Botaniker! Feuchte Luftmassen, die vom offenen Meer her den Tafelberg als erstes überströmen, bilden das sogenannte „Tischtuch“ (Table Cloth), jene Wolken, die den Berg wie ein Tuch überziehen, ein Phänomen, das vorwiegend im südafrikanischen Sommer (also zu unserer Zeit) vorkommt. Wir hatten Glück. Mit der Seilbahn auf dem Plateau angekommen genießen wir die klare Aussicht auf den Atlantik mit Blick auf die Gefängnisinsel Robben-Island und auf die Holland-Berge einerseits, sowie auf den „Löwenkopf“ und die hinter dem Berg liegenden „zwölf Apostel“ andererseits. Auf unseren Spaziergängen entzücken uns die unzähligen sich in den Felsspalten tummelnden possierlichen Klippschliefer mit ihren Jungen. Der Tafelberg ist Teil des 1998 gegründeten Table-Mountain-Nationalpark.
    „Kap der guten Hoffnung“ (Cape of Good Hope) wird die Landspitze südlich von Kapstadt genannt, welche für die Schiffe, die diese Gewässer befahren, den Übergang vom Südatlantik in den indischen Ozean markieren. Der erste Europäer, der das Kap umrundete, war Bartolomeu Diaz, der damit 1488 den Seeweg nach Osten fand. Er nannte das Kap „Cabo Tormentoso“ (Kap der Stürme), womit er die Sache auf den Punkt brachte! In Anbetracht der wirtschaftlichen Bedeutung der neuen Seeroute wurde das Kap jedoch von König Johann II von Portugal in Cabo da Boa Esperanca (Kap der guten Hoffnung) umbenannt, wobei er der Hoffnung auf ein gutes Ankommen Ausdruck verlieh, wie uns berichtet wird. Nach Diaz wurde das Kap erst wieder 1497 von einem Europäer umrundet, nämlich von Vasco da Gama, als dieser die erste Seereise von Europa nach Indien unternahm. So begegnen wir den Denkmälern dieser beiden wahrhaftigen Seehelden im Cape of Good Hope-Nationalpark auf unserem Ausflug zum Kap der guten Hoffnung, überlebensgroßen Statuen aus hellem Gestein.
    Dieser Ausflug führt uns zunächst durch die liebliche Landschaft der Halbinsel mit ihren hübschen kleinen Orten, den zumeist von Weißen bewohnten – eingemauerten! – Villen (oft auch Konsulate), mit ihren Cricket- und Golfplätzen, Weingärten, Korkeichenwäldern und den englisch anmutenden Fischerorten an der Küste. Der Wintermonat Juni ist ein regenreicher Monat, hören wir. Auch hier wächst alles viel zu schnell! Im weiter südlich gelegenen Nationalpark ( Cape of Good Hope Nature Reservation) wird die Landschaft gebirgiger, herber, trockener. Bewachsen mit niedriger Macchia entdeckten wir doch hin und wieder Gazellen und Antilopen, wie Impalas, Kudus, Wasserböcke und eine Elenantilope, der größten Antilope, sowie und andere Arten, aber auch Zebras und Gnus – wir sind ja inzwischen im Ausgucken trainiert! Angekommen erklimmen wir die Anhöhe des Kaps mit seinem Leuchtturm und beobachten in Gesellschaft von in den Pinien herum turnenden Äffchen, wie sich die Farben der beiden Weltmeere in den sich begegnenden Strömungen zu vermischen suchen: das Grün des Indischen Ozeans und das Blau des Südatlantiks. Hier herrscht ein paradiesischer Fischreichtum, ein Reichtum an Krill und anderer Nährstoffe. Zwischen Juli und Dezember erscheinen die Wale, um sich zu paaren, ihre Kälber zu gebären und sich mit Krill voll zu fressen, um sich dann in der wärmeren Jahreszeit wieder in eisigere Gewässer zurück zu ziehen. Blickt man nach Osten, so fällt der Blick auf die „False Bay“, die „Falsche Bucht“, die eigentlich keine echte Bucht ist, sondern von den portugiesischen Seefahrern anfänglich für eine solche gehalten wurde. Hier siedelte Herman Melville seine berühmte Geschichte von „Moby Dick“, dem weißen Hai, an, die 1851 in London und New York erschien und 1956 mit Gregory Peck verfilmt wurde, und in welcher der besessene Kapitän Ahab einen weißen Hai verfolgt, den er für den Verlust seines Beines verantwortlich macht. Der Weiße Hai, der größte Raubfisch der Welt, der sich nicht von Plankton ernährt und daher für den Menschen gefährlich werden kann, kommt selbstverständlich  auch hier vor den Küsten Südafrikas vor.
 
Abschied und Ausklang! Die Fahrt zum Flughafen wurde, wie wohl in den meisten Großstädten auf unserem Globus mittlerweile üblich, zu einem Gezottel in Stop an Go, was für mich den Vorteil hatte, ein typisches Township vom Bus aus in Ruhe betrachten zu können. Weit von der Innenstadt entfernt („der Schwarze läuft“, wie wir uns erinnern!) beobachtete ich spielende schwarze Kinder und hantierende schwarze Frauen in einem unübersehbaren riesigen eingezäunten Areal voller eng aneinander gefügter niedriger containerähnlicher Blechhütten, ohne Bäume, ohne Sträucher, erst Recht ohne Blumen! Ein braunes Einerlei im Dreck, so hatte ich den Eindruck und dachte dabei an allerlei Ungeziefer, Ratten eingeschlossen. Mit diesem Eindruck nahm ich Abschied von Südafrika. Zu unserer Überraschung begegneten wir auf dem Flughafen Kapitän Hansen, der seine Frau hierher begleitet hatte – auch sie hatte, wie wir wussten, die Reise mitgemacht. Der herzliche Abschied von ihm, der uns so sicher und souverän durch unsichere Gewässer gesteuert und nebenbei stets so humorvoll unterhalten hatte, war verbunden mit den besten Wünschen für unser aller Gesundheit und der Hoffnung auf ein Wiedersehen auf der guten alten Albatros!.....Wer weiß?.....  
 
 
 
 
   
   
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