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| Perlen der Adria |
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| Eine Kreuzfahrt auf der BELLE DE L’ADRIATIQUE entlang der dalmatinischen Küste vom 11. bis zum 18. Oktober 2007 |
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| Dem Himmel sei Dank! Das Gespenst des angedrohten Lok-Führer-Streiks, welches uns im Vorfeld der geplanten Schiffsreise allerhand Nerven gekostet hatte, war an diesem sonnigen Oktober-Donnerstag 2007 in einen unbekannten Winkel gekrochen und ließ uns „ungeschoren“ im bequemen Intercity problemlos den Frankfurter Flughafen erreichen. Nur der Flug von Frankfurt nach Dubrovnik war in die frühen Abendstunden verschoben worden – doch das hatte mit den Lokführern und ihrer aufmüpfigen Gewerkschaft wahrhaftig nichts zu tun. Also schwebten wir an jenem 11. Oktober in herbstlicher Dunkelheit an Kroatiens Adriaküste ein! Kurz zuvor hatte es hier geregnet, die Strassen waren noch feucht. |
| Mit Verlassen der Ankunftshalle des Dubrovniker Flughafens rieche ich den Süden! Ja, man schmeckt ihn förmlich! Ein lindes Lüftchen umschmeichelt den kühlegewohnten Nordmenschen und macht ihn einfach glücklich! Viel zu sehen bekommen wir auf der 20-minütigen Busfahrt zum Hafen natürlich nicht. Der Transfer wickelt sich zunächst im Dunkeln ab, bis endlich linkerhand unter uns die Lichter der Stadt glitzern, der Bus sodann bergab rollt, sich dem neuen Hafen nähert und die brandneue Belle de l’Adriatique in ihrer weißen Schönheit hell erleuchtet vor uns im Wasser liegt. |
| Sie ist tatsächlich funkelnagelneu und will sich mit uns zu ihrer erst dritten Reise entlang der dalmatinischen Küste und durch den Archipel zahlreicher Inseln aufmachen. Ein Glück, dass wir da noch nicht wissen, was mit brandneuen Schiffen los sein kann! Immerhin erfahren wir in den nächsten Tagen, dass es bei dem Kreuzfahrer-Boom, welcher derzeit, man kann sagen: weltweit, herrscht, auf anderen brandneuen Schiffen durchaus zu unvorhergesehenen Pannen kam. Einmal fehlten die Betten, und die Passagiere mussten auf dem Fußboden kampieren, ein andermal war das Essgeschirr unvollständig angeliefert worden: es fehlten sämtliche Teller aller Größen! Seemannsgarn? Es wird schon etwas daran sein! Bei der „Adria-Schönen“ ist jedoch alles paletti! |
| Sie ist belgischen Ursprungs. Sie wurde in Namur gebaut. Infolgedessen ist sie frankophon. Alle Schilder sind in französisch abgefasst, und Französinnen sind Natascha Wegener (wie das?) aus Marseille und Esther aus Perpignan. Sehr schnell wird uns allen klar, dass Natascha die Seele, nein! die heimliche Chefin auf der „Adria-Schönen“ ist. Obgleich sie stolz auf ihre teilfranzösische Abstammung ist – ihre Mutter ist eine Deutsche, erfahren wir sehr bald – habe ich den dringenden Verdacht, dass sich einige Berber-Gene unter ihre franko-germanischen gemischt haben. Nordafrika ist nicht weit! Es ist der Gesichtsschnitt, es sind ihre sehr dunklen, lebhaften Augen, der olivfarbene Teint, die glatt gekämmten schwarzen Haare, die sich durchaus zu ringeln trachten, und die etwas stämmige Figur, die mich diesen Verdacht hegen lässt. Die junge, lebhafte „Tascha“ ist ein liebevolles, zuverlässiges, stets hilfsbereites, freundliches und immer eine gute Stimmung verbreitendes Menschenkind, das man einfach gern haben muss. Die südfranzösische Esther ist um Vieles zurückhaltender. Und außerdem des Deutschen nicht mächtig. |
| Etwa 100 deutschsprachige Passagiere gehen an Bord, nachdem sie, begleitet von dem ebenfalls stets hilfsbereiten und immer liebenswürdigen Lutz Kaller, in einem Charterflug von Frankfurt in die Republik „Hrvatska“ – so nennt sich die kroatische Republik, nachdem sie sich 1991 von Jugoslawien unabhängig gemacht hatte – „überführt“ wurden. (Nebenbei: der Ausdruck „Krawatte“ = Halsbinde soll seinen Ursprung in dem Wort „Kroat“ haben. Hat man vielleicht gegen Ende des 17. Jahrhunderts dieses Zierstück den Kroaten abgeguckt?). Und wir erfahren noch am selben Abend, dass diese Republik, die auf der Landkarte einem abnehmenden Halbmond gleicht, an dessen südlicher, enger Spitze wir uns befinden – die bosnische Grenze im Osten ist nur wenige Kilometer entfernt – in sog. Gespanschaften aufgeteilt ist, was wohl Regierungsbezirken entsprechen mag. Am nächsten Tag werden wir auf unserem Spaziergang in Dubrovnik eine Dame treffen, die auf einem Schiff mit 1000 (!) Passagieren unterwegs ist! Da sind wir von Herzen dankbar, dass wir es mit unserem kleinen Schiff so traut und gemütlich getroffen haben. |
| Ich muss gestehen, dass ich mich auf meine Reisen immer sehr mangelhaft vorbereite. Warum eigentlich? Vielleicht, um aus Furcht vor einer eventuellen Enttäuschung die Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen? Vielleicht auch, um Unerwartetes, Überraschendes um so intensiver genießen zu können? Wer weiß? |
| Was Letzteres anbetrifft, so waren alle auf diesem Schiff von dem Erhofften, jedoch nicht unbedingt und ernsthaft Erwarteten einfach überwältigt: Von dem blauen Himmel nämlich, an dem hin und wieder einige gutartige weiße Wölkchen an das Einsetzen eines südlichen Herbstes gemahnten, und der uns die gesamte Reise über begleitete! Und von dem südlichen Licht, das die berückende grau-gebirgige Landschaft, die harmonischen, an die italienische Renaissance anlehnenden Architekturen der von den Venezianern unter ihrer Herrschaft geprägten Küstenstädte und die in früheren Zeiten so bedrohlichen Festungen, hoch in den felsigen Bergen oder an der zerklüfteten Küste errichtet, so herrlich leuchten und ihre Konturen ganz besonders plastisch hervortreten ließ. Und von der südlichen Wärme natürlich, nach der sich der dem kalten Winter ausgelieferte Nordmensch schon seit Menschengedenken immer gesehnt hat! |
| Dass die wilden Illyrer, die sich um das 11./12. Jahrhundert v.Chr. an der Adriaküste niederließen, gefürchtete Seeräuber waren, lässt sich denken, und auch, dass sich die Griechen, die im 4. Jahrhundert v. Chr. auf den Inseln (so etwas kannten sie ja) und an der Küste ihre Handelsposten errichteten, mit ihnen zu tun hatten, ebenfalls. Erst den Römern gelang es im 3. Jahrhundert n.Chr., mit ihnen fertig zu werden, und das auch nur sukzessive. Später sickerten slawische Stämme ein, und tatsächlich wird Kroatien im 10. Jahrhundert ein Königreich. Nicht lange, allerdings! Nur etwa 200 Jahre lang! Und dann kommt es dick: Sarazenen, Venezianer, Franken, Korsaren Türken....kriegslüstern ist und bleibt die Menschheit seit ihren Anfängen bis auf den heutigen Tag. Auch die französische Revolutionsregierung legte ihre Hand auf dieses Land! Für eine kurze Zeit gehörte es sogar zu den napoleonischen Provinzen. Doch dann, nach dem Wiener Kongress, gerieten die Kroaten unter die befriedende Donau-Monarchie, die ihre zahlreichen Völker viele Jahre lang unter ihrem kommoden Wiener Schutzmantel beherbergte......Dem noch im 19. Jahrhundert aufkommenden slawischen Nationalismus konnten sie sich allerdings auch nicht entziehen.....Nach dem ersten Weltkrieg, also nach dem Zusammenbruch des Wiener Kaiserreichs, entsteht erneut ein Königreich mit diktatorischen Strukturen. Es heißt jetzt Jugoslawien (= Südslawien), denn zu ihm gehören auch Serbien und Slowenien. Doch der König, nämlich Alexander, wird 1934 in Marseille ermordet. Wie es dann weiter ging, haben viele von uns noch erlebt: Krieg, Partisanenkrieg, Errichtung eines blockfreien Kommunismus, der den Menschen in diesem Land mehr Freiheiten zugestand als es im gesamten übrigen Ostblock üblich war, dem Geschick Titos, eines Kroaten übrigens, geschuldet. Oder sagt man nicht besser „gedankt“? |
| Seit Einführung des EURO ist auch in diesem Land diese Währung geläufig. In der Regel wird sie ohne weiteres akzeptiert. Bei einem Einkauf und im Restaurant erhält der Tourist das Wechselgeld ebenfalls in harter europäischer Währung zurück (Kleingeld inklusive). Jedoch: es gibt Situationen, in denen man unbedingt auf die kroatische Kuna zurück greifen muss: im öffentlichen Bus, z.B., beim Erwerb von Eintrittskarten in ein Museum, und auch anlässlich einer Cappuccino-Pause auf einer Insel mussten wir diese Erfahrung machen (dieser ist hier so hervorragend wie jenseits der Adria). Aus diesem Grunde war am ersten Tag unserer Reise der Erwerb von Kuna das Wichtigste, denn um das Juwel der mittelalterlichen Altstadt des ehemaligen „Ragusa“ zu erreichen, war die Benutzung des Autobusses unabdingbar. Die Wechselstube in Hafennähe hatte trotz anderslautenden Anschlags an seiner Türe noch geschlossen. Eine Kiosk-Besitzerin half aus.... |
| Palmen und Zypressen, Lorbeer, Akazien, Gummibäume, Pinien...vornehme Villen in vornehmen Gärten und herrliche Ausblicke auf das Meer gleiten an uns vorbei....und dann – nach Überquerung einer Zugbrücke - durchschreiten wir das riesige gotische Pile-Tor, dessen Bogen eine Statue des Hl. Blasius, des Schutzpatrons der Stadt, schmückt, der die Bewohner vor ca. 1000 Jahren vor einem Angriff der Venezianer bewahrt haben soll. Betritt man nun die berühmte mittelalterliche Altstadt, so verschlägt es einem den Atem! Sogleich fühlt man sich in das goldene Zeitalter der Renaissance zurück versetzt. Dubrovnik wird zurecht als eine „Stadt aus Stein und Licht“ beschrieben! Stundenlang wird man sich an ihr ergötzen.....und immer nur staunen. (Seit 1991 gehört diese Stadt zum Weltkulturerbe. Dennoch wurde sie, wie wir wissen, im letzten Balkankrieg durch die jugoslawische Armee stark beschossen. Und hie und da sind auch noch Spuren – Einschüsse – aus diesem Krieg an Fassaden alter Paläste sichtbar. Doch es sind zum Glück nur sehr wenige, denn die Stadt, wieder aufgebaut, zeigt sich wieder in altem Glanz). |
| Hier ist nicht der Platz, die Schönheit dieser „Perle der Adria“, zu schildern, welche, eingehegt in eine grimmige Festung, über das Meer blickt und sich zugleich vor ihm schützt, während sie sich – ebenfalls schutzsuchend – an die hellgrauen, kalksteinhaltigen, zum Teil bebuschten doch eher kahlen Felsen lehnt, ......ebenso wenig, wie die zahlreichen Kunstwerke in Kirchen, Klöstern und Palästen zu beschreiben sind, die ich auch gar nicht alle gesehen habe. |
| Das karstige Grau des Dinarischen Gebirges, das uns die gesamte Reise begleiten wird, da wir ja an ihm entlang schippern, bildet vor dieser Schönheit einen geradezu erhabenen Kontrast zu dem südlichen blauen Himmel. |
| Eine Gesangsprobe einer kleinen Gruppe von vier jungen Männern in der Kathedrale, welche a cappella Lieder aus der Renaissance, dem Barock und uns unbekannte (Kirchen-?) Lieder zu Gehör bringt und schließlich bei einem amerikanischen Schlager aus den 40igern im echtem Mississippi-Sound landet, „macht uns so richtig an“! |
| Die Kroaten, die sich als östlichstes Bollwerk der abendländischen Kultur verstehen, hängen bekanntlich dem römisch-katholischen Glauben an und benutzen das lateinische Alphabet. Doch leben noch zahlreiche Serben in diesem Staat, und so treffen wir bei unseren Spaziergängen auf dieser Reise immer wieder auf orthodoxe Kirchen mit ihren goldenen Ikonostasen und natürlich auch auf die kyrillische Schrift. So auch hier in Dubrovnik. Verständlich, dass ein Stadtrundgang längst nicht genügt. Bei unserem 2. Stadtspaziergang erklimmen wir auch die 2 Km langen Festungsmauern, welche die Stadt vollständig einschließen. Der Rundgang auf der Stadtmauer, für den man zwei Stunden veranschlagen sollte, ( eine Stunde ist Minimum!) will man ihn so richtig genießen, erfordert durch reichlich Treppen rauf und runter ein bisschen Sportgeist, weitgehend intakte Kniegelenke und „schlummernde“ Bandscheiben. Die Ausblicke in die umschlossene Stadt (man sieht auf diese Weise noch dieses und jenes durch den Krieg zerstörte Haus), auf den alten Hafen und auf das Meer sind atemberaubend. Man späht in eingehegte Gärten, in denen Oleander, Bougainvilla, Rosen, Zitrus- Feigen- und Granatapfelbäume gedeihen, blickt auf anmutige Dachgärten, in denen sich die Menschen gegen die starke Sommersonne durch schattenspendende Pergeln (Pergola) aus Kletterpflanzen schützen, wirft hin und wieder einen Blick in schlampige Höfe oder – leider – auf kleine Trümmerhaufen aus dem letzten Krieg. Kleine Gärtchen, kleine Lädchen, auch diese oder jene Jausenstation auf der Mauer, sofern sie durch diese und jene Ausweitung auf ein an sie bündig anschließendes Dach Platz bietet, sorgen für eine zusätzliche recht gemütliche Abwechslung. Manchmal wird der Weg, insbesondere wenn Stufen zu überwinden sind, sehr eng, und manchmal erinnern alte Kanonen, die ihre Rohre durch Schießscharten gesteckt haben, an so manche brenzlige Situation in – ach so ferner – Vergangenheit. |
| Im Mittelalter hatte sich Dubrovnik zu einem unabhängigen Stadtstaat entwickelt, dessen Handelsflotte es durchaus mit der Venedigs aufnehmen konnte. Zu jener Zeit hieß die reiche kleine Republik Ragusa (nach Rausa, dem Namen einer kleinen Insel, auf der die erste Siedlung entstanden war). Bemerkenswert: 1416 schaffte Ragusa als erster Stadtstaat Europas die Sklaverei ab! Gleichzeitig wurde der Sklavenhandel gesetzlich verboten. Leider wurden 1667 die Stadt und ihr Reichtum durch ein Erdebeben zerstört – ihr goldenes Zeitalter war endgültig vorbei! Oder doch nicht? Touristen haben längst diese Perle der Adria entdeckt, und der EURO wie auch die EU, der das Land sicher in absehbarer Zeit beitreten wird, werden – hoffentlich – wieder für gute Zeiten sorgen. |
| Die langgestreckte Insel Mjet, unweit von Dubrovnik gelegen und eine der gut 1200 Inseln Kroatiens, ist unser nächstes Ziel. Überhaupt die zahlreichen Inseln! Nicht alle sind von Menschen bewohnt. Wie wir erfahren besitzt das Land die meisten Inseln in Europa außer(oder im Verein mit?) Norwegen, dessen Inseln sicher auch ihre Schönheit haben, wahrscheinlich aber, ihres rauen Klimas wegen, nicht so attraktiv sind. Hier, in dieser Gegend, sollen sich im Sommer hin und wieder auch Delphine tummeln! Mjet wurde bereits in Homers Odyssee erwähnt: es sollte sich um die Insel der Kalypso handeln. Spätestens ab hier wissen wir es ganz genau: unser Kapitän ist verliebt! |
| Kalypso (Verbergerin) also nahm den schiffbrüchigen Odysseus auf und versprach ihm Unsterblichkeit, wenn er bei ihr bliebe. Er hielt es aber nur sieben Jahre bei ihr aus! Was unseren Kapitän, Herrn Ivic Davelic anbetrifft, so hoffen wir, dass seine Liebe zu seiner Kalypso ein bisschen länger anhält. Die junge blonde Dame hatte er in Dubrovnik, seiner Heimatstadt, mit an Bord genommen. Auf der Insel Mljet besitzt der Kapitän ein Haus, und dort wird wohl seine Kalypso (wir wünschen es ihm!) immer auf ihn warten, hoffend, dass er gelegentlich vorbei kommt! |
| Zunächst werden wir aber alle ausgetendert. Denn das Schiff kann nur auf Reede ankern. Wir quetschen uns mit Hilfe von freundlichen und hilfsbereiten philippinischen Matrosen in das Beiboot und schaukeln heftig in Richtung Insel. Dabei schaut jeder fasziniert durch das kleine Bugfenster auf kräftige Philippino-Waden, die aus hohen Schnürstiefeln emporwachsen und vom Fensterrahmen sozusagen eingefasst werden. Es erinnert mich dieses wie jedes weitere Mal an ein surrealistisches Gemälde. Der den Waden zugehörige Matrose thront außen auf dem Boot, während ein Offizier dieses im hinteren Bereich von einem Hochsitz aus steuert. |
| Was nämlich die Crew anbetrifft, so sind der Kapitän und seine Offiziere zwar Einheimische, also Kroaten, alle übrigen – man kann sagen durch die Bank – Philippinos. Und alle Philippinos sind durchweg freundlich, liebenswürdig und liebenswert. Schnell sind die Ausnahmen aufgezählt: die Chefin der Kabinenstewards ist groß, langarmig, langbeinig, langhaarig, ebenfalls liebenswürdig, hilfsbereit und tiefschwarz. Ihre Haut glänzt geradezu wie blank poliertes Ebenholz. Zumindest ihre Vorfahren entstammen also dem schwarzen Kontinent. Dafür ist der Koch wiederum ein Mitteleuropäer deutschsprachiger Provenienz, und durch ihn lernten wir den „nackten Apfelstrudel“ kennen! Was das kroatische Offizierskorps anbetrifft, so sah sich der Kapitän späterhin gezwungen, einen Straf-Austausch vorzunehmen, als nämlich unter der Führung einer dieser Herren das Tenderboot die heilige brandneue Belle de l’Adriatique schrammte, sodass einer der philippinischen Matrosen den entstandenen Schönheitsfehler mittels Farbe und Pinsel wieder ausbessern musste! |
| Auf Mljet machen wir einen ausgedehnten Spaziergang auf einem Waldweg oberhalb des Meerufers und lernen neben anderen auch eine hustende Katze kennen. Den dort beheimateten Nationalpark besuchen wir nicht. Er hatte ohnehin geschlossen. Das im 12. Jahrhundert bestehende berühmte Benediktinerkloster, das einst unter der Herrschaft der Stadtrepublik Ragusa in Blüte stand, wurde 1809 aufgelöst. Erst 1998 wurde es wieder an das Bistum Dubrovnik restituiert Bis heute ist man allerdings noch auf der Suche nach Benediktinern...... |
| Hier auf Mjlet wird mir durch Gespräche und Anzeigen von kleinen Hotels und Pensionen klar, wie viele Touristen Dalmatien auch aus sportlichen Motiven besuchen. Nicht nur Segeln, auch Wandern und Bergsteigen scheint in diesem Landstrich beliebt zu sein. Doch zurück zur Antike: Anfang des 18. Jahrhunderts kam die Theorie auf, dass es sich bei der Insel, vor welcher der hl. Paulus Schiffbruch erlitt, nicht um Malta, sondern um das damals gleichnamige Mljet gehandelt habe. So weit ich mich allerdings erinnere besteht Malta darauf, damals den bis heute so berühmten und spektakulären Schiffbrüchigen aufgenommen zu haben! Ihn gibt sie nicht wieder her! |
| Der Überlieferung nach wurde die Stadt Korcula auf der gleichnamigen Insel im 12. Jahrhundert v. Chr. von den Trojanern gegründet, doch es waren die Griechen, welche die Insel Korcula besiedelten und sie wegen ihrer dunkelgrünen Wälder Korkyra Melaina (=schwarzes Korcula) nannten. Die pittoreske, bezaubernde Stadt Korcula, ein dichtes Knäuel aus schmalen Gassen, bemerkenswerten alten Kirchen und roten Dächern, über denen sich die Rundtürme der Festungsmauern erheben, liegt auf einer Landzunge am Ostende der Insel. Die honigfarbenen Bauten leuchten zur Mittagszeit blendend weiß und in der Abendsonne rotgolden. Der weiße Stein, seit der Römerzeit berühmt, stammt übrigens von der Nachbarinsel Vrnika, die einst auch das Baumaterial für die berühmte Hagia Sophia im heutigen Istanbul lieferte! Über den sehr engen ansteigenden Gassen Korculas schaukelt die frisch gewaschene Wäsche, so, wie ich es in meiner Jugend in Süditalien erstmals gesehen habe. Ein Meisterwerk der auch hier beachtenswerten Architekturen ist der Markusdom, der im 15. Jahrhundert begonnen wurde. 150 Jahre gingen bis zu seiner Fertigstellung in’s Land. Zu seinen kostbaren Kunstwerken zählt ein Altarbild aus der Werkstatt Tintorettos. Marco Polo soll in Korcula das Licht der Welt erblickt haben! Er selbst allerdings gibt in seinem Buch „Il Milione“ Venedig an, was natürlich weit mehr her macht. Handfeste Beweise für seine „dalmatinische Herkunft“ gibt es nicht. |
| Die Moreska (=„Maurentanz“,) vielleicht von den Mauren Südspaniens stammend, vielleicht auch von den Kreuzfahrern nach Europa gebracht, ist ein Tanz, der von Südspanien über Süditalien nach Dubrovnik bis nach Korcula gelangte und dort bis auf den heutigen Tag jeweils in den Sommermonaten aufgeführt wird. Dereinst war er im gesamten Mittelmeerraum bekannt. Die bedeutendste Darstellung von Moriskentänzern hinterließ bekanntlich Erasmus Grasser mit seinen Schnitzfiguren, die im Münchner Stadtmuseum zu besichtigen und zu bewundern sind. Die bedeutendste Darstellung einer getanzten kriegerischen Auseinandersetzung um eine geraubte Harems-Prinzessin hingegen kann man auf der Insel Korcula in dem Innenhof des Revelin-Festungsturms im Rahmen einer abendlichen Vorführung genießen. Es ist ein spektakuläres mit Musik untermaltes Ritterspiel. Die Gegenspieler, Mauren und Türken, sind in herrliche rote und schwarze Gewänder gekleidet. Auf den Kopfbedeckungen der beiden rivalisierenden Prinzen beeindrucken mich die in Reihen angeordneten sechseckigen länglichen Spiegel! Die sieben Kämpfe, welche die Anhänger der Prinzen – und diese selbst mitten drin – ausfechten, erfordern mit Sicherheit ein langes sportliches Training, abgesehen davon, dass sie auch recht gefährlich aussehen. Sie bringen die Kämpfer jeweils so sehr aus der Puste, dass sie nach jedem Gefecht mehrere Runden mit geschulterten Säbeln brav hintereinander im Kreis „trotten“ müssen, um überhaupt wieder zu Atem zu kommen. Wie gesagt: ein spektakuläres Event in phantastischen Gewändern! |
| Während des abendlichen Spaziergangs auf der dem Meer zugewandten Promenade fällt mir erstmals die Windwüchsigkeit der sie einsäumenden Bäume auf. Von schief nach schräg, gedreht oder gar kurz über dem Erdboden eine Strecke weit in die Waagerechte kriechend, bevor sich Geäst und Krone in die Höhe strecken: Es ist, als habe die Windsbraut ihre Freude daran gehabt, diese Geschöpfe der Natur zu so bizarren Formen zurecht zu pusten! Immer wieder werde ich diese Beobachtung während dieser Reise machen. Kokett und wetterwendisch ist sie, Zephyrs Schwester! Bläst sie von Süd/Südost, so nennt sie sich Jugo, ist angefüllt mit Feuchte und verheißt feuchtes, zumeist regnerisches Wetter. Sie wird dem Mistral verglichen. Als kühlere aus Norden kommende Bora ist sie trocken und bringt die Sonne mit in diese zauberhaften Gefilde mit seinem lieblichen und bekömmlichen Klima.....Und als Bora haben auch wir sie kennen gelernt und uns auf Deck von ihr bei Windstärke 5-6 durchwehen lassen! |
| Auf der Fahrt nach Norden ist es an der Zeit, die international gesetzlich vorgeschriebene Seerettungsübung durchzuführen. Denn nun befinden wir uns, wenn auch in Küstennähe, sozusagen „auf hoher See!“ Und das bedeutet auch, dass auf Befehl von Kapitän Davelic die Schotten dicht gemacht werden. Von den meisten Passagieren übersehen gelang es mir, in einem Eckchen den Aufzug zu entdecken, was uns aber auf See gar nichts nützt, denn unsere überraschend geräumige Kabine auf Deck 1, welche eher einem mittleren Hotelzimmer als einer Schiffskabine gleicht mit ihren nebeneinander stehenden hochbeinigen Betten (worunter die Koffer bequem zu verstauen sind), ihrem ausreichendem Schrankraum, dem Spiegeltischchen und dem praktischem Badezimmer, und in welche zu meiner Freude durch große in der Höhe angebrachte Luken das morgendliche Tageslicht hereindämmert, dieses unser Domizil also liegt gerade hinter einer solchen Sperre! Dazu ist anzumerken, dass sich alle Treppen platzsparend relativ eng zu den einzelnen Decks wendeln, wir also nicht nur an Land sondern auch zu Schiff, dabei ständig Höhenunterschiede überwindend, „laufend“ zu Fuß unterwegs sind! |
| Sibenik, unweit der Mündung des Flusses Krka in die Adria an einer Lagune gelegen, erreichen wir nach Durchschiffung des dem Hl. Anton geweihten Kanals. Die Stadt erlebte – natürlich – ihre Blüte unter der Herrschaft der Venezianer, die diese ab 1416 übernahmen. Dank ihrer gewaltigen Festungsmauern hielt sie den türkischen Angriffen stand, und diese dominiert noch heute das Gewirr der Häuser der Gassen der Altstadt und die Bucht. An dem Bau der ursprünglich dem Hl. Michael geweihten Festung (heute: St.- Anna-Festung) soll damals wegen der akuten Türkengefahr die gesamte Bevölkerung mitgewirkt haben. Sibenik gehört ebenfalls zum Weltkulturerbe. Dennoch hat auch hier insbesondere die berühmte St.-Jakobs-Kathedrale, deren Bau 1431 begann und deren Bauzeit 100 Jahre betrug, im Krieg 1991-95 einigen Schaden genommen. Inzwischen ist sie wieder restauriert und erstrahlt, auch dank Laser-Technik, in ihrer ganzen Pracht. |
| Sibenik, im 15. und 16. Jahrhundert als Zentrum kroatischer Kultur und Gelehrsamkeit bekannt, ist voller alter Kirchen! Und sie sind bemerkenswert! Zumeist aus jenem bereits erwähnten grau-weißen Stein aufgeführt leuchten die ein- oder zweitürmigen Gotteshäuser geradezu unter der südlichen Sonne! Dabei vermitteln sie durchaus den Eindruck von Trutz und Abwehr! Und wen sollte das auch wundern, bedenkt man die Geschichte, die Geschichten, die sich an dieser Küste abgespielt haben! Ihre Fassaden sind meistens glatt und werden über einer mehr oder (eher) weniger aufwendigen Triumphpforte in der Höhe von einer mehr oder weniger groben Rosette aufgelockert. Auch die Türme – sie können spitz zulaufend aber auch behelmt oder gar abgeschnitten sein – wirken wehrhaft und sind erst bei den aufwendigeren, „schickeren“ Kathedralen und Domen gegliedert und durchbrochen. Mich haben diese sehr sehenswerten alten Kirchen hin und wieder an die sakralen Bauwerke in Südwest-Europa, insbesondere in Spanien, erinnert. |
| Immer wieder findet man in diesen venezianisch geprägten Städtchen neben Kirchen und Palästen „florentinische Loggien“, den obligaten Uhrturm und – natürlich – den venezianischen Löwen, der, meist grimmigen Blicks, symbolisch seine Pranke auf die Stadt und ihren Umkreis legt. Was mich nebenher ungeheuer beeindruckt hat, war die so verschiedenartige, blankgeputzte, elegante, zum Teil dekorative Bepflasterung der Gassen, Plätze und Promenaden. Gerade auf letzteren konnte man sich fast darin spiegeln! Und wenn ich blankgeputzt sage, so meine ich damit auch die verblüffende Sauberkeit dieser Städtchen. Kein Fitzelchen liegt auf dem Boden, nicht das kleinste achtlos Weggeworfene! Zwischen Blumentöpfen und im günstigen Falle von der Pflasterung eingefassten Bäumen fragt man sich, wo die ebenfalls sauberen und keineswegs räudigen Katzen, die in den Gassen herumspazieren, ihr Geschäft verrichten....Es ist einfach überall pieksauber! Und:......Man sieht so gut wie nie einen Polizisten! |
| Auch in Sibeniks Altstadt, sind die Gassen eng und bergig, wie sollte es auch anders sein! Und sie sind niemals schnurgerade! Der Grund: Die erwähnte stürmische Windsbraut soll (und wird) sich darin verfangen, damit ihr die Puste ausgeht! |
| Wir beteiligen uns an dem Ausflug zu den Krka-Wasserfällen, einem wunderschönen Nationalpark, in dem wir auch einen ausgedehnten Spaziergang machen (bergauf, bergab, natürlich! Warum auch nicht?) Von ihrer Quelle bis zu ihrer Mündung in die Adria ergießt sich die Krka in mehreren spektakulären Fällen und Stromschnellen. Auf einer Strecke von über 70 Kilometern wirft sich der Fluss über 7 Wasserfälle in die Tiefe.(Und schon vor der Mündung mischt sich das Süßwasser mit dem Salzwasser. Die Salzwasserfische halten sich in diesem Gebiet in der Tiefe auf, da das Salzwasser schwerer ist. Die Süßwasserfische haben ihr Habitat über ihnen) Kein Wunder, dass bei dieser Wasserkraft auch noch eine alte Mühle und weitere kleine Häuschen zu besichtigen sind, in denen einst Familien lebten (zu ach so ganz anderen Bedingungen als heutzutage!) und handwerkerten! Der Star ist Gaby, eine wohlgenährte rundliche Eselin mit einem glänzenden Fell, und außerdem schmusebedürftig. Ich nehme an, diese Diva soll ihre zahlreichen Vorgänger in ach wie vielen Generationen versinnbildlichen! Wer denkt wohl daran, dass die unzähligen Esel in jenen vergangenen Zeiten zu schwerer Arbeit herangezogen wurden und daher eher mager und wohl auch störrischer waren, als die verwöhnte Gaby! |
| Während unserer Wanderung im Nationalpark erfahren wir, dass hier über 800 Pflanzenarten, davon 10 Endeme, gedeihen, darunter Feigen, Pinien, Bambus und auch eine Dattelart. Das wächst und wuchert um mich herum, während wir bergauf-bergab / treppauf – treppab stapfen und auf kleinen schwankenden Holzbrückchen kleine Bäche überqueren, dabei immer wieder innehaltend, um die über hohe natürliche Stufen herabrauschende Wasserfälle zu betrachten. Ich komme mir hin und wieder vor wie in den Tropen! In diesem Nationalpark leben u. a. Wolf, Wildschwein, zwei Sorten Fledermäuse, die Wildkatze, und – sehr selten zwar – halten sich hier auch Bären auf. Schlangen? Aber ja! Zum Beispiel die giftige Nashornviper und einige weitere ungiftige Schlangen. Und es gibt eine endemische Fischart. Wir erreichen den „Kaiserblick“, eine ganz und gar unkaiserliche kleine halbe Einfriedung aus Holz, von dem aus man einen ganz besonders schönen Blick auf die Wasserfälle hat. Von hier aus hat einst auch Kaiser Franz-Josef dieses wunderbare Naturschauspiel betrachtet. Und gut 100 Jahre später war der heutige Nationalpark auch ein Drehort für die Winnetou-Filme. |
| Trogir, auf einer kleinen durch Brücken mit dem Festland verbundenen Insel gelegen und bereits im dritten Jahrhundert v. Chr. als griechische Siedlung Tragurion bekannt, hat mir ausnehmend gut gefallen! Nach wirren Zeiten geriet auch dieses Städtchen im 15. Jahrhundert unter venezianische Herrschaft – es teilte, wie sich denken lässt, das bereits geschilderte politische Schicksal der übrigen dalmatinischen Städte. |
| Zunächst werden wir mit dem Tenderboot an Land gesetzt. Die durchaus elegante Promenade mit den italienisch anmutenden Häuserfassaden erinnert mich ein wenig an die Riviera. Einen halben Tag lang schlendern wir in dem zauberhaften Städtchen umher – über Treppen, durch verwinkelte Gassen und Laubengänge, bewundern die Laurentius-Kathedrale, eines der bedeutendsten Bauwerke der Romanik: alles in allem ein reines Vergnügen! Einst nahm ein Fregattenkapitän aus Trogir an der berühmten Schlacht von Lepanto teil und erbeutete einen bemalten hölzernen Hahn von einem türkischen Schiff, der im Innern des Cipiko-Palastes gezeigt wird. Wir nehmen schließlich auf der Promenade, wie jeden Tag kurz vor high noon, unseren Capuccino, denn auf dem Schiff wird nach dem Mittagessen kein Kaffee serviert. Wir jedoch, einerseits leicht angemüdet, jedoch voller Tatendurst, möchten einer Verdauungsmüdigkeit mit dieser wohlschmeckenden Droge zuvorkommen! |
| Hier gilt es anzumerken, dass sich der Nordmensch in diesem von der Natur geschaffenen Landstrich (und der vom Menschen seit Urzeiten gestalteten Kultur-Landschaft), in welcher das karstige Küsten-Gebirge mit dem Meer eine so glückliche Verbindung einging, in der südslawischen mediterranen Lebensweise wohl fühlt. Sie ist vielleicht zurückhaltender, nicht ganz so quirlig, so laut, so überschwänglich (und manchmal ein wenig schmuddelig) wie jenseits der Adria, doch tummelt sich auch hier in den kleinen und größeren Städtchen das Leben auf den Strassen und Plätzchen, und die vielen Strassen-Cafés und Strassen-Restaurants allerorten sind stets gut besetzt. |
| Split! |
| Auch Split war ursprünglich eine griechische Kolonie an der Adria: Aspalathos! Die Keimzelle des heutigen Split aber ist der Diokletian-Palast!!! |
| Diocles, der spätere römische Kaiser Diokletian, war ein Dalmatiner. Als Sohn eines Notars konnte er lesen und schreiben, nicht gerade üblich zu jener Zeit – genau so unüblich übrigens, wie ein biblisches Alter von 70 Jahren zu erreichen, wie es dem gebildeten Kaiser vergönnt war. Um 300 n.Chr. ließ er seinen Altersitz in seiner dalmatinischen Heimat errichten. Fünf Jahre später dankte er ab und lebte fortan in diesem Prachtbau (eher einer kleinen Stadt), von dem er tatsächlich auch etwas hatte! In jenen alten Zeiten aber auch bis auf den heutigen Tag ist diese Gnade durchaus nicht jedem Ruheständler vergönnt! Split ist wahrscheinlich die einzige Stadt auf der Welt, die um einen Alterssitz herum entstand! |
| Heute ist die Altstadt von Split dem Diokletians-Palast gleichzusetzen. Beeindruckend ist das Peristyl, ein auf drei Seiten von riesigen korinthischen Säulen umgebener Innenhof, der seine ursprüngliche Funktion als Festplatz und Treffpunkt beibehalten hat und heute einen schönen Rahmen für Theater und Konzerte bietet. Das Äußere der Kathedrale des Hl. Domnius hat sich seit der Zeit, als dieser Bau die letzte Ruhestätte des einstigen Christenverfolgers (!) beherbergte, kaum verändert! Eine schwarze Sphinx wacht vor dem Eingang zu dem achteckigen, von 24 Säulen umstandenen Bauwerk. Der ehemalige Jupitertempel wurde von den Christen zur Taufkapelle umfunktioniert, doch eine schwarze Sphinx hält auch hier Wacht! Noch ist der Kaiser präsent – auf eine Weise, von der er wahrscheinlich nicht geträumt hat, als er sich hier niederließ. Es ist jedoch eine beglückende! |
| Die alten Gassen gehören noch zum ehemaligen Palast-Areal. Elegant und weitaus neueren Datums ist die breite Promenade am Hafen, auf deren großen, hellen, rechteckigen, aneinandergefügten und glatt geschliffenen Steinen man sich fast spiegeln kann! |
| Hvar wird als die schönste Insel Dalmatiens bezeichnet, heimst sie doch über das Jahr den meisten Sonnenschein von ganz Kroatien ein! Bereits in der Frühgeschichte war sie besiedelt, wie Funde bemalter Keramik aus jener Zeit bezeugen. Das malerische Städtchen Hvar, ein Juwel, hat inmitten üppiger subtropischer Flora ebenfalls seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt. Uns bleibt ausreichend Zeit, auf einem ausgedehnten Spaziergang diese glänzende Perle der Adria so recht zu genießen. |
| Eine eher „graue Perle“, zumindest „in Grau gefasst“ ist die Insel Vis, das am weitesten vom Festland entfernte Eiland, das wir besuchen. Auf unserem Spaziergang kommt mir vor, als höre ich hier so ganz andere Vogelstimmen als in meiner Heimat. Wahrscheinlich ist mir diese akustische ornithologische Variante bisher noch nicht aufgefallen. Eine zutrauliche Retriever-Hündin lockt uns in den Innenhof eines alten, nicht gerade auf dem letzten restaurativen Stand befindlichen „Palastes“. Von ihm aus erlaubt uns eine geöffnete Tür einen Blick in eine Küche, in der es palast-unähnlich aussieht wie bei Hempels unter’m Sofa! Wir werden freundlich hereingebeten. Von der Gastgeberin war zu erfahren, dass einst während des 2. Weltkrieges der Kroate Josip Broz, der sich später Tito nannte, auf dieser Insel in einer Höhle sein Hauptquartier aufgeschlagen haben soll, um von hier aus den Partisanenkrieg zu organisieren.(?) Mir kommt das „Partisanen-Hauptquartier“ etwas weit vom Schuss vor! Dass er aber die wilden Südslawen schlussendlich alle unter einen Hut gebracht hat, grenzt an ein Wunder! Selbstverständlich ist unsere Dame noch heute eine glühende Anhängerin des verstorbenen Marschalls – wie sicher sehr viele Menschen hier auf dem Balkan. Unbedingt wollte sie uns das „berühmteste Lokal von ganz Dalmatien“ zeigen, welches von ihrem Sohn geführt werde (ausgerechnet hier!) – doch es war, zu unserem Glück, geschlossen und weit und breit kein Inhaber auffindbar! |
| Von nun an geht es schnurstracks nach Süden. An Dubrovnik vorbei schippernd erreicht die „Schöne der Adria“ die paradiesische Bucht von Kotor! Hier befinden wir uns bereits in Montenegro, dem jüngsten souveränen Staat der Welt mit seiner nahezu unbekannten Hauptstadt Podgorica, deren Namen man sich ohnehin nicht merkt. Was allerdings unvergesslich bleibt, das ist der unbeschreibliche Anblick, welcher sich bei der Einfahrt in diese atemberaubende nahezu kreisrunde Bucht – ein idealer Naturhafen – eröffnet! Die kalkgrauen Berge sind hier deutlich höher und umschließen sie nahezu hermetisch, so dass sie in meinen Augen einem riesigen erloschenen, nunmehr einem mit Wasser vollgelaufenen Vulkan-Krater ähnelt. Die Zypressen haben sich weit in die Felsen hinauf gewagt! Überhaupt erscheint mir der Pflanzenbewuchs des karstigen Gebirges hier im Süden ausgedehnter, als auf der nördlichen Strecke unserer Reise, Bäume eingeschlossen. Auf Höhe der engsten Stelle der Einfahrt – sie ist hier nur 30 m breit und 60 m tief, befindet sich das sog. Frauendorf. Es liegt im Schatten. Die Matrosen pflegten hier regelmäßig anzulegen und mit den Frauen ein paar Stunden zu verbringen! Auffallend ist, dass einige Kirchen auf einer Anhöhe liegen: Wie wir erfahren, sollen sie im Sinne von „Wehrkirchen“ insbesondere als Beobachtungsposten gedient haben, um das Nahen von Feinden rechtzeitig zu bemerken. |
| Inmitten der Bucht liegen zwei kleine Inselchen nebeneinander: Die Steininsel, auch „Lady on the Rock“ genannt, ist eine nur aus Steinen bestehende künstliche Insel, bestehend aus einer Kirche mit daran angebautem Wohnhaus, einem kleineren separat stehenden Haus und einem kleinwinzigen Hafen, in dem gerade mal ein Boot „einfahren“ und anlegen kann. Die ganze Insel „St. Giorgio“ ist nicht einmal so groß wie ein Fußballfeld. Fast unmittelbar daneben liegt ein etwas größeres, begrüntes Eiland mit einer Kirche und einigen Bäumen. Ein Friedhof vielleicht? Es ist nicht genau auszumachen. St. Giorgio wird von Nonnen bewohnt, doch zu sehen bekommen wir weder auf der Hinfahrt noch auf der Rückfahrt eine dieser ehrwürdigen Frauen, obgleich Kapitän Davelic sein Schiff die beiden Eilande mehrmals sehr, sehr langsam umrunden lässt, damit wir alle diese Einmaligkeit dieser beiden insulären Winzlinge ausgiebig betrachten können. |
| Und unvergesslich wird mir die Altstadt von Kotor bleiben, jenes montenegrinischen Städtchens, welches gegenüber der Einfahrt am Ende der Bucht liegt, auch sie eines der best erhaltenen urbanen mittelalterlichen Ensembles im Mittelmeerraum! Die asymmetrische Struktur der engen Straßen und Plätze weist zahlreiche wertvolle Denkmäler der mittelalterlichen Architektur auf, was auch dazu beigetragen hat, dass Kotor in die UNESCO-Liste „gefährdete Natur- und Weltkulturerbe der Welt“ eingetragen ist. Kurz zuvor allerdings wurde die Stadt durch zwei Erdbeben stark beschädigt (1979), was zur Aufnahme in dieser Liste führte. Wir befinden uns tatsächlich in einem Erdbebengebiet. Bis 1989 konnte Vieles mit internationaler Hilfe wieder aufgebaut werden. Oberhalb der Stadt hat sich das beachtenswerte Fortifikationssystem mit einer meerseits gelegenen 4,5 km langen, 20 hohen und 15 m breiten Mauer erhalten. Seit illyrischen Zeiten war Kotor offensichtlich ein begehrenswertes Objekt! |
| Den für mich so überraschenden Charme des Städtchens vermag ich gar nicht zu schildern!!! Wer erwartet schon ein solches Kleinod in einem so abgelegenen Winkel Europas? Als repräsentativstes Denkmal romanischer Architektur stellt sich die dem Hl. Triphon geweihte Kathedrale dar. Daneben gibt es noch eine ganze Anzahl von Kirchen und Palästen. Jahrhunderte lang wurden letztere, zumeist aus dem 15. bis 17. Jahrhundert stammend, von den Adelsfamilien bewohnt. Überall sieht man die typischen venezianischen Dächer, die Wäsche hängt auch hier zum Trocknen an Leinen, die in den oberen Stockwerken quer über die Gassen gespannt sind. Man entdeckt kleine Patios, erfreut sich an üppig blühenden Blumentöpfen, an wild wuchernden sich platzheischend ausbreitenden hohen Gummibäumen, an Orangen- und Zitronenbäumen, an Palmen und Lorbeer, Auch Kotor ist keine „tote, abgelegene Stadt“! Nachdem sie einen großen Torbogen passiert haben, zeigt sie sich den Besuchern als eine selbstbewusste, lebensfrohe, pieksaubere und keineswegs museale Urbanität. Übrigens erspähe ich hier den ersten und einzigen Polizisten! |
| Nach dem Untergang Venedigs (1797) geriet auch Kotor unter österreichische Herrschaft, und die Habsburger fügten sogleich den Titel „Herr von Cattaro“ ihren zahlreichen übrigen Titeln hinzu. Sie bauten den Hafen zum Stützpunkt für ihre Kriegsmarine aus, und Kriegshafen blieb Kotor auch in jugoslawischer Zeit. |
| Neben den römisch-katholischen Gotteshäusern betreten wir auch eine große orthodoxe Kirche. Überhaupt fallen allenthalben auch kyrillische Buchstaben auf, und tatsächlich gilt in diesem Land sowohl die lateinische wie die kyrillische Schrift, denn 32% der Bevölkerung sind Serben, die bekanntermaßen dem orthodoxen Ritus anhängen. Daneben leben in diesem Land 17% Bosnier sowie andere slawische Muslime und Albaner. Eine Moschee habe ich allerdings nicht entdeckt. Hingegen die ersten Zigeuner! Als Amtssprache fungiert montenegrinisch, doch neben ihr gilt in voller Gleichberechtigung serbisch, albanisch, bosnisch und kroatisch. Bei der Sprachbegabung der Slawen eher selbstverständlich! |
| 1999 wurde – man mag’s nicht glauben – die Deutsche Mark als montenegrinische Währung eingeführt. Und seit 2002 – man halte sich fest – gilt der EURO als Landeswährung, aus welchen währungstechnischen Gründen auch immer. Der Einsatz von Altbundeskanzler Schröder soll die Einführung dieser Währungsmaßnahmen möglich gemacht haben, so hören wir. In Brüssel sei man nicht durchgehend davon begeistert, wie sich denken lässt! Erst 2005 gab das Land erstmals seit 1913 wieder eigene Briefmarken heraus! 2006 votierten 55,5% der Wahlberechtigten für eine endgültige Loslösung von Serbien. |
| Zurück in Dubrovnik heißt es Abschied nehmen. Es scheint, als wolle sich (uns zum Trost?) der Himmel zuziehen, als werde sich das Wetter eintrüben. Ich hoffe sehr, dass der Wettergott den französischen Schiffspassagieren, die nach uns die „Perlen der Adria“ an der dalmatinischen Küste genießen möchten, ebenso gnädig gestimmt sein wird, wie er es uns gegenüber war. Was uns persönlich anbetrifft, so haben wir schon wieder die streikenden Lokführer im Kreuz! Würden wir in Frankfurt unseren Zug nach München erwischen? |
| Wir erwischten ihn....nach einem Dauerlauf durch die unendliche, unübersichtliche Weite des Frankfurter Flughafens, auch mit Hilfe einiger hilfsbereiter Engel und einer dieses Mal erhofften(!) und zum Glück auch eingetroffenen Verspätung des ICE um einige Minuten! |
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Perlen der Adria
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