DONAU SO BRAUN von D.A.B.


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Europa-Karte

                                               
 
 

                

 

 

                                                                                                          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
     
 

 
DONAU SO BRAUN  

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Europa - Donau so braun  (c) von A. Beck

Donau so braun  
 

Auf der schönen braunen Donau und ein Koffer voller Balkan – oder: Auf den Spuren vom ehemaligen osmanischen Großreich über die Donau-Monarchie, den Kommunismus und die Revolution zur Europäischen Union ..............
Eine Schiffsreise im August 2006
© Anneliese Beck o.G.
Nirgends ist die Donau blau! Nur im Wiener Walzer! Sonst ist sie immer und überall braun, denn ihre Farbe hängt ab von der Farbe ihrer zahlreichen großen und kleinen Nebenflüsse, und die wiederum wird bestimmt von den Sedimenten, die diese mit sich führen. Blau ist bestenfalls der Inn, wenngleich der eher zum Grün tendiert – hin und wieder – der Fluss also, welcher, von seinem Ursprung in den Alpen nach Norden/Nordosten fließend, in Passau in den größten, in den berühmtesten, in den geschichtsträchtigsten aller europäischen Ströme einmündet. 
2200 km ist die Mutter Donau lang, - nur die Wolga ist länger - und sie hat zwischen Passau, wo wir uns einschiffen, bis hin zu dem riesigen Delta, in welches sie ausläuft, um sich dann in das schwarze Meer zu verströmen, den unglaublich klingenden Höhenunterschied von 300 m zu bewältigen. Allein bis Budapest beträgt er 200 Höhenmeter! Um diesen Fluss, der ein breiter, behäbiger Strom werden wird, schiffbar zu machen, wurden daher eine ganze Reihe von Schleusen gebaut, große, imposante, und kleinere, jeweils dann auch mit Kammern verschiedener Größe, in denen ein oder bis zu vier Schiffen gleichzeitig gehoben oder – wie in unserem Falle – gesenkt werden können. Dabei wird im Nachbarland Österreich die Schleuse Jochenstein, in der wir als erste absinken, auch zur Energiegewinnung genützt. 30% des österreichischen Energieverbrauches kann nämlich von der Wasserkraft der Donau geliefert werden. Bei „denen daheim“ scheint man für so viel Energie gar nicht genug Verwendung zu finden, denn sogar nach Deutschland verscherbeln unsere alpenländischen Freunde ihre sog. „saubere Energie“! Sechs weitere Schleusen werden wir allein in Österreich zu passieren haben – ich habe sie zumeist verschlafen.....
Unser Schiff, die MS Dnepr, ist ein eher kleines doch ausgesprochen gemütliches Schiff. Kein Chichi, kein Muschibu, kein Tingeltangel, kein Ringelpietz! Dafür, der durchschnittlichen europäischen Alterspyramide entsprechend, ruhige Gäste, zumeist im Ruhestands-Alter, die, wie man weiß, Kreuzfahrten immer mehr bevorzugen, und gegen die auch die „Dnepr-Band“ bei allem hervorgekramten, zusammengescharrten Temperament nichts auszurichten vermag. Dagegen wirkt der quirlige „Kreuzfahrt-Direktor“ Herr Funke, der sich bescheiden Reiseleiter nennt, - ein Mindestens-Mittvierziger – in seinem türkisfarbenen „Phönix-Outfit“ (Reiseunternehmen) geradezu wie ein Jugendlicher, der geduldig und wahrscheinlich auch aus Erfahrung sicherheitshalber alles drei- bis fünfmal erklärt, damit auch jeder die Wichtigkeiten mitkriegt! (Auch – ich denke ich höre nicht recht!!! – vor allzu vielen Landausflügen in der zu erwartenden Hitze warnt, damit man sich nicht übernehme sondern sich tunlichst auch ein wenig Erholung gönne!!! Ich nehme an, er hat entsprechende Erfahrungen gesammelt!) Die MS Dnepr wurde schon 1936 in Österreich gebaut. Obgleich sie natürlich immer wieder aufgepoppt und aufgeputzt wurde, hat sie ihren alten Stil bewahrt. Unsere Kabine, im unteren Deck gelegen, befindet sich zur Hälfte unter der Wasserlinie und lässt das Tageslicht durch zwei oben eingelassene Bullaugen herein. Bei der knalligen Hitze, die wir noch erleben werden, erweist sich diese Lage als ein ungemeiner Vorteil! Unsere Schlafstatt ist nämlich deutlich kühler als diejenigen auf den höher gelegenen Decks, auf welche die südliche Sonne tagsüber mit voller Wucht brennt und sie so gehörig aufheizt. Abgesehen davon vermittelt das gleichmäßige Gurgeln und Plätschern der „Donauwellen“ zu unseren Köpfen während der nächtlichen Fahrten ein heimeliges Gefühl kuscheliger einschläfernder Gemütlichkeit. Überflüssig zu erwähnen, dass uns unser Kojen-Kabäuschen durch eine gut zu regulierende Klima-Anlage hin und wieder beim Betreten wie ein Eiskeller vorkam. Alles in allem: ich fand die MS Dnepr sehr bequem. Gesteuert wurde sie von einer höflich-freundlichen ukrainischen Mannschaft unter einem ukrainischen Kapitän. Gepflegt und gehändelt wurde sie ebenfalls von ukrainischem, sehr liebenswürdigem Personal, wobei der rumänischen Küchenchefin an dieser Stelle ein ganz besonderes Lob ob ihrer exzellenten und phantasievollen Kochkunst zu zollen ist, unter der man nicht „zulegen“ musste! (Wie sonst auf Kreuzfahrten üblich!). Bei Tisch freunden wir uns mit dem liebenwürdigen Ehepaar Lammers aus Hamburg an, die diese Reise, ebenso wie wir und oft mit uns zusammen, so recht genießen.
In vielen Kurven schippern wir nach der Einschiffung durch eine idyllische Landschaft die Donau hinunter. Noch am selben Abend passieren wir Linz, denn am folgenden Tag geht es hinein in die Wachau. Dort befinden wir uns bereits in Niederösterreich, dem größten Bundesland unseres alpenländischen EU-Nachbarn, dessen attraktivster Ort, nämlich Dürnstein, seine zweitkleinste Stadt ist. Die Wachau ist ein großes Obstgebiet, weshalb man sie auch Mostland nennt. Da hier jede Menge Mirabellenbäume gepflegt werden, könnte man sie auch mit Fug und Recht „Marillen-Schnaps-Land“ nennen. Auf ihrem Lösboden gedeihen außerdem am besten Weißweine. Am „Roten“ experimentiert man noch, aber es ist noch nichts so Rechtes daraus geworden. Wir hingegen unternehmen einen Ausflug in die berühmte Benediktinerabtei Göttweig, (so berühmt wie das Stift Melk, das auf der Reise flussabwärts nicht besucht wird) die, auf einem Felsen am rechten Donau-Ufer gelegen, neben einer Bibliothek von 140 000 Bänden auch die zweitgrößte graphische Sammlung Österreichs nach der Wiener Albertina ihr Eigen nennt.
  
Die Gründung der Abtei geht auf den ewig andauernden Investiturstreit im Mittelalter zwischen Kaiser und Papst, in diesem speziellen Falle zwischen dem Papst Gregor VII und Kaiser Heinrich IV zurück, dem Kaiser, der, von besagtem Papst ob seiner Widerspenstigkeit exkommuniziert, sich ihm schlussendlich 1077 in Canossa zu Füssen warf und klein beigab, (wobei er dennoch etwas für sich und das Reich herausschlug). Bischof Altmann, der auf Seiten des Kaisers stand, musste aufgrund seiner misslichen Parteizugehörigkeit Passau verlassen und gründete die Abtei. 1094 übergab Bischof Ulrich I von Passau den Benediktinern die Anlage. Sie leben noch heute dort in klösterlicher Gemeinschaft. 1718 brannte das Kloster bis auf die selbstverständlich aus Stein erbaute kleine Kirche vollständig nieder. Es ist davon auszugehen, dass die übrigen Gebäude weitgehend aus Holz errichtet waren, deshalb loderten und brannten sie wohl auch wie Zunder, was zu jenen Zeiten keine Seltenheit war. Der berühmte Architekt Lukas von Hildebrand aus Wien erhielt den Auftrag, Göttweig wieder neu aufzubauen, angeblich, weil er Erfahrung im Festungsbauwesen hatte. Berühmt ist er allerdings heute als Barock-Baumeister. Wie auch für Klosterneuburg war der Escorial Vorbild für die neue, prächtige Anlage auf dem Donaufelsen. Vor allem die Kaiserstiege gilt als eine Hauptattraktion barocker Architektur. Napoleon, der – rückblickend - überall dort aufzutauchen beliebte, „wo etwas los war“, ist sie schändlicherweise hinaufgeritten! Im dritten Reich wurden die Mönche enteignet, und aus dem Kloster wurde eine NAPOLA. Dann kamen die Russen und fanden es hier auch recht hübsch und gemütlich, zumal sich der Weinkeller als noch gut gefüllt bot! Das änderte sich allerdings während ihres Aufenthaltes, denn die Russen haben nun einmal eine wackere Beziehung zum Alkohol. Es geschah wohl unter seinem Einfluss, wenn die rote Besatzungsarmee im Kaisersaal Schießübungen veranstaltete. Die slawisch-militärische Idylle über der Donau fand jäh ein Ende, als die altmodische Wasserversorgung ausfiel und die Pferde nicht mehr getränkt werden konnten. Heute präsentiert sich Göttweig – neben der eindrucksvollen Basilika natürlich - als ein prachtvolles Ensemble barocker Baulichkeiten. Der berühmte Barockmaler Paul Troger war hier tätig und hat auf einem seiner Deckengemälde kurioserweise Kaiser Karl VI, den Vater Maria Theresias, als Apoll dargestellt! Eine Einmaligkeit in der Kunstgeschichte!
Stein, Und, Krems: drei Orte auf dem linken Donau-Ufer in der Wachau, die ineinander übergehen und dennoch von einander getrennt sind. In Stein hat der berühmte Maler Johann Martin Schmidt, der „Kremser Schmidt“ seine Werkstatt gehabt. Der Ort „Und“ besteht allerdings lediglich aus einem Kloster. Das Wachau-Städtchen Krems ist angeblich als eine weltweit führende Denkmal-Stadt anerkannt. Bevor man die Altstadt durch das Stadttor betritt, liest man an letzterem die berühmten Buchstaben: „a.e.i.o.u.“, und das bedeutet: „alle Erde ist Österreich untertan“. Na ja, das kann ja wohl nur aus jener fernen Zeit stammen, als im 16. Jahrhundert die Sonne im Habsburger Reich nicht unterging. Im 17. Jahrhundert wurde Krems jedenfalls auch von den Schweden unter ihrem General Dorstensen besucht! Das war wohl während des 30 jährigen Krieges. Heute besitzt die Stadt das größte Männergefängnis in Niederösterreich. 80% der Einsitzenden sind fremdsprachig! Es wird berichtet, dass ein Moldavier, der in der Gefängnis-Tischlerei beschäftigt war, um Haftverlängerung nachsuchte. Der Grund: im Knast hat er mehr Geld verdient, als er je daheim verdienen würde!
Doch nun zu dem berühmten Städtchen Dürnstein, der Stadt des Sängers Blondel! Doch es ist nicht nur der Sänger Blondel, welcher diesen kleinwinzigen, kuscheligen Ort über dem linken Donau-Ufer in aller Welt bekannt gemacht hat, es ist auch sein weiß-blauer Kirchturm, eine Kuriosität und daher eine Attraktion für die Photo-Freaks, und alles in allem sind es natürlich auch die heimeligen Nachkriegsfilme mit Paul Hörbiger und Co. Was den Sänger Blondel anbetrifft, so sei er lediglich eine Legende, hören wir, eine recht lebendige allerdings!
Zur Zeit der Kreuzzüge befanden sich nämlich der englische König Richard Löwenherz, wohl ein Draufgänger, und der vielleicht eher humorlose Herzog Leopold V von Österreich im hl. Land. Der Draufgänger ärgerte den Griesgram, indem er dessen Fahne an sein Pferd band und, diese im Staub hinter sich herschleifend, auf ihm davon stob, eine ungeheuerliche Kränkung! Als der englische König in seine Heimat aufbrechen wollte, hatten bereits die Herbststürme eingesetzt, sodass er, statt über das Mittelmeer nach Hause zu schippern, den Weg über Land wählen musste, und davon bekam der inzwischen schon heimgekehrte beleidigte Herzog Wind. Sofort ließ er den Befehl verbreiten, den Frechling aus dem Lande Albion fest zu nehmen, wovon der gekrönte Albione wohl auch Wind bekam! Doch es hat ihm nichts genützt. Richard Löwenherz wurde schließlich in Dürnstein festgesetzt. Niemand wusste, wo er sich aufhielt. Also zog der Minnesänger Blondel durch die Lande, schlug vor jeder Burg die Laute und sang mit lauter Stimme alle Songs, die auch der König kannte. In Dürnstein geschah dann das Wunder: aus dem Verließ hörte der Barde die zweite Strophe eines soeben geschmetterten Minneliedes, die nur dem König bekannt sein konnte! So weit die Legende. Die Geschichte berichtet, dass der hinterhältige österreichische Herzog seinen Widersacher dem Kaiser, Heinrich VI, ausgeliefert hat. Und so saß der immer-noch-nicht-Heimgekehrte später in Trifels im Schwarzwald ein. Seine Mutter, Eleonore von Aquitanien, schickte ihm dorthin einen Pelz, der bitteren Kälte wegen. Im übrigens soll das Lösegeld für diesen gekrönten verwegenen Draufgänger mehrere Tonnen Silber betragen haben....
Nachdem sich die noch immer schmale Donau durch die Wachau geschlängelt hat erreicht sie das Tullner Feld. Das Tal weitet sich zu einem breiten Becken, und es beginnt allmählich zu regnen, schließlich recht heftig zu pladdern und zu schütten. Man kann nur noch die Regenwand sehen und fürchtet fast, die ganze Donaureise könnte in schlecht-nassem Wetter absaufen. Immerhin soll, wie am folgenden Tag in einem Wiener Straßen-Kaffeehaus am Graben von einer älteren Dame zu erfahren war, das Wasser in den Gassen ihres heimatlichem 7. Bezirk 20 cm hoch gestanden und ihren hochgewachsenen Sohn bei einen Windstoß förmlich überschüttet haben. Als wir jedenfalls in Wien ankommen, ist alles vorbei, der Himmel hatte aufgeklart und wir machen nur 4 U-Bahnhaltestellen vom Steffl entfernt in der Nähe einer Brücke fest. Ach Wien! Diese Brücke ist vor gar nicht so langer Zeit eines Sonntags morgens tatsächlich von selbst eingestürzt! Zum Glück befand sich auf ihr nur ein leeres Taxi, und dem Fahrer ist zum Glück auch nichts ernsthaftes passiert. Und weil wir nun schon bei derlei mysteriösen, undurchschaubaren Begebenheiten sind: Auch die alte Müllverbrennungsanlage ist vor einigen Jahren ganz von selbst (?) verbrannt! Bei dem Bau einer neuen Anlage sollte der berühmte Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser die äußere Gestaltung, das Design also, übernehmen. Und was tat dieser selbstbewusste fortschrittliche Oeko-Freak? Er verlangte doch glatt die Installation der modernsten Filteranlage, zu der sich die Stadt der hohen Kosten wegen so gar nicht entschließen konnte, was den unbequemen, militanten, doch „leider“ so berühmten Künstler bewog, die Auseinandersetzung mit den Stadtoberen in die Presse, sprich in die Öffentlichkeit zu tragen. Er bekam schließlich seine Filteranlage, die in seine spektakuläre weithin sichtbare Kuppel eingebaut wurde, und Wien bekam die schönste Müllverbrennungsanlage der Welt!
15. August! Maria Himmelfahrt! Mit beeidruckendem Pomp zelebriert Kardinal Schönborn das Hochamt, und jede Menge Weihrauch weht durch den herrlichen Stephans-Dom, den wir später ausführlich besichtigen und auf uns wirken lassen werden. Während der Domchor mit seiner herrlichen Musik in die hohen gotischen Gewölbe jubelt denke ich daran, dass nach jüngsten Untersuchungen der Feinstaubgehalt in den Kirchen anlässlich solcher herausragender Feierlichkeiten die gesetzlich festgelegten Grenzwerte bei weitem übersteigt! 
Von Wien bis einschließlich Budapest sind wir nur mit den Habsburgern beschäftigt, und hier natürlich im Besonderen mit der kapriziösen, eitlen, stets auf ihre gertenschlanke Figur bedachten, dennoch ständig quengelnden, unglücklichen und meist flüchtigen Kaiserin Sisi. Besichtigung der Räume der Hofburg also, wo sich die Magersüchtige, die es angeblich bis zum Hungerödem gebracht hat, (eine Krankheit, die wir aus dem Lagerleben in den üblen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kennen) in ihren  Räumen an am Türstock befestigten Ringen durch konsequentes Training ertüchtigte, es also bezüglich ihres sportlichen Trainings-Ehrgeizes mit dem eines jeden Sportlers unserer Tage aufnehmen konnte. Als sie so langsam in die Welke kam, ließ sie sich, konsequent wie sie war, nicht mehr fotografieren. Da ich selbst längst in der Welke bin, kann ich es ihr nachfühlen!
Nicht zu vergessen die Kapuzinergruft mit dem überwältigenden barocken Grabmahl von Mária-Theresia, Königin von Österreich-Ungarn, und ihrem Gemahl, Kaiser Franz Stephan, ihrem Franzl. Denn genau genommen war Maria Theresia nur die Gemahlin des Kaisers, wenngleich wir immer von Kaiserin Maria Theresia sprechen, denn  s i e  hat regiert, hat sozusagen das Szepter geschwungen und nebenbei 16 Kinder geboren. Der römische Kaiser deutscher Nation aber war ihr Ehemann, Franz Stephan von Lothringen, und in dem Job hatte er wohl nicht so viel zu tun wie seine Frau in dem ihren! Schon ab Pressburg werden wir immer von Mária Theresia hören, denn die Slawen betonen das erste a in ihrem Namen und wir Deutschsprachigen das i.
Doch zurück zu Sisi. Während der regelmäßigen wöchentlichen Pflege ihrer überwältigenden, fersenlangen Haarfülle, welche stets einen ganzen Tag in Anspruch nahm - allein wegen dieser außerordentlichen Haarpracht galt die Kaiserin (trotz schlechter Zähne) als die schönste Frau Europas – lernte sie mit der gleichen Disziplin die Sprachen ihrer „Untertanen“, insbesondere Ungarisch – ein besonders kniffliges Idiom – und war, mochte sie als Ehefrau sein wie sie wollte, in der Auseinandersetzung mit den Ungarn ihrem Ehemann, dem Kaiser eine große Hilfe. Der hatte, jung und unerfahren wie er war, nach seinem Regierungsantritt 1848/49 erst einmal eine Reihe aufmüpfiger Magyaren hinrichten lassen, unter ihnen den Fürsten Batthyány, (dessen Sohn später der Kaiserin geradezu zu Füssen lag). Österreich war nämlich seit Jahrhunderten auch Erbe der ungarischen Königskrone, und alle Habsburger waren daher gleichzeitig Könige von Ungarn und wurden  a u c h  in Ungarn gekrönt. Unter Kaiser Franz Joseph war Ungarn nach den erwähnten Auseinandersetzungen vom „Untertan“ durch Vermittlung der Kaiserin Sisi, die – wie wir wissen – ein Ungarn-Fan war, zum Mitherrscher im Habsburger Reich avanciert. Schlüsselfigur war der bis dato im Pariser Exil lebende Magyar Andrassy, der spätere Außenminister der Habsburger Donau-Monarchie, von dem böse Zungen behaupten, er sei der Liebhaber der Kaiserin gewesen. Auch sei er der Vater ihrer jüngsten, ihrer Lieblingstochter Maria Valeria (dem Ungarn-Kind). Die ernsthaften Historiker bezweifeln das. Nebenbei: das „Ungarnkind“, das auf Schloss Buda (auf der „Burg“ zu Buda) zur Welt kam, hasste zeitlebens Ungarn und die ungarische Sprache! (welche die Erzherzogin Valeria natürlich beherrschte), genau so wie ihre Großmutter, die Kaiserin-Mutter Sophie, eine bayrische Prinzessin, die natürlich kein Wort ungarisch konnte. So weit zu Ungarn. Später werden wir der Kaiserin dort wieder begegnen.
Abendliches Konzert im Palais Auersperg, in welchem Mitglieder des Residenzorchesters unter ihrem hinreißenden Konzertmeister Stücke von Mozart und Johann Strauss darbieten. Besagter Konzertmeister heißt mit Vornamen Arpad, und das besagt schon alles! Johann Strauss persönlich könnte auf der Bühne stehen, obgleich ich den Verdacht habe, das Temperament dieses Ungarn hätte das seine durchaus noch übertreffen können. Ein konzertanter Csárdás wird mir unvergesslich sein. Ein Sänger und eine Sängerin treten zwischendurch ebenfalls auf, wie auch ein junges Ballettpaar – für mehr Künstler reicht die Größe des Podiums in diesem festlichen Raum eines ehemals privaten Palais nicht aus.
Einst behauptete Fürst Metternich, der Matador des Wiener Kongresses und der Restauration: „Gleich hinter meinem Garten fängt der Balkan an!“ Und da ist etwas dran.
Als nämlich im Jahre 1806 das Römische Reich deutscher Nation unter Mitwirkung Napoleons zu Ende ging, befanden sich in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn die Angehörigen deutscher Nationalität in der Minderheit gegenüber der großen Anzahl der  Multi-Kultis in der Tschechoslowakei, Südpolens und eines Teils der Nord-Ukraine, den zahlreichen verschiedenen Nationalitäten der in der Monarchie zusammengefassten Balkanländer und den norditalienischen Ethnien! Die „Deutschen“ beschränkten sich im wesentlichen auf die der Monarchie zugehörigen Alpenländer und die angrenzenden Gebiete des Donautals zwischen Passau und Wien, auf Böhmen, auf die „Donauschwaben“ und andere Einsprengsel vor Generationen angesiedelter deutscher Einwanderer. Die Donau-Monarchie war zu einer Monarchie mit einem „Wust von Balkan“, zu einer Monarchie voller Multi-Nationalitäten, Multi-Ethnien geworden, die zudem oft noch „durcheinander“ siedelten und sich auch ehelich/nichtehelich verbanden. Das Gesicht Österreichs wandte sich nach Osten und nach Südosten, und der Kaiser blieb Kaiser, aber nunmehr „nur“ Kaiser von Österreich.
Ein kleiner Ausflug in die Geschichte, des besseren Verständnisses wegen: 1815 wurde auf dem Wiener Kongress der Zusammenschluss der deutschen Staaten beschlossen und so der „Deutsche Bund“ gegründet. Österreich und Preußen, die beiden bestimmenden Mächte dieses Bundes, gehörten ihm zu den Gebietsanteilen an, die bis zum Jahre 1806 zum Reich gehört hatten. Die nichtdeutschen Gebiete Österreichs waren daher selbstverständlich ausgeschlossen. In der Bundesversammlung zu Frankfurt/Main führte Österreich als Präsidialmacht den Vorsitz. In den Jahren 1848/49, in den Revolutionsjahren also, trat die Bundesversammlung ihre Befugnisse an den Reichsverweser, an den bis in die heutigen Tage  populären Erzherzog Johann ab. Populär – und tüchtig - war der Erzherzog schon zu Lebzeiten, auch – aber nicht nur! – wegen seiner unstandesgemäßen Ehe mit der bürgerlichen Anna Plochl, einer Postmeisterstochter aus Aussee, eine Verbindung, die romantischen Stoff genug für eine Nachkriegsverfilmung lieferte und somit geradezu auf der Strasse lag, als man sich in den schlechten Zeiten „in der guten alten Zeit“ im Kintop erholte! Zusammen mit dem berühmten Erzherzog-Johann-Jodler: („wo i geh’ und steh’, tuat mir dös Herz so weh...)“ sorgte der Film somit für die Popularität des habsburgischen Reichsverwesers bis hinein in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nebenbei: Die geliebte Anna Plochl wurde zur Gräfin von Meran erhoben, und noch heute lebt eine Gräfin von Meran auf Schloss Schenna oberhalb der bezaubernden Südtiroler Stadt an der Passer.
Der Deutsche Bund zerbrach 1866 (österreichisch-preußischer Krieg). Österreich drehte sein Antlitz noch weiter nach Osten und Südosten und hatte jede Menge Balkan am Hals.    
Denken wir Westeuropäer an Balkan, dann denken wir als erstes an eine Region in Südost-Europa. Und eigentlich denken wir sogar weniger an diese geographische Region als eher an die nationale Vielfalt der sie besiedelnden Menschen, an ihre verschiedenen Kulturen und  Lebensarten, ihrer Sprachen und Dialekte und – was ich so bewundere – an ihre Sprachbegabung! Wir denken an die hin- und mitreißende Musik der Balkanvölker, an ihre außerordentliche Musikalität, die genetisch sicherlich auch mit ihrer Sprachvirtuosität verknüpft ist, und wir denken an ihre Künstler. Wir denken an ihre Geschichte, womit wir ganz schnell bei den Türkenkriegen wären, die sich über Jahrhunderte hinzogen, an die teilweise Okkupation dieser Länder durch die Osmanen und an deren muslimische Kultur, die sie in diese von ihnen eroberten Länder gebracht haben (ich persönlich denke mit größter Dankbarkeit an den Kaffee, der anlässlich der Belagerung von Wien durch den Großwesir Kara Mustapha Ende des 17.Jahrhunderts auf uns kam) und wir denken – wir müssen es zugeben - an Gemauschel und Schlamperei, an Brutalität, Blutrache und Kopftücher, und.... wir denken an die Donaumonarchie, die diese Völker bis in das 20. Jahrhundert hinein zusammen hielt. Wir denken daran, wie der Kommunismus diese Länder nach dem zweiten Weltkrieg eisern umklammerte, bis sich die Völker nach dessen Zusammenbruch in den grausamen Kriegen der 90iger Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder aus der Umklammerung lösten und wie die Stäbchen eines Mikado-Spieles auseinander fielen, und wie sie nun alle ohne Ausnahme auf die Aufnahme in die EU hoffen. (Slowenien und Ungarn – zählt man letzteres Nachbarland Österreichs unbekümmert ebenso zum Balkan - sind dieser Sprung in die Gemeinschaft bereits gelungen)  D o c h: der Balkan ist  auch  ein Gebirge, was die wenigsten wissen. Ich muss zugeben: Ich wusste es auch nicht.
Auf der Reise durch die Länder, die wir auf unserer Flussreise bis zum Donau-Delta berühren, seien es jene, die einst zur Doppel-Monarchie gehört haben, wie die Slowakei, wie Ungarn oder Kroatien, seien es jene, die eigenständige Königreiche waren, wie Serbien, Bulgarien oder Rumänien, hören wir stets folgende, sich wie in einer Litanei wiederholende Zeiteinteilungen:
1.      in der türkischen Zeit
2.      in der monarchischen Zeit
3.      in der kommunistischen Zeit
4.      in der Zeit nach der Revolution
Eigentlich nie hören wir etwas aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, so, als sei dieses zeitliche Einsprengsel in der Erinnerung der Menschen regelrecht verdrängt worden.
Von Wien kommend fühlt man sich in dem 60 Km entfernten Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, in eine geradezu provinzielle Kleinstadt versetzt. Von ihrer Stadtmitte aus sind es nur 6 Km bis zur österreichischen Grenze und nur 3 Km bis Ungarn. Und – kaum zu glauben – zwischen 1919 und 1939 verkehrte sogar eine Straßenbahn zwischen Wien und Pressburg – so ihr deutscher Name. Sie brauchte für die einfache Strecke jeweils 2 ½ Stunden. Die gesamte Slowakei zählt 5,3 Mill. Einwohner (davon 10% Ungarn), und die meisten von ihnen, so sagt man uns, sind mit der Abtrennung von dem heutigen Tschechien nicht einverstanden. Eine Volksbefragung wurde wohlweislich nicht abgehalten. Die Unabhängigkeit „nach der Revolution“ (s.o.) „sei eine Mauschelei von Politikern gewesen“.
Wie wir hören war Pressburg immer schon vorwiegend „deutsch“, also deutscher Kultur. Da jedoch neben den Deutschen – und einer ganzen Reihe anderer Nationalitäten -  auch Ungarn und Slowaken hier leben und „schon immer gelebt haben“, hat die Stadt drei Namen. Bis 1919 gehörte sie zu Westungarn, war also ungarisch, wobei sie bis zum Jahre 1848 auch als Hauptstadt Ungarns fungierte. Damit waren die Slowaken in ihrem eigenem Land in der Minderheit. Bis in das 17.Jahrhundert hinein stand Ungarn bekanntlich unter der türkisch-osmanischen Fuchtel. Also wurden die habsburgisch-ungarischen Könige in Pressburg gekrönt, auch Mária Theresia, denn durch die pragmatische Sanktion ihres Vaters, Kaiser Karl VI, im Jahre 1713 war die direkte Erbfolge, bis dato ausschließlich männlichen Erben vorbehalten, in den Habsburger Ländern durchgesetzt worden. Somit konnte Mária Theresia die Nachfolge ihres Vaters auf dem Thron antreten und 1722 als Königin von Ungarn gekrönt werden.
Die ansprechend restaurierte Altstadt wirkt auf mich ganz hübsch aber nicht recht bedeutend. Österreichische Architektur allenthalben, wie nicht anders zu erwarten. Hübsche Kirchen – der St. Martins Dom, vollendet im 15. Jahrhundert, eines der schönsten gotischen Bauwerke der Slowakei, in der von 1563 – 1830 19 austro-ungarische Monarchen gekrönt wurden, und dessen Kirchturm zu Verteidigungszwecken diente, oder die Jesuitenkirche (auch Salvator Kirche genannt) sowie auf dem von eher bescheidenen doch hübschen Palästen und einer Kirche eingerahmten Marktplatz Kaffeehäuser mit reichlich Tischchen und Stühlen im Freien. An eine der frei stehenden Bänke lehnt ein französischer Soldat aus napoleonischer Zeit und erinnert daran, dass le grand Empereur seine korsische Nase auch hier in die Luft gestreckt hat. (s. weiter unten) Für  erwähnenswerter halte ich allerdings, dass der berühmte Bildhauer Raffael Donner seine Werkstatt in dieser Stadt betrieb, und dass Franz List hier seine Karriere startete.
Wie in allen Städten, die wir besuchenwerden, gibt es auch hier eine Festung. Zu lange (über mehr als 2 Jahrhunderte) und in ihnen nahezu zu jeder Zeit akut war die türkische Gefahr! Bereits in der Mitte des 11. Jahrhunderts diente die Burg (Hrad) als Grenzfeste Ungarns. Von der alten Burg blieb bis heute nur der südwestliche Turm aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Sie wurde für König Ferdinand von Habsburg im Renaissancestil umgestaltet. „Kaiserin“ Mária Theresia (wie wir wissen, war sie hier Königin von Ungarn! Und nichts sonst!) ließ die Burg sodann in einen prunkvollen Königspalast umbauen, doch nach ihrem Tod verlegte ihr Sohn, Josef II den Regierungssitz wieder nach Buda (Pest). Im 19. Jahrhundert vernichtete ein Brand die Burg, und sie wurde erst 1952 wieder aufgebaut. Sehr beeindruckend fand ich diese Anlage nun nicht, doch liegt sie, wie bei Festungen üblich, auf einem Berg, und man sieht in das Donautal hinunter Richtung Österreich - und auch auf Plattenbauten, Wahrzeichen des gesamten ehemaligen Ostblocks. Im Allgemeinen wird die Stadt wieder schön restauriert. Man erblickt vornehme Villen - so manche noch heruntergekommen - in noblen Strassen. Von Alleen oder schicken Boulevards kann jedoch keine Rede sein. Alles ist übersichtlich und ein bisschen eng, doch nicht unangenehm. Zu erwähnen wäre der klassizistische Primatialpalast am gleichnamigen Platz, in dem 1805 Napoleon I und Kaiser Franz I nach der Schlacht von Austerlitz den Frieden von Pressburg unterzeichneten. Schöne, sogenannte Prachtbauten, wie die wichtigsten Theater, Museen und große Hotels, glänzen herausgeputzt in der Nähe der Donau. Nur ein kleines Stück entfernt zum Ufer hin:... ein bepflanzter Hügel aus Erde aller EU-Länder! Man ist stolz, zur EU zu gehören. Ich als EU-Bürger muss mir immer wieder in’s Gedächtnis rufen, dass ich dieses Privileg schon lange genieße (ich sehe das auch genau so) und beneide die Einwohner dieser Stadt, die durch die Bank vielsprachig sind! (Mindestens 3 Sprachen fließend!)
Und wie lebt der durchschnittliche Einwohner dieser neuen Republik? Wir vernehmen, dass 95% der Einwohner von Bratislava Besitzer von  Eigentumswohnungen sind. Eine entsprechend hohe Anzahl ist mir schon in Moskau aufgefallen. Mit anderen Worten: der Staat hat die sanierungsbedürftigen Wohnungen günstig - sprich mit günstigen Krediten -  abgegeben, und in 20 Jahren soll das so erworbene Eigentum abbezahlt sein. Alles übrige bleibt dem Eigentümer überlassen. Die Arbeitslosenrate beträgt in der Hauptstadt beneidenswerte 3%, eine Zahl, die mir auf dieser Reise immer wieder begegnet! Im ganzen Land liegt sie bei etwa 10% bei fallender Tendenz! Die Arbeitslosen haben sich jede Woche auf dem Arbeitsamt zu melden. Von gar eine (Urlaubs)-Reise-antreten ist mithin keine Rede. Voll Stolz erzählt man uns, dass sich viele westliche Investoren in dem Land angesiedelt haben (u.a. VW, Peujot). Man schimpft ein bisschen auf die Regierung und ist froh, in der „nachrevolutionären Zeit“ zu leben!
In den frühen Morgenstunden erreicht die MS Dnepr, nach dem sie nächtens im sog. Donauknie ihre Richtung geändert und ihren Bug nach Südosten ausgerichtet hat, Ungarns Hauptstadt: Budapest! Budapest, die Schöne, die Glänzende, die Geschundene, die Gedemütigte, die Strahlende und die Tapfere! Budapest, die Stadt des Aufstands gegen die kommunistische Diktatur – 1956 –  und die Stadt der Musik. Noch in kommunistischer Zeit habe ich hier die virtuoseste Zigeunermusik gehört. Man berichtete mir damals, dass diese Musik im Konservatorium neben allen anderen Fächern ebenso gepflegt und geübt wird. Budapest, eine Stadt der Künstler, der Literaten, der Wissenschaft!
Wir sind zu dieser Stunde natürlich alle an Deck und genießen das sich nähernde Weichbild der ungarischen Metropole zu beiden Seiten des Stromes, gleiten an der Margareten-Insel vorbei, auf der, wie ich weiß, die Büsten der großen Söhne der Stadt aufgestellt sind - und das sind nicht wenige - erblicken backbord voraus das berühmte Parlament, welches im Dunst auftaucht und langsam Konturen annimmt. Steuerbord voraus erscheint der Burgberg mit der Matthiaskirche, der Fischerbastei, und dahinter wird das königliche Schloss sichtbar, welches mich in seiner Bauweise an die Wiener Hofburg erinnert ( wenngleich es natürlich viel kleiner ist!). In seinem dem Fluss zugewandten Schlossgarten blickt Prinz Eugen, der edle Ritter, der Türkenbezwinger, wie ich weiß, siegreich in’s Weite.
Das alte malerische Buda! Ich kenne es von früheren Besuchen, schwelge geradezu in den Erinnerungen an ausgedehnte Spaziergänge dort oben, an die Ausblicke hinunter auf die Donau und hinüber auf Pest, die sozusagen großstädtische (und neuere) Seite der ungarischen Hauptstadt mit ihren Boulevards, ihren wunderbaren, eher doch alt-ehrwürdigen und oft restaurationsbedürftigen Bauten im eklektischen Stil, mit dem berühmten Heldenplatz, mit seinen Museen. Ich erinnere mich an den Marsch von der Burg hinunter an das rechte Donau-Ufer, den Spaziergang durch alte Gassen, wo auch ein altes türkisches Bad aus osmanischer Zeit zu finden war.
Bis 1873 waren Buda, die alte Stadt Obuda, und Pest selbständige Städte. Zusammengeschlossen wurden sie erst nach Vollendung des ersten Donauübergangs. Mittlerweile verbinden 4 Brücken die beiden Stadtteile, von denen die Kettenbrücke wohl die bekannteste und spektakulärste ist.
Die MS Dnepr ankert auf der Pester Seite kurz vor der Freiheitsbrücke, direkt gegenüber dem Gellert Berg (benannt nach dem hl. Gerhard, der hier missionarisch tätig war und 1046 durch eine aufgebrachte heidnische Menge den Berg hinunter gestürzt wurde). Vor gut 15 Jahren haben wir in dem berühmten Gellert-Hotel „gegrundelt“, denn es besaß, und besitzt es wohl auch noch heute, eine Therme. Schon die Römer haben sich in den hiesigen Thermen (z.B. auf der Margareten Insel) erholt und entspannt. Römische Ausgrabungen sind zu besichtigen. Das weit sichtbare Befreiungsdenkmal auf dem Hügel, eine 14 m hohe Frauenstatue, ist eines der wenigen Sowjetdenkmäler, das nach 1989 stehen blieb, einfach deswegen, weil es sich nicht so einfach stürzen ließ.
 
 Zu Zweit besuchen wir die berühmte riesige Markthalle, ein wirklich sehenswertes ausgedehntes Bauwerk mit reichlich Ornamentik im Jugendstil, welches 1897 eröffnet wurde, ein „Muss“ bei einem Budapest-Besuch. In 2 langgestreckten Stockwerken ist mehr oder weniger alles zu haben, was man sich in diesem Ambiente wünschen könnte, einschließlich – und vorwiegend - fleischlicher Genüsse. Es werden bemalte Eier aus Holz und eine ungarische Bluse erworben. Darauf folgt ein Bummel durch die Vaci Utca, heute Fußgängerzone, die parallel zur Donau zwischen Ketten- und Freiheitsbrücke verläuft. Zu einem ausgedehnteren Spaziergang kommt es nicht mehr – Cappuccino-Pause ist angesagt, und außerdem beginnt es, heiß zu werden. Und....wir wenden uns wieder der exzentrischen Kaiserin Elisabeth, der Sisi, zu.
Nachmittäglicher Ausflug nach Gödöllö! Hier in der Gegend bestand – und besteht -  der erste Wildpark Ungarns. Das Schloss, welches 26 Km von Budapest entfernt liegt, schenkten die Ungarn dem Kaiserpaar Franz Josef und Elisabeth zur Krönung. Wie schon berichtet, war in Ungarn eine Reformbewegung im Gange gewesen, die vom jungen Kaiser damals bekämpft wurde und zur Hinrichtung vieler Adeliger führte. Der Ausgleich mit den Ungarn war tatsächlich seiner Frau zu verdanken, und so kam es  zwar erst, doch  endlich (!) 1867 zur Krönung der beiden in der berühmten gotischen Matthias Kirche in Buda, wobei anzumerken ist, dass der Gemahlin des Königs, also Sisi, die Krone nicht, wie ihm, Franz Josef, auf das Haupt sondern auf die rechte Schulter gesetzt wurde. Ihr Krönungskleid war 60 Kg schwer. Dabei wog Elisabeth selbst nur 50 – 55 Kg. Wiederholt versicherte man uns, dass, nachdem nach all den Unruhen endlich Frieden geschlossen worden war, die Zeit der Monarchie für die Ungarn die beste Zeit gewesen sei. (Offensichtlich einschließlich bis heute???)
Schloss Gödöllö wurde zum Lieblingsschloss der Kaiserin Sisi. Fürst Grassalkowich hatte es in den Jahren 1744/45 durch den Salzburger Architekten Maierhofer errichten lassen. In dem wunderschönen Barockbau hat der Schlossherr auch Mária Theresia empfangen. Anlässlich dieses königlichen Besuches ließ er die Strassen mit Salz bestreuen, um Schnee vorzutäuschen - so berichtet man uns -  eine Geschichte, die bei heutigen Menschen wohl nur verständnisloses Kopfschütteln hervorruft. Später war Schloss Gödöllö Sommersitz der ungarischen Könige. 1919 fungierte es als Hauptquartier der ungarischen Roten Armee (Kurze Zeit der Räterepublik), und zwischen den Weltkriegen residierte hier dann der Reichsverweser Horty  ( Nikolaus  Horty von Nagybánya), ehemaliger Flügeladjutant des Kaisers und später Konteradmiral der österreichisch-ungarischen Flotte, welcher 1920 in dieses Amt gewählt worden war. Unter Vorbehalt hatte er 1944 der militärischen Besetzung durch die Deutschen zugestimmt. Sein Versuch, gleichzeitig mit den Alliierten einen Sonderfrieden auszuhandeln, scheiterte jedoch, und er wurde noch 1944 in Bayern interniert! Auch eine Kunstschule soll in Schloss Gödöllö zwischen den Kriegen vorübergehend ihre Wirkungsstätte gehabt haben. Später hausten Sowjetsoldaten in den Stallungen. Schließlich wurde aus ihm ein Altersheim. Nun ist das Schloss restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich und...... wirklich sehenswert. Mit dem Park hinter dem Schloss hapert es noch ein bisschen, aber man kann gut in ihm spazieren gehen.
Zurück zur Kaiserin. Hierher kam sie, um dem Reitsport zu frönen. Sisi  hat hier etwa 2000 mal übernachtet. Schon zu ihrer Zeit war Gödöllö mit der Eisenbahn zu erreichen, und die wurde auch von der Kaiserin oft benutzt. Wir fahren selbstverständlich mit dem Bus dorthin und ich stelle fest, dass Gödöllö in erster Linie ein kleines Städtchen ist. Die Lektüre lehrt, dass dort mehrere Betriebe der elektrotechnischen Industrie beheimatet sind. Durch einen kleinen „Vorpark“ erreicht man zu Fuß das breit hingelagerte schöne Barockschloss. Zu besichtigen sind die Räume der Kaiserin und des Kaisers, nachdem man über ein repräsentables barockes Treppenhaus in das obere Geschoss gelangt ist, wobei selbstverständlich auch die Übernachtungen der „Kaiserin“ Mária Theresia zu erwähnen sind. Die Lieblingsfarbe Elisabeths war Lila! Sie findet man, mit Gold abgesetzt, an Tapeten und Vorhängen in ihren Zimmern. Zu dieser Farbe konnte sich der Kaiser hinsichtlich der Ausstattung seiner Räumlichkeiten nicht entschließen! Unter den zahlreichen Gemälden findet sich auch eines, welches die Kaiserin mit ihrer mittlerweile erwachsenen Lieblingstochter Valeria zeigt. (Wie schon erwähnt wurde nur die junge, schöne Kaiserin fotografisch abgelichtet). Beide Damen sind auf dem Bild dunkel gekleidet. Nach dem Tod des Kronprinzen, der sich bekanntlich zusammen mit seiner jungen Geliebten Mary Vetsera in Schloss Mayerling umgebracht hat, trug die Kaiserin nur noch schwarz. Auch ihrer Lieblingshofdame (Ida?) Ferenczy begegnen wir hier. Sie ist die Großtante des berühmten Verhaltensforschers Festiczic, ehemals Professor in Göttingen (bekannt aus dem TV, wo er immer auf dem Pferd unterwegs war!) Sie hat der Kaiserin die Liebe zu Ungarn sozusagen eingeimpft.
Nachdem wir noch mit Kaffee und Sachertorte regaliert worden waren, ging es zurück in die Hauptstadt. Budapest! Die Hitze hat deutlich zugenommen, und da die Budapester am kommenden Sonntag das Stefans-Fest feiern wollen, (nicht das Fest des Hl. Stephan, des ersten Märtyrers, der in Jerusalem gesteinigt wurde, und welches an Weihnachten gefeiert wird, sondern das Fest zu Ehren des ersten ungarischen Königs, Stefans I, der die Christianisierung dieses Landes betrieb) sind alle Strassen wegen etlicher Umleitungen und Tribünen-Aufbaus heillos verstopft! Schwitzend, eine reichlich genervte Reiseleiterin im Schlepptau und verspätet kommen wir endlich an unserem Schiff an. Und nehmen noch am selben Abend Abschied von Ungarns Metropole – mit dem „Lied vom traurigen Sonntag“, einem Spielfilm, der die Stimmung in dieser kultivierten, lebenslustig-melancholischen, multikulturellen und heldenhaften Stadt (wenngleich in einer schlimmen Zeit spielend) in einfühlsamster Weise wiederzugeben vermag. Ich kannte den Streifen bereits, war jedoch von neuem von ihm regelrecht aufgewühlt. In erschreckender Weise bewahrheitete sich noch in der gleichen Woche das „Lied vom traurigen Sonntag“, denn ein Unwetter fuhr wie der Leibhaftige am folgenden Sonntag durch die ihr Fest feiernde Stadt, riss die Festaufbauten nieder und verletzte mehrere Personen, z.T. schwer. Es soll auch einen (oder mehrere?) Tote gegeben haben. Längst im tiefsten Balkan unterwegs drang das Gerücht zu uns, auch Schiffe auf der Donau sollen zusammengestoßen, wenn nicht sogar untergegangen sein......!!!!!!
Nach der Mündung der Drava südöstlich von Buda – wir befinden uns bereits auf kroatischem Gebiet – wird der Donaustrom schon recht breit und fließt bereits langsamer, um nicht zu sagen „behäbig“, dahin. Die Anzahl der Inseln in seinem Flussbett nimmt zu. Das Gebiet, das wir durchschippern, heißt Slawonien.. Im Drava-Gebiet siedelten die Donau-Schwaben, und bis zum Ende des zweiten Weltkriegs haben viele Deutsche und Ungarn hier nebeneinander gewohnt. Nachdem das Land Ende des 18. Jahrhunderts von den Türken befreit worden war, hatte Mária Theresia deutsche Siedler in diese offensichtlich menschenleere Gegend gerufen, um das Land zu bebauen und wohl auch als Verteidigung gegen die „drohenden Türken“. Man nannte die Neusiedler Schwaben, wenngleich sie größtenteils gar keine Schwaben waren und eher vom Rhein stammten. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen ihre Nachkommen, die ja deutscher Nationalität waren und auch ihre Kultur stets bewahrt hatten, in großer Anzahl als Vertriebene nach Westdeutschland, sofern sie nicht, wie ich aus erster Hand weiß, und wie es im späteren Ostblock ach so häufig vorkam, verschleppt wurden und in kommunistischen Lagern, zumeist in Sibirien, umkamen...
Die breite Donau schlingt sich – wie oberhalb von Budapest, nur gegensinnig – wiederum in einem „weichen“ Knie durch die Landschaft und schlängelt sich gemächlich in Kurven weiter nach Südosten. Unser nächster Stop ist, unweit der serbischen Grenze, die Kleinstadt Vukovar, die Geschundene! Gemarterte! 1991 wurde sie von den Serben angegriffen, nachdem sich Kroatien für selbständig erklärt hatte. Drei Monate dauerte der Beschuss, und noch heute sind die zahlreichen Wunden, welche dieser Balkankrieg zwischen Serbien und Kroatien Anfang des letzten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts hier geschlagen hat, deutlich sichtbar. Noch immer sieht man reichlich zerschossene Häuser. Die zerstörte Burg der Grafen Elz soll als Erinnerung und Mahnmal des damaligen, man möchte sagen kriegslüsternen Hasses zwischen Kroaten und Serben als Kriegsruine erhalten bleiben. Sehr langsam kehrt das Leben zurück. Der Hass bleibt. Es gibt nur wenig Industrie, und die Felder sind immer noch teilweise vermint und können nicht bestellt werden. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gegend beträgt 30%! Die Stimmung ist eine einzig traurige! Sie wird auch nicht durch die Besichtigung der Kirche – erbaut im neogotischen Stil (wir nannten das früher Nonnengotik!) - aufgehellt. Die Stadt ist stolz auf diese große Kirche. Die Kroaten sind fromme Katholiken. Es mangelt ihnen nicht an Priesternachwuchs, sodass sie im Stande sind, Seelsorger in den wohlhabenden und daher weniger frommen Westen zu exportieren, wie man weiß. Und viele Kroaten leben ohnehin im Ausland, die meisten von ihnen übrigens, (ich denke, von den USA einmal abgesehen) in Baden-Württemberg.
Ein recht zutraulicher Collie, der den kühlen Steinfußboden in der Kirche bei der Hitze zu schätzen weiß, huscht unbekümmert mit uns hinein und macht Anstalten, das Gotteshaus keinesfalls zu verlassen. Wir hören, dass er eigentlich ein Streuner ist, sich selbst durchbringt, dabei den Aufenthalt im Gotteshaus durchaus bevorzugt und um die Welt nicht davon abzubringen ist.
Ausflug nach Djakovo in das staatliche Lippizaner-Gestüt. Im Bus geht es durch eine flache Landschaft und durch zahlreiche typische lange (!) Reihendörfer: Haus an Toreinfahrt an Haus an Torreinfahrt an Haus....rechts und links schnurgerade lückenlos nebeneinander aufgereiht! Dennoch lässt sich ein ungarisches Haus durchaus von einem deutschen Haus unterscheiden, nämlich in der Anordnung der Räume zueinander, indem bei den Deutschen jeweils die Zimmer nebeneinander, bei den Ungarn  hintereinander innerhalb der Wohnhäuser liegen. Bei letzteren schließen sich unmittelbar Wirtschaftsraum, Stall und Maschinenpark an das Wohnhaus an – man lebt sozusagen von vorne nach hinten - während die letzteren bei den Deutschen vom Wohnhaus getrennt angeordnet sind. Was mich an diesen langgezogenen Dörfern fasziniert sind die Abflussgräben vor den Hauseingängen. Seit meiner Kindheit habe ich so etwas nicht mehr gesehen! Zum Teil sind diese Gräben, über die jeweils ein Steg zur Eingangstüre führt, wohl über Rohren, grasbewachsen, zum Teil sind die Wasserläufe durchaus noch offen. Wie ist uns die unterirdische, unsichtbare Kanalisation doch selbstverständlich geworden! In dieser Gegend gibt es viele Störche, überhaupt seien hier viele Vogelarten heimisch, hören wir. Doch Störche sehen wir nicht, denn die sind um diese Zeit bereits in den Süden abgereist. In dieser Gegend gibt es außerdem noch die Großfamilien, wird uns berichtet. Wenn der Sohn heiratet bringt er seine Frau mit in’s Haus, so wie es bei unseren Bauernfamilien auch üblich war. Nur scheint es hier räumlich etwas enger zu sein! Einen reichen, großräumigen Bauernhof kann ich nirgends entdecken.
Gezüchtet wurden die Lipizzaner, diese Publikumslieblinge, seit 1506, und zwar in Lipizza in Istrien (bei Triest). Im staatlichen Gestüt hier in Djakovo gibt es sie erst seit 1806, als der erste Hengst als Geschenk hier blieb. So weit ich mich erinnere hat man die Pferde in den Auseinandersetzungen mit Napoleon nach Djakovo in Sicherheit gebracht, leider habe ich das nicht mehr so genau im Kopf.
Lipizzaner sind Warmblutpferde und, wie ich zu meinem Erstaunen erfahre, eigentlich lediglich Paradepferde, die sich weder für den Sport noch für die Dressur eignen, und für die Arbeit schon gar nicht! Nur sehr begabte Tiere lassen sich soweit heranbilden, wie wir sie von den Vorführungen der spanischen Hofreitschule in Wien her kennen. Dennoch sieht jeder Bauer in dieser Gegend darauf, wenigstens einen Lipizzaner zu besitzen, sozusagen als Statussymbol, welches man vor seinen Wagen spannt und stolz und sichtbar als 1-2-4-Spänner, je nach „Reichtum“,  damit herumfährt!
4 Farben gibt es bei den Lipizzanern: weiß, schwarz, gelb und gefleckt. Doch alle Fohlen, alle ohne Ausnahme, werden – wie die Goldfische - schwarz geboren. Erst mit 7 – 8 Jahren erhält jedes Tier seine endgültige Farbe.
In diesem Gestüt werden auch Turnierpferde betreut und trainiert. Wir besuchen sie jedoch nicht und sehen sie nur von Ferne auf der Koppel.
In dem Stall, in dem die Hengste in ihren Boxen stehen, tritt der Pferdeflüsterer in unser Leben! Er fällt auf, weil er einem Tier fachmännisch das Maul „aufreißt“ und hineinschaut. Er mäkelt an der Pferdetränke herum – die Pferde werden wie in uralten Zeiten mit Eimern getränkt und können nicht saufen, wann ihnen darnach ist. Die Belüftung des Stalls passt ihm nicht, schon gar nicht bei der Hitze an diesem Tag, und noch weniger, dass die Tiere mit einem Seil festgebunden sind und sich nicht hinlegen können. So bringt er den runden, fettleibigen Pferdeknecht in’s Gedränge...Wir aber freunden uns für den Rest der Reise mit ihm und seiner eher klein geratenen rundlichen humorvollen Frau an, die nach ihren eigenen Worten von der Natur mit einer „apfelförmigen Figur“ bedacht wurde („Mer ziehet ein, was mer kennet!“) und erfahren, dass beide jahrzehntelang eine Gastwirtschaft mit Metzgerei im Württembergischen betrieben haben. Seit Jahren ist der nun im Ruhestand Lebende, der ein lustiges Haus ist, Pferdebesitzer und somit ein Kenner – im Gegensatz zu uns!
Belgrad, das Tor zum Balkan, Serbiens Hauptstadt, erreichen wir an einem Samstag. Die Metropole, an der Save gelegen, welche hier in die Donau mündet, wodurch diese nun zum breitesten Strom Europas wird, erweist sich zu meiner Überraschung als eine bemerkenswert hübsche, ja großzügige Hauptstadt. Gleich bei unserem ersten Spaziergang geraten wir - ohne es zu wissen - unweit der Festung Kalemegdan in die überwältigend schöne, reich ausgestattete und prachtvoll ausgemalte orthodoxe Patriarchatskirche (die „vornehmeren Kirchen“ in der gesamten Orthodoxie sind durchweg vollständig ausgemalt!), in die Hauptkirche ganz Serbiens mit ihrer beeindruckenden hohen und in viel Gold glänzenden Ikonostase – und in den Gottesdienst, der ja bei den Orthodoxen stundenlang  - und im Stehen! - zelebriert wird. Die Kirche entstand im 19. Jahrhundert. Zuvor war Karlowitz der Sitz des obersten Patriarchen Serbiens. Übrigens befindet sich auch die größte orthodoxe Kirche der Welt in Belgrad: die St.-Sava-Kathedrale! Das Bauwerk wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts begonnen und 1995 vollendet. Dieser Dom bietet 12 000 Gläubigen Platz (Stehend! Denn in orthodoxen Kirchen gibt es keine Stühle!)
An dieser Stelle soll wieder ein kleiner Ausflug in die Geschichte erfolgen, damit der Überblick nicht verloren geht, denn der Balkan ist und bleibt eine unübersichtliche Angelegenheit!
Im 1. Jahrhundert nach Christus eroberten bereits die Römer am Zusammenfluss von Save und Donau eine keltische Festung. Als das Reich 395 n.Chr. in Ost- und Westrom aufgeteilt wurde fiel Singidunum – so der römische Name – an Konstantinopel. Damit etablierte sich nach der Verbreitung der christlichen Glaubenslehre der byzantinisch-orthodoxe Ritus im serbischen Raum. Nach vielen Kämpfen, in denen Goten, Awaren, Hunnen, Franken, Byzantiner und Ungarn verwickelt waren, eroberte 1284 der Despot Stefan Lazarevic den Ort, und 1402 wurde Belgrad zur Hauptstadt des Königreiches Serbien.... bis, ja bis „Beli Grad“ d.i.„weiße Stadt“ 1521 in die Hände der Türken fiel. Mit Ausnahmen kurzer Perioden österreichischer Herrschaft konnten sich die Osmanen hier über 300 Jahre lang halten. Nach ihrer Vertreibung von Wien (das zu erobern sie bekanntlich nicht in der Lage waren) und aus Budapest war die Festung Kalemegdan ihr wichtigstes Bollwerk im Westen. Erst 1867 gelingt es den Serben, die Türken endgültig zu vertreiben, nachdem die Ärmsten 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje), einem Becken in der Nähe von Pristina, die Unterlegenen waren und somit ganz Serbien der osmanischen Herrschaft unterworfen wurde. Auch 1448 wurde der damalige ungarische Reichsverweser in dieser Gegend von den Türken besiegt. Darauf hin schlossen sich viele Serben dem Rückzug der Kaiserlichen an und siedelten in Südungarn. Diese geschichtlichen Ereignisse waren wohl der Zankapfel in den Balkankriegen der 90iger Jahre des 20. Jahrhundersts, denn: zum einen, so argumentieren die Serben, haben sie für’s Erste in der Schlacht auf dem Amselfeld die Türken aufgehalten, und daher ist das Amselfeld für einen jeden von ihnen so wichtig, und zum anderen (schlimmer noch?) waren muslimische Albaner (Kosovo-Albaner) nach dem Exodus der Südserben in das Amselfeldgebiet eingesickert, also in urserbisches Siedlungsgebiet, wo sie in den Augen der Serben und des Präsidenten Slobodan Milosevic nichts zu suchen hatten! Endlich habe ich es begriffen!
Auch nach der Schlacht am Kahlenberg, als sich der türkische Feldherr Kara Mustapha nach der erfolglosen Belagerung der Stadt Wien mit einer seidenen Schlinge, die ihm der Sultan für den Fall einer Niederlage mitgegeben hatte, selbst erdrosselte (oder erdrosseln ließ, s.S. 6), bzw. nach dem Frieden von Kattowitz 1690, habe es eine große Völkerwanderung von Südserbien nach Norden gegeben, hören wir.
 
Doch gehen wir wieder ein paar Dezennien zurück: Nach dem 1. Weltkrieg vereinigten sich Serbien, Kroatien und Slowenien zum Königreich Jugoslawien, d.i. Süd-Slawien, denn „Jugo“ heißt Süden. Unter dem Kroaten und Partisanen Jossip Tito wird – wie man weiß - dieses „Südslawien“ noch wesentlich erweitert, umfangreicher, und von einer etwas humaneren Spielart des Kommunismus überzogen. Was schließlich dann daraus wurde, das haben wir im letzten Jahrzehnt erlebt. Belgrad, die Schöne aber wurde unter Tito zur Hauptstadt seines „Reiches“ und ist es im jetzigen „Rest-Jugoslawien“ noch heute.
Zunächst spazieren wir zu Viert durch die Stadt und betrachten mit Muße die schönen hohen Häuser mit ihren Gründerzeit- und Jugendstilfassaden, insbesondere in der Fußgängerzone. (Ich habe den Eindruck, Fußgängerzonen gibt es inzwischen in allen Städten der Welt). Auf den breiten Boulevards, in die wir spähen, fließt nur spärlicher Verkehr – liegt es daran, dass heute Samstag ist? Auffallend sind die vielen außen unter den Fenstersimsen angebrachten Entlüftungskästen für die Klima-Anlagen, denen wir von nun an immer wieder begegnen werden. Serbien gehört eben in den Sommermonaten schon zu den „heißen“ Ländern, und auch bei unserem vormittäglichen Spaziergang wird es zunehmend heißer und wir ein bisschen träger. Die mächtige Zitadelle, die Festung Kalemegdan hoch über Donau und Save, durch die wir spazieren und unter deren schattigen Bäumen wir auch rasten, wurde von den Österreichern nach den Plänen des berühmten französischen Festungsbaumeisters Vauban (der die Festung natürlich nie gesehen hat) zu einem der mächtigsten Bollwerke Europas ausgebaut. Römische Brunnen, türkische Badehäuser, Kirchen, Wälle, Türme und Tore zeugen jedoch von der Vielzahl der Eindringlinge über die Jahrhunderte.....Von hier oben aus sieht man und ahnt es noch mehr, dass Belgrad von ausgedehnten Wäldern umgeben ist.
500 Km fließt die Donau durch Serbien. Nachmittägliche Fahrt durch die Woiwodina, dem nördlichen Teil Serbiens, welches noch zum pannonischen Becken gehört (Pannonien nannten die Römer diese ihre Provinz, die sich zwischen Ostalpen, Donau und Save erstreckte, nach den dort siedelnden Pannoniern). Aus der Zeit des ehemaligen pannonischen Meeres werden noch immer Fossilien gefunden, und es gibt hier einen Naturschutzpark.
Das südliche Serbien ist übrigens der Kossovo, eine hochgebirgige Gegend. Heute, nach dem Krieg, beträgt der Anteil der dort noch lebenden Serben an der Bevölkerung 10%.
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Die Fahrt geht zur berühmten Festung Peterwardein (Petrovaradin), donauaufwärts gelegen. An dieser Festung wurde fast 100 Jahre lang gebaut, und gegen Ende sollen täglich 60 – 90 Menschen – wohl vor Erschöpfung – gestorben sein. Im 17. – 18. Jahrhundert war diese Zitadelle die österreichische Grenzfestung gegen die osmanischen Türken. Hier erwarteten 1716 die Österreicher den aus Belgrad kommenden osmanischen Gegner. Die berühmte Schlacht, aus welcher der nicht minder berühmte Feldherr Prinz Eugen (der edle Ritter) als Sieger hervorging, dauerte 4 Stunden. 1717 konnten die Österreicher schließlich auch Belgrad einnehmen. Am Tag der Schlacht, einem Tag im August 1717, schneite es nämlich. Da dachten die Türken: Allah will nicht, dass wir bleiben und gewinnen. Zu ihrem Pech fiel auch noch der türkische Feldherr Ali Pascha! Er wurde in Belgrad beigesetzt.
Als nach dem endgültigen Sieg über die Türken unter den Habsburgern Neusiedler in das Land gerufen wurden, darunter natürlich auch viele Deutsche, (die im 20. Jahrhundert als Flüchtlinge aus der Batschka wieder zu uns in den Westen kamen) mussten sich alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum Kriegsdienst im Kampf gegen die Türken verpflichten.
Nach der Besichtigung dieser berühmten, beeindruckenden Festung besuchen wir das am gegenüberliegenden Donau-Ufer gelegene Novi Sad (Neusatz), das 1748 durch Mária Theresia zur königlichen Freistadt erhoben und schließlich, im 19. Jahrhundert, zur Hauptstadt der Batschka wurde, als nämlich die Serben 1848 ihre Autonomie erhielten. Schon die Römer hatten hier ihre stärkste  Donau-Flotte liegen. In diesen Teil des römischen Reiches hat Kaiser Marc Aurel (161-180 n.Chr.), der sich bekanntlich längere Zeit in Pannonien aufhielt, die Weinrebe gebracht. Novi Sad, die Hauptstadt der autonomen Provinz Woiwodina, liegt in der ehemaligen Kornkammer Groß-Jugoslawiens, und die Landwirtschaft ist noch immer eine der wichtigsten Wirtschaftszweige dieser Gegend, obgleich, wie uns berichtet wird, eine Tendenz zur Verstädterung besteht. - Und außerdem besteht eine Tendenz zum Bevölkerungsschwund, da der Ein-Kind-Ehe der Vorzug gegenüber der Mehr- oder gar Viel-Kinder-Ehe gegeben wird. – Wir hören, dass die Kroaten während des furchtbaren Balkankrieges des vergangenen Jahrzehnts eine Großoffensive in der pannonischen Tiefebene starteten, wohl, nachdem 200000 Serben hierher geflohen waren, dass inzwischen von den kroatisch-serbischen Flüchtlingen der älteren Generation viele wieder nach Hause zurück gekehrt, die Jüngeren hingegen geblieben seien, und dass im übrigen auch hier wieder 20 Nationen nebeneinander leben. Bei diesen hohen Zahlen nationaler Vielfalt, die uns erstmals schon in der Slowakei begegneten, kann ich mich einer gewissen Skepsis ob ihres Wahrheitsgehaltes nicht erwehren. Doch Multinationalität herrscht auf jeden Fall überall im Balkan.
Auch die Stadt Novi Sad bietet sich im typischen Baustil einer Kleinstadt der Donaumonarchie dar, ergänzt auch hier wieder durch die Entlüftungskästen der Klimaanlagen unter den Fenstersimsen. Da es hier außerdem auch Ölraffinerien gibt, wurde die Stadt im Balkankrieg durch die NATO bombardiert, auch Brücken wurden zerstört. Niemand geringerer als Albert Einstein, so hören wir zu unserer Verwunderung , habe 2 Jahre lang mit seiner Frau Milewa in Novi Sad im Hause seiner Schwiegereltern gelebt, welch letzteres uns auch gezeigt wird. Kein Palast, keine Villa natürlich! Seine beiden Söhne wurden hier geboren. Milewa war Mathematikerin und hat ihren Gatten sehr unterstützt. Bekanntlich ließ  sich Einstein später von ihr scheiden, doch das Geld, das er anlässlich der Verleihung des Nobelpreises erhielt, hat er sofort ihr und den Söhnen zugesprochen.
Die Woiwodina wird auch „heiliges Land“ genannt, da in dieser Gegend in der Zeit vom 16. bis in das 18. Jahrhundert hinein eine Reihe von Klöstern gegründet wurden. Und eines dieser Klöster werden wir besuchen.: Krischkagowa.
Auf dem Weg dorthin vernehmen wir, dass viele Serben, die in Deutschland leben, in dieser Gegend ihre Häuser gebaut haben. Doch sie würden sie gern verkaufen, da ihre Kinder mittlerweile nicht mehr zurück wollen. So ist das Land hier billig und dieser „Verkaufs-Zwang, -Wille“ öffnet Spekulanten Tür und Tor. An Ausländer darf das Land allerdings noch nicht verkauft werden. Mit großem Bedauern weist die Reiseleiterin darauf hin, dass Serbien durch den schrecklichen Krieg in den 90iger Jahren den Zugang zum Meer verloren hat. Zur Zeit „Großjugoslawiens“ – so drückt sie sich aus – als die dalmatinische Küste, nunmehr Kroatien, dem südslawischen kommunistischen Reich zugehörte, brachte der florierende Tourismus reichlich Devisen ein, deren Summe durch die Heilbäder, auf welche die Serben nun vermehrt bauen, und die sie anpreisen, bei weitem noch nicht aufgewogen wird, denke ich. Nebenbei gilt es anzumerken, dass jede Nation des ehemaligen „Groß-Jugoslawiens“ eine eigene Währung hat. Nach dem Desaster Ende des letzten Jahrhunderts, in dem sich Titos Erben einander die Giftknochen zugeworfen hatten, und nachdem mittlerweile die betroffenen Völker ihre Wunden geleckt haben und diese im Begriffe sind, langsam zu vernarben – ach, noch längst ist nicht alles verheilt! – nehmen die einzelnen Republiken in wirtschaftlicher, auch in soziologischer Hinsicht inzwischen wieder Verbindungen untereinander auf. Ich denke, es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. Zu Deutschland bestünden gute wirtschaftliche Beziehungen, hören wir. Die Jugend lernt vermehrt deutsch, denn deutsch sei in der Wirtschaft gefragt! Die erste Fremdsprache ist natürlich englisch, dann folgen als Zweitsprachen französisch, russisch und, wie gesagt, deutsch.
Unterwegs durchqueren wir auch hier wieder die schon beschriebenen Reihendörfer, wobei „durchqueren“ bei den langgezogenen Ortschaften wohl nicht gerade der geeignete Ausdruck ist. Im den Häusern schauen die Wohnzimmer immer auf die Strasse, dahinter liegen die übrigen Räume der Familie, es folgen das Vieh und schließlich die Landmaschinen – alles unter einem Dach! – noch immer ein Leben von vorne nach hinten und zurück!
Das Nonnenkloster Krischkagowa liegt versteckt, dennoch scheint es mir ein „Vorzeige-Kloster“ zu sein, denn alles ist blitzsauber und wunderbar gepflegt. Man weiß nicht, wie viele Nonnen hier leben – diese Damen sprechen nicht darüber – und wir bekommen auch keine zu Gesicht, doch die Anlage ist geräumig und es wird auch Landwirtschaft betrieben. Das Kloster ist im typischen Moronova Stil erbaut, einem Baustil, der  im 15. Jahrhundert in Serbien entstanden ist. Die ganze Anlage ist in weiß gehalten, was sich in der gleißenden Sonne ganz besonders gut macht. Verziert ist sie im braun gehaltenen Floraezza-Dekor(?). Nach der Schlacht von Peterwardein 1716 haben allerdings die Türken das Kloster niedergebrannt, sodass damit auch die im 16. Jahrhundert entstandenen Fresken zerstört wurden. Nach dem Wiederaufbau wurden die äußeren Wände wie auch das Kircheninnere mit den jetzt zu sehenden Fresken aus dem 18.Jahrhundert geschmückt.
Die Herren, die bei der Hitze nur „kurz behost“ sind, dürfen die frauenklösterliche Kirche nicht betreten. Ich habe den Eindruck, das macht den Ausgeschlossenen nicht viel aus.....
Auch die Serben wünschen sich sehnlichst den Eintritt in die EU und warten darauf, aufgenommen zu werden. Ich weiß nicht, wie vielen Kriterien sie noch nicht genügen, da ihre Nachbarn Bulgarien und Rumänien kurz vor ihrem Beitritt zur Brüsseler Gemeinde stehen. Doch ich denke, so lange der ehemalige General Ladic und der Psychiater Karaczic, die sich wohl noch, einem on dit zufolge, im Lande aufhalten, nicht ausgeliefert werden, führt auch kein Weg dort hin.
         
Am Sonntag Früh erreichen wir den Beginn der Katarakten-Strecke, eine Strecke von 130 Km, die in früheren Zeiten der Schrecken aller Schiffer war. Die Südkarpaten rücken nun immer näher an den Fluss heran, und  bei der Burgruine Golubac, die sich steuerbord nähert, und die 260 Jahre lang in türkischem Besitz war, endet nun auch das pannonische Becken! 97 km lang wird der folgende, dieser einmalige Donau-Abschnitt sein: der berühmte Donau-Durchbruch! Ihn zu sehen war für mich der Hauptanlass, diese Reise zu unternehmen. In steilen Wänden aus Kalkstein und Granit fallen die Ausläufer der in reichlich Felsspalten und Höhlen geriffelten Karpaten als nördliche Begrenzung geradezu in den Fluss,  wie sich auch auf der gegenüberliegenden Seite das Balkangebirge, ebenfalls in Hell-Dunkelgrau und in ebensolchen aufregenden Formationen, an die schnell dahinfließenden Wassermassen drängt und beiderseits die Felswände immer steiler werden. Es ist so beeindruckend, dass ich mich nicht in der Lage sehe, dieses Naturwunder zu beschreiben. Die Katarakte selbst bestehen aus drei beckenartigen Talerweiterungen und vier Engtälern. An der engsten Stelle der Schluchten des Oberen und Unteren Kazan ist der Fluss nur 150 m breit und 120 m tief!
Die Römer nannten diese Gegend, in der die Daker siedelten, Trakien. Vergeblich versuchte Kaiser Domitian den dakischen König Decebalus (86-106 n.Chr.) zu besiegen. Dies gelang erst Kaiser Trajan in 2 Kriegen in den Jahren 101 und 106 n.Chr.(dargestellt auf der Trajanssäule in Rom), worauf Dakien römische Provinz wurde. Auf einer mittlerweile reichlich verwitterten Tafel (Trajanstafel – Tabula Trajana), die der Kaiser auf dem rechten aus dem Fluss senkrecht in die Höhe ragenden Balkanfelsen anbringen ließ, ist diese Ruhmestat dokumentiert. Aber auch Decebalus ist verewigt: ein Amerika-Rumäne ließ sein übergroßes Haupt aus einem Karpatenfelsen (also linkerhand) meißeln analog zu den Präsidentenköpfen in den Rocky Mountains in den USA. (Längst verläuft die Staatsgrenze in Donaumitte, anfangs zwischen Serbien und Rumänien, dann zwischen Rumänien und Bulgarien.) Selbst hier sieht er, der König und Anführer eines wilden Volksstammes, zum Fürchten aus! Erst nach den Kriegen mit den Germanen (Ostgoten?) von 250 – 270 n.Chr., in denen sie besiegt wurden, räumten die Römer ihre Provinz Trakien.
Das „Eiserne Tor“ ist keine Enge, wie immer fälschlich angenommen wird (auch von mir), sondern ein Riff, welches die Schiffahrt auf diesem Teil der Donau vormals höchstens bei Hochwasser ermöglichte. Später wurde ein Kanal gebaut und eine kurze Eisenbahntrasse. Diese Eisenbahn musste stromaufwärts getreidelt werden! Diese „Eisenbahnzeit“ ist jetzt natürlich vorbei. Ein normaler Schienenstrang wurde in den Fels gehauen, und eine elektrisch betrieben Eisenbahn bewältigt nunmehr eine längere Strecke stromauf- und stromabwärts. Wie sich die Römer damals in diesem geradezu wilden Gelände in soldatischer Formation und überhaupt bewegt haben, ist mir ein Rätsel. Heute ist das Eiserne Tor ein Kraftwerk, erbaut in den Jahren 1974-1992, welches aus zwei doppelstufigen Schleusen besteht, in denen die Schiffe um 34 m abgesenkt werden: Nämlich in der 1. Kammer um 20 m, in der zweiten um 14 m. Wir natürlich auch! Der Rückstau der Wasser, denen bei diesem phantastischen Bauwerk 13 Dörfer zum Opfer fielen, indem sie in den Fluten versanken, reicht bis Belgrad, also 220 Km weit! Und 25 000 Menschen mussten damals umgesiedelt werden! Diese Schleuse ist die fünftgrößte der Welt!
Wir passieren linkerhand die Veterani-Höhle. Dort haben österreichische Soldaten während der Türkenkriege 2 mal über Wochen lang ausgeharrt und auf Entsatz gewartet. Beim 2. Mal haben sie sich die Achtung der Türken wegen ihrer Tapferkeit errungen.
Der Anblick der rumänischen Anlegestelle Turnu Severin ist das reinste Trauerspiel, und Ausflugsgäste berichten nur Ödes und Deprimierendes. Wir bleiben für die wenigen Stunden an Bord und relaxen.
In Vidin/Bulgarien gehen wir wieder von Bord und durchstreifen das quirlige Städtchen auf eigene Faust. Auf Anhieb sieht die Fußgängerzone ganz hübsch aus. Doch dahinter schauen darf man nicht. Was fällt auf? Natürlich gibt es auch hier wieder eine Zitadelle! Was sonst! Wir schlendern durch einen kleinen, hübschen Park, durch einen sehr an den Orient erinnernden Bazar, wo es so etwa alles gibt, was der normale, einfache Mensch zu seinem täglichen Leben braucht. Die Menschen hier? Ich erfahre, dass in den letzten Jahren 600 000 Bulgaren nach Portugal ausgewandert sind. Ansonsten: Der Zahnstatus lässt auch hier, wie in ärmeren Ländern überhaupt, immer einigermaßen tief blicken! Zigeuner und deren bettelnde Kinder fallen auf, ebenso reichlich bullig aussehende „Kerle“, pummelige Frauen, selbstbewusste junge Männer und schlanke junge Mädchen. Die Moderne ist auch hier wohl längst angekommen, und in einigen Monaten wird Bulgarien der EU beitreten.  
Rumänien! Da sind sie, die geheimnisvollen Namen, die mir seit meiner Kindheit und meinen Jugendjahren im Kopf herumspuken und mit unheimlich-unglaublichen Geschichten verknüpft sind: Im Süden, dort, wo wir uns gerade aufhalten, liegt die Walachei. Dann folgen  weiter westlich das Banat und Moldau, die Bukowina im Nordwesten, im Norden sodann Transsilvanien, wo Drakula zu Hause ist, und nach Osten zu die Dobrucza. Die Mitte des Landes aber wird von Siebenbürgen eingenommen. Alle diese Gegenden gehörten einst zu einzelnen Fürstentümern, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Königreich zusammenfanden, sodass sich das Land bis 1947 eines Königtums mit vier aufeinander folgenden Königen erfreuen durfte. König Michael II lebte ab 1947 in der Schweiz. Der alte Herr wurde aber 1002 repatriiert, was damals – ich erinnere mich – durch die Medien ging.
Natürlich haben sich schon die Römer auch in dieser Gegend mit den Dakern auseinandergesetzt, wilden grimmigen Menschen, wie wir inzwischen wissen, und bis in das 12. Jahrhundert wanderten auch Hunnen und Mongolen ein. Doch trotz allen Völkerwirrwarrs hat sich hier das lateinische Idiom erhalten, so, wie auf der iberischen Halbinsel, in Franreich und in einzelnen Alpentälern auch, und in Italien sowieso.
1921 wurde die kommunistische Partei gegründet, und der letzte Parteisekretär war Nicolaie Ceaucescu, geb. 1918. Ursprünglich war er Schuster und hatte nur 4 Klassen Volksschule (seine Frau Elena übrigens nur 3!) Bereits 1936 trat er in die kommunistische Partei ein, und 1965 wurde er zum 1. Parteisekretär gewählt. Unbedingt wollte er das Land industrialisieren, und um dies zu verwirklichen nahm er viele Auslandskredite auf, enteignete die Bauern, pferchte sie massenweise in die hässlichen, schnell zusammengeschusterten und derzeit verrottenden Plattenbauten ohne warmes Wasser und ohne Kanalisation (in diesem Land herrscht kontinentales Klima mit sehr heißen Sommern und bitterkalten Wintern!) und schickte sie in die aus dem Boden gestampften Fabriken, wo sie in staubigen Betrieben arbeiten mussten. Natürlich hatte Ceaucescu Mühe, diese Kredite zurück zu zahlen, also ließ er das Volk darben: in den 80iger Jahren wurde praktisch alles rationiert, einschl. Strom, der nur für wenige Stunden am Tag zugeteilt wurde! Außerdem durfte man in der Wohnung bei Dunkelheit nur eine 40 Watt Glühbirne brennen lassen. Es gab z. B. nur 4 Liter Milch im Monat und dergleichen mehr! Vor den Läden bildeten sich lange Schlangen, das Volk hungerte und fror, aber: er, der „Tüchtige, Erfolgreiche“ bekam die Kredite zurück gezahlt!
Ceaucescu wünschte sich viele Kinder. Also war die Abtreibung verboten. Eine Familie musste mindestens drei (gesunde) Kinder haben. Wurde ein Kind krank (behindert) geboren, wurde es den Eltern sofort genommen und in ein Waisenhaus gesteckt! Wie es dort gepflegt wurde, haben wir im Westen zu unserem Entsetzen oft genug im Fernsehen zu Gesicht bekommen, und wir erinnern uns noch gut daran! In so einer Einrichtung ist so ein armes neugeborenes Würmchen in der Regel sehr schnell gestorben. 
Jeden Abend hatten die „Untertanen“ per ordre de Mufti drei Stunden lang einer Ansprache dieses absoluten Diktators im Fernsehen zu lauschen und ihn möglichst auch noch anzuschauen! Orwell lässt grüßen! Ich habe nicht erfahren, ob es auch in den Strassen ständig plärrende Lautsprecher gab, so, wie es in China und zu Stalins Zeiten im Ostblock üblich war, doch ich nehme es an!
Kurz einige weitere Daten: 23 Mill. Einwohner leben in diesem Land, und die größte Minderheit, nämlich 2½ - 3 Millionen, sind die Roma, die man hier ungeniert Zigeuner nennen darf! Bereits im 15. Jahrhundert sind sie, aus Indien kommend, eingewandert. Schon damals waren sie diskriminiert, und sie sind es eigentlich bis heute! Jon Antonescu, autoritärer Staatsführer von 1940 bis 1944 unter den Königen Carol II und Michael II, der, da er sich mit den Deutschen verbündet hatte, schließlich vom Volksgerichtshof als Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet wurde, dieser Antonescu also hat damals Tausende von Zigeunern deportieren lassen. Wohin diese Menschen verschwunden sind, war nicht zu erfahren (!). Viele Zigeuner leben auch heute noch ohne Geburtsschein im Land, in der Regel an den Stadträndern, sofern sie sesshaft sind. Ihre Kinder gehen häufig nicht zur Schule. Wenn sie denn dennoch hingeschickt werden, erhält die Familie etwa 8 EURO pro Monat. Viele Zigeuner klauen(!), pflücken Beeren und Pilze in den Wäldern, die sie verkaufen, sie sind Besenbinder und Korbflechter, und viele sind weiterhin Nomaden und nicht gewaschen (!) – so war zu erfahren. Doch alle zusammen haben einen König, der in Hermannstadt (Siebenbürgen) lebt und wohl sehr reich ist. Es gibt auch noch die sogenannten „Seidenzigeuner“, die ebenfalls viel Geld haben.
Im Mittelalter wurden von einem der ungarischen Könige, Geza mit Namen, Ungarn in das Land gebracht, um die Grenzen gegen die Tataren und später gegen die Türken zu schützen. Ebenfalls im 12. Jahrhundert kamen aus Deutschland die „Sachsen“ und zur Zeit Mária Theresias aus Österreich die Ländler, Protestanten, die sich in ihrer Heimat unter der bigotten katholischen Herrschaft nicht mehr wohl fühlten. Vor dem 2. Weltkrieg lebten etwa 860000Deutsche in Rumänien, und deutsche Männer haben auf Seiten der Deutschen im zweiten Weltkrieg gekämpft. Von unserem ehemaligen Außenminister Hans Dietrich Gentscher erhielt der Tyrann Ceaucescu seinerzeit für jeden Deutschen, den er in den Westen ausreisen ließ, Geld! Heute leben noch etwa 20000 Deutsche in Rumänien, sie sind meist über 60 Jahre alt.
Derzeit beträgt die Arbeitslosigkeit im Lande 7%. Es werden 3% Wirtschaftswachstum angegeben und eine Inflationsrate von 8%. Der Mindestlohn beträgt 100 Euro, (das verdient angeblich auch ein Lehrer) der Durchschnittslohn 290 Euro und die Rente 50 Euro. Demzufolge boomen die Schwarzarbeit und der Exodus von Gastarbeitern in das Ausland. Denn: 1 l Benzin kostet 1 Euro, 1 l Milch 1 Euro und 1 Kg Brot 1 Euro.
Ausflug nach Bukarest, jener einstmals Schönen und nunmehr - ich muss es leider sagen - teilweise arg Verlotterten, welche in ihren besten Zeiten den stolzen Namen „Paris des Ostens“ trug. Bukarest wurde nacheinander von Türken, Russen und Österreichern beherrscht und stieg 1862 anlässlich der Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldau zur Hauptstadt des Königreichs Rumänien auf. Bereits 1918 lebten in ihr 1 Million Menschen. Schon im 19. Jahrhundert baute man um, schuf eine neue Stadt nach Pariser Muster. Im August 1944 wurde auch Bukarest Opfer von Bombardierungen durch die Achsenmächte.
Von Giorgiu aus, wo wir angelegt haben, führt die Autobahn nach Norden. Was heißt hier Autobahn! Die Strasse ist bei weitem schmäler und auch weniger befahren, als unsere breiten und dennoch ständig verstopften Verkehrs-Trassen. Abgesehen davon wird uns berichtet, dass die Autobahnen des Landes nicht zu Ende gebaut wurden und im „Nichts“ endeten, wie das Land selbst unter den Kommunisten im „Beinahe Nichts“ dahin dümpelte. Am Rande der Stadt fallen zunächst die „Zigeunerpaläste“, sodann die wirklich elenden Plattenbauten und....eine bonbon-rosafarbene Straßenbahn auf! (Diese Schock-Farbe wiederholt sich bei den Bahnen, die ich in der Innenstadt zu Gesicht bekomme, nicht mehr!) Doch das exotischste, bemerkenswerteste sind die Zigeunerpaläste! Die grauen turmartigen hohen Bauten sehr reicher Zigeuner tragen mehrere geschwungene übereinander angeordnete graue Dächer, und je mehr Dächer, desto reicher der Besitzer. Ich glaube, diese Bauten sind einzigartig in der Welt! Was die traurigen Plattenbauten angeht, so sind auch sie nach der Revolution in Eigentumswohnungen umgewandelt worden – wie eben überall im Osten – welche in 20 Jahren abbezahlt und wahrscheinlich in einem noch traurigeren Zustand sein werden!
Das ist sie also: die „berühmt-berüchtigte“ Stadt: das heruntergekommene Klein-Paris mit einer noch weitgehenden durch das Alter gewellten Steinbepflasterung im Pfauenmuster oder auch den ganz alltäglichen Kopfsteinen, die schönen, schattigen Parks und das pulsierende Leben in den Straßen, wenn diese z. T. in unseren Augen auch „katastrophal“ sind. Und: der gigantische Prunkpalast der beiden Ceaucescus natürlich: Das Parlament!
Die pompöse Zufahrt zu diesem Monumental-Bau führt zunächst über einen weiten Platz und mündet in einen überbreiten Boulevard mit kühlen modernen Bauten, welche in der hellen Vormittagssonne in den Farben sehr hellen Milchkaffees eine kalte Strenge ausstrahlen. 41(!) Springbrunnen, in gerader Linie hintereinander mittig angeordnet, erinnern an die Wasserspiele der maurischen Alhambra in Andalusien, übertreffen diese jedoch, allein schon ihrer Anzahl und der unglaublichen Menge ihrer Düsen wegen, bei weitem! Es herrscht reger Autoverkehr auf Ceaucescus Prachtmeile, die nach dem Willen des Erbauers größer, länger und  breiter als die Champs Elysées sein musste! Die Fahrt im Bus zu dem Pompbau der Ceaucescus ist geradezu atemberaubend, der Anblick desselben mit seinen ungeheuren Ausmaßen auf einem aller geläufigen Dimensionen spottenden riesigen Platz, hingelagert auf der obersten von drei Terrassen.... noch mehr!  Um Nicolaies und Elenas Bauten aufführen zu können, (selbstverständlich musste das Areal dieses Stein-Giganten repräsentativ umbaut werden), wurde ein großer Teil Alt-Bukarests abgerissen. Entworfen und ausgeführt hat den Monumentalbau übrigens eine damals 26 jährige Architektin! An Ausdehnung, auch an Gestaltung der Fassade übertrifft er wohl alles, was ich je gesehen habe (und das ist nicht wenig!) In meinen Augen sprengt die Bebauung des „Paradeplatzes“ jedes harmonische, maßvolle Zusammenspiel eines Bauensembles und damit seine Ästhetik. Ceaucescus Palast übertrifft in seinen mephistoleischen  Ausmaßen und in seiner abweisenden grau-beigen Strenge das menschliche Maß, so, als sei er nicht für die Menschen erbaut. Sind nicht in alten Zeiten Monumentalbauten nur für die Götter errichtet worden, Prozessions- und Prachtstraßen eingeschlossen? Beschreiben kann ich die Creation der jungen Architektin nicht! (Wie soll ich sie sonst nennen? Mir fehlen die Worte!) Ich kann nur staunen! Doch in meinem  Hinterkopf denke ich: Ob nicht auch Adolf Hitler - in seiner Gigantomanie - und Albert Speer Ähnliches und in dieser Größe geplant hatten? Ceaucescus Prunkbauten wirken auf mich so, als sei die Stadt wie gepanzert, oder als befände ich mich gar nicht mehr in einer irdischen Metropole, so ent- und verrückt kommt mir das alles in dem gleißenden südlichen Licht vor!
Doch dieser architektonische Größenwahnsinn bringt die beiden Ceaucescus 1989 zu Fall: die Revolution bricht aus. Von diesem Palast aus hat Elena ohne Wissen ihres Mannes auf die revoltierenden Studenten schießen lassen. Er versuchte, gutzumachen, was sie verdorben hatte und hielt zwei flammende Reden auf dem Balkon seines pompösen Parlaments. Dann entschwebte er, zusammen mit Elena, in einem Hubschrauber. Beide wurden jedoch wieder eingefangen, man machte ihnen den Prozess, in welchem sie zum Tode verurteilt und schließlich erschossen wurden!
Nach diesem Erlebnis ist das „Sich Ergehen“ in einem geschmackvoll und geradezu gemütlich angelegten Bauernhofmuseum die reinste seelische Erholung! In einer großen, parkähnlichen Anlage mit alten Bäumen, gepflegtem Rasen und Blumen sind die Bauernhäuser der einzelnen Nationalitäten dieses großen Landes zu betrachten.
Es folgt der nächste Hit:
Mittagspause in einem Restaurant mit Sonnenterrasse und blühendem Garten, doch wir werden hinein gebeten und finden uns in einem großen, hohen, luftigen Raum wieder, in dem uns lange, festlich gedeckte Tische mit verschiedenen Gedecken, mehreren Gläsern, Stoffservietten und Blumen erwarten! Empfangen werden wir von einer Kapelle, die hingebungsvoll Wiener Musik fiedelt. Allmählich füllt sich der Raum mit weiteren Ankömmlingen, und die Musik beginnt, leidenschaftlicher zu spielen und temperamentvolle Melodien des Balkans einzuflechten, während ein Manager souverän die Gäste zu ihren Plätzen dirigiert.... bis schließlich alle Musici begeistert abgelichtet worden und alle  Personen zum Sitzen gekommen sind. Ehe wir es uns so recht versehen öffnet sich eine Tür und 46 (!) junge Kellner erscheinen -  alle in gleicher kleidsamer Montur – und marschieren in Gänsemarsch und Gleichschritt erhobenen Kopfes, die Nase in der Luft und jeder eine Wasserflasche in der nach unten gehaltenen linken Hand an den langen Tischen entlang, um einzuschenken! Das hat die Welt noch nicht gesehen! „Küchen-Ameisen“ wird sie der beeindruckte Pferdeflüsterer später nennen! In gleicher Weise werden die einzelnen Gänge, die verschiedenen Weine, das Dessert und der Kaffee serviert. Man kommt sich fast vor wie bei Hofe! Zwischen den einzelnen „Aufmärschen“  der jungen Bediensteten, zwischen den Gängen also, erscheinen prächtig gekleidete Folklore-Gruppen, junge Tänzer und Tänzerinnen in ihren verschiedenartigen, wunderschönen Trachten der einzelnen rumänischen Landschaften und wirbeln – anders kann man es nicht nennen – zu den heißen, geradezu berauschenden Melodien des Balkans vor dem Orchester herum, während sie immer wieder von aufspringenden Gästen in feurigen Blitzlichtgewitter in die Kameras gebannt werden. Das Speisen wird geradezu zur Nebensache! Die Musik wird immer leidenschaftlicher, das Tempo immer schneller, die Geigenbögen rasen über die Saiten, die Beine der Tänzer und der Tänzerinnen - von einem Berliner Mitreisenden liebevoll „Tanzmiezen“ genannt - berühren kaum noch den Boden......und in den kurzen Pausen, da sich die Tänzer umkostümieren und die Musik bei weitem keine Pause einlegt, wird dann doch fein „getafelt“! Wie haben sich doch die Slawen trotz Kommunismus ihre „feine, fast vornehme Lebensart“ bewahrt! Immer wieder sind sie mir begegnet, diese altmodischen Gesellschaftsformen, sei es in meiner Praxis, als mir die alten Herren vom Balkan mit ausgesuchter Höflichkeit begegneten und mir stets die Hand küssten, sei es in Budapest noch zur Zeit des Kommunismus oder auf meiner Reise nach Prag Anfang der 90iger Jahre, als ich mich tatsächlich immer wieder in die Zeit der Donau-Monarchie zurückversetzt gefühlt habe, sei es erst vor wenigen Jahren in Polen....Sie wird dahinschwinden, diese Lebensart, denke ich, und McDonalds Platz machen! In Bukarest habe ich sie noch einmal genossen!
89% der Rumänen sind orthodoxen Glaubens, und der hl. Demetrius ist der Schutzpatron von Bukarest.
Auf der Fahrt zur Patriarchie des Landes kommen wir auch durch Strassen mit den alten, leider sehr maroden Häusern, die dem Pariser Stil des 19. Jahrhunderts nachempfunden sind, als man, wie oben bereits erwähnt, die Stadt wegen ihrer Enge umbaute und erweiterte. Schade! Doch vielleicht besteht Hoffnung, doch noch einiges zu sanieren und auf diese Weise zu erhalten, wenn sich erst einmal das Füllhorn der EU über das Land ergießt!
Wir besuchen also den Sitz des Patriarchen, seine Kirche, die Hauptkirche des Landes, um welche sein Wohnsitz und kirchliche Verwaltungsbauten gruppiert sind, ein sehr schönes, sehr gepflegtes Areal mit Kopfsteinpflaster im Pfauenmuster. Vor der Kirche begegnen uns junge Nonnen, die mich insofern faszinieren, als mich ihre Tracht an das outfit der Stewardessen von Air Gulf erinnert. Über einer geradezu koketten, starren Kappe, welche das Haar vollständig bedeckt, ist ein kurzer Schleier gelegt, unter dem diese Kopfbedeckung deutlich zu sehen ist. Ich kann mir nicht helfen: trotz des schwarzen bodenlangen bauschigen Gewandes erinnern mich die Damen ein wenig an Harem! Als seien sie tatsächlich im Stress, so eilen sie, dabei gleichzeitig in ihr Handy hineinzwitschernd, hurtigen Schrittes davon! Auch im rumänischen Patriarchat ist die Moderne längst angekommen!  
Bekanntlich sind die Popen verheiratet, und sie sollen auch möglichst viele Kinder haben. Nach einem Witz hat der Pope unheimlich viele Kinder, und der römisch katholische Geistliche hat sie heimlich. In einem weiteren Witz fragt ein orthodoxer Pope seinen päpstlichen Amtsbruder: „Wann dürft ihr denn endlich heiraten?“ Antwort: „Ach! Das erlebe ich nicht mehr! Doch meine Kinder wahrscheinlich schon!“
Wie im Katholizismus gibt es auch in der Orthodoxie die Ohrenbeichte, aber keinen Beichtstuhl. Man legt seinen Kopf in den Schoß des Popen, er legt ein Tuch darüber und lauscht dem Sünder. Früher habe der Kopf unter dem Schoß gelegen, doch das gäbe es heute nicht mehr, höre ich!!!!!
Überall in den orthodoxen Kirchen werden die dünnen gelben Kerzen entzündet und in Schalen, gefüllt mit Sand, gesteckt. Seit mehr als 30 Jahren kenne ich diesen Brauch, aber erst hier in Bukarest erfahre ich, dass die Kerzen auf der einen Seite für die Toten, auf der anderen Seite für die Lebenden entzündet werden.
Bukarest! Für mich gleichst du einer etwas in die Jahre gekommenen, ehemals recht lebenslustigen Dame, die, zwar gewandet in schon Abgetragenes, sich doch immer noch aufputzt mit Schmuckstücken, die einst viel Geld gekostet haben! Dagegen kommt mir Belgrad ein bisschen bieder, Budapest jedoch wie eine sich stets verjüngende Csárdás-Prinzessin vor.
Es geht weiter gemächlich stromabwärts. Die Donau wendet sich erst allmählich, doch dann, schon in der Nähe des schwarzen Meeres, energisch wieder nach Norden. Sie hat begonnen, Nebenarme zu bilden, die uns, manchmal sichtbar, meist jedoch unsichtbar begleiten. Sahen wir sie erst vereinzelt, so gleiten jetzt immer häufiger Flussinseln, vorbei. Sie und die Ufer sind Paradiese für heimische und durchreisende Vögel. Immer wieder sind Reiher auszumachen. Manchmal sehen wir an den Ufern  kilometerweit Pappeln, die alle gleich hoch sind, so als hätte man ihre Wipfel über den Kamm geschoren, was natürlich nicht der Fall ist. Wir passieren die Gegend des ehemaligen Hochwassers, und wir erinnern uns sofort an die gewaltigen Überschwemmungen in diesem Donauabschnitt vor 2 Jahren, und an die verzweifelten Menschen, deren Habe, wie im TV zu sehen, überflutet worden war. Nachdem sich die Wasser wieder in die Flussbetten zurückgezogen hatten, hat man damals die Ufer sofort mit diesen schnell wachsenden Bäumen bepflanzt.
Kurz bevor die Donau Moldawien erreicht wendet sie sich wieder nach Südosten, um gemächlich ihr berühmtes Delta mit unendlich vielen Flussarmen und unendlich vielen kleinen Seen zu bilden. Wir gelangen an das Ende unserer so eindrucksvollen Donaureise. In Tulcea nahe der ukrainischen Grenze, keine sehr einnehmende Stadt, so weit wir sehen können, mit reichlich Laufkränen und marode wirkenden Lagerbauten an den Flussufern, verlassen wir die gemütliche MS Dnepr. Mit unserem Gepäck begeben wir uns auf eine mehrstündige Busreise nach Constanza, eine sehr holprige Reise übrigens, auf der, nach den Worten des Pferdeflüsterers, kein einziges Schlagloch ausgelassen wurde! Die Stadt selbst werden wir, bis auf einige am Horizont auszumachende Laufkräne, nicht sehen, denn der Flughafen liegt weit außerhalb. In der Ferne glitzert hin und wieder das schwarze Meer zu uns herüber, das tiefste aller Binnenmeere, an dessen Rändern das Wasser aufgrund seines geringen Salzgehaltes und geringer Strömungen im Winter zufriert, wie zu erfahren war. Seinen Namen verdankt das Meer der Tatsache, dass unterhalb von 30 m Tiefe kein Lebewesen mehr existieren soll. Sonnenblumen- und Maisfelder, Brachland und kleine Dörfer in dieser flachen Landschaft! Blumen als Schmuck in Gärten - einfach nur zur Lebensfreude -  sehe ich nicht! Doch selbst in den kleinsten Dörfern finden sich wie in allen anderen Orten, durch die wir auf unseren Ausflügen in diesem Land gekommen sind, an den niedrigen Häuschen die EU Fahne flattern! Auch Rumänien wird 2007 der Brüsseler Gemeinschaft beitreten und wird mit uns und den übrigen EU-Mitgliedern im europäischen Haus wohnen! Wer beobachten konnte, wie sich Irland, Portugal und die baltischen Staaten in diesem Haus gar prächtig entfalten konnten, der wird voraussehen, dass auch die sich derzeit um die Aufnahme sehr bemühenden Länder Bulgarien und Rumänien in der europäischen Familie eine Blüte erleben werden, die wir den Menschen dort, die so viel gelitten haben, von Herzen gönnen sollten! Immerhin hat uns die EU vor europäischen Bruderkriegen bewahrt, und der Balkan war, glaube ich, das beste Beispiel dafür, dass Kain und Abel eben kein gutes Beispiel sind! 
 

 

 
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